Premiere: Neues Festspiel „Vom Hussenkrieg“ überzeugte Publikum im Neunburger Burghof

Von Ralf Gohlke · 5. Juli 2026 um 17:00

Roter Feuerschein, Büchsendonner, Schwerterklirren und Schlachtgetöse – ab sofort wird wieder gekämpft im Neunburger Burghof. Das neue Festspiel „vom Hussenkrieg“ legte am Samstag eine grandiose Premiere hin, bei der offenbar keine Wünsche offenblieben.

So schnell wie diesmal hat sich am Ende noch nie ein Premierenpublikum von seinem Sitzen auf der ausverkauften Tribüne erhoben, um den rund 120 Akteuren vor und hinter der Bühne stehend Applaus zu spenden. Den hatten sie sich in der großen Gemeinschaftsleistung, die in der Vorbereitung an den Tag gelegt werden musste, redlich verdient. Einige der ehemaligen Schirmherrinnen und Schirmherren sowie langjährige Besucher lobten im Nachhinein die gelungene Inszenierung.

Der Anspruch war hoch. Angekündigt war ursprünglich ein völlig neues Stück. Probleme bei der Umsetzung mit einem neuen Autor führten aber letztendlich dazu, dass sich der Festspielverein mit dem Regie-Duo Karin Michl und Verena Hergl dazu entschloss, selbst tätig zu werden und das Ganze auf der Basis der Werke von Peter Klewitz und Christina Fink neu zu interpretieren und zu inszenieren, denn die Zeit drängte. Texte mussten neu geschrieben und die Darsteller auf ihre neuen Rollen eingestellt werden.

Keine Seite trug einen wirklichen Sieg davon

Daraus resultierte nun ein Stück, das dem geschichtlichen Anspruch des Geschehens um die von den Oberpfälzern gewonnene Schlacht bei Hiltersried von 1433, bei der die Hussiten ihre einzige große Niederlage erlitten, wiederum gerecht wurde. Ebenso gerecht wurde der neu aufbereitete Inhalt dem Anspruch als Anti-Kriegsstück und der Aussage, dass keine Seite einen wirklichen Sieg davon getragen habe.

Die Verurteilung des Reformators Jan Hus zum Tod auf dem Scheiterhaufen in Konstanz, wird aktuell szenisch an den Beginn des Stückes gestellt, dem sich das Leben auf einem Bauernhof anschließt, dass von einem Überfall durch Hussiten jäh unterbrochen wird. Ein Junge, der sich wehren will, kommt dabei zu Tode, was den Hussiten, der die Armbrust abgefeuert hat, später zur Verzweiflung treibt.

Im weiteren Verlauf passiert einiges, was aus den früheren Aufführungen bekannt vorkommt, etwa die Forderungen der Bürger an den Pfalzgrafen Johann für den Schutz der Stadt zu sorgen, der Entschluss die Hussiten, trotz eigener Unterzahl anzugreifen und die Vorbereitungen auf den Kampf. Neu ist unter anderem die Szene im Hussitenlager, die zeigt, dass diese selbst am Ende ihrer Kräfte sind und Selbstzweifel an der Richtigkeit ihres Tuns hegen.

Die Eltern des Bauernjungen sind geschockt über die Brutalität des Hussiten. - Foto: Ralf Gohlke
Die Pfalzgräfin Beatrix (r.) drängt ihren Gatten, den Pfalzgrafen Johann, gegen die Hussiten vorzugehen. - Foto: Ralf Gohlke
Mit der Schmäh-Kappe des Ketzers auf dem Kopf wird Jan Hus nach dem Todesurteil abgeführt. - Foto: Ralf Gohlke
Der Schirmherrenempfang mit Eintrag in das Goldene Buch der Stadt, in Begleitung der Ehrengäste, bildetn den Auftakt zur Festspielsaison. - Foto: Ralf Gohlke

Schließlich erfolgt der Angriff der Oberpfälzer, der in das Schlachtgetümmel, als einem der Höhepunkte der Inszenierung, mündet. Wo früher öfter Sicherheitsvorkehrungen für Unterbrechungen im Ablauf sorgten, erscheint die Schlacht diesmal wirklich als kompaktes Geschehen. Gelungen ist es dem Regie-Team ebenfalls, jeden Darsteller dazu zu bringen, seine Rolle mit eigener Emotion auszufüllen und sich verständlich zu artikulieren, unabhängig von einer Haupt- oder einer Nebenrolle.

Einer von ihnen ist Alexander Malterer, der als Chronist Ott Ostmann wieder Einzug gehalten hat und jeden seiner letzten Sätze auch in Frageform anklingen lässt. Beim großen Finale erklingt dann wieder dessen Lied, gesungen vom gesamten Ensemble, bevor das verlöschende Bühnenlicht den Theatervorhang symbolisiert. Neu ist auch die komplette musikalische Untermalung herausragender Szenen, die zum Teil für echte Gänsehautmoment sorgt.

Ich bin stolz darauf, hier Schirmherr sein zu dürfen.Franz Löffler, Bezirkstagspräsident und Schirmherr

Am Premierenende, immer noch mit dem Applaus im Hintergrund, gratulierten die Ehrengäste dem Regieteam und den Hauptdarstellern. Wie in den Vorjahren bildete der Schirmherrenempfang im Rathaus den offiziellen Auftakt der Festspielsaison 2026. Dazu hieß Bürgermeister Martin Birner (CSU) zahlreiche Gäste willkommen.

Klare Botschaft gegen Krieg und Gewalt

Manuel Winkler, Vorsitzender des Festspielvereins, bedankte sich noch einmal für die Übernahme der Schirmherrschaft durch den Bezirkstagpräsidenten Franz Löffler und stellte dessen besondere Verbindung zu den Festspielen im Nachbarlandkreis Cham heraus. Daher wisse er um deren besondere Mischung aus Leidenschaft, Durchhaltevermögen und Wettervertrauen. Für den Zuschauer verständlich soll dieses eigenen Stück eine klar Botschaft gegen Krieg und Gewalt vermitteln.

Der Hussenkrieg sei ein Stück Heimat, das verdeutliche, dass Frieden und Freiheit keine Selbstläufer seien und immer neu verteidigt werden müssten. Daher sei das Stück aktueller den je. Kultur sei die beste Möglichkeit, diese Botschaft noch besser an die Leute zu bringen. „Ich bin stolz darauf, hier Schirmherr sein zu dürfen“, schloss er.