Kelheims neuer Vize-Landrat: Brückenbauer, Ideengeber – und auch „K-Anwärter“?

Von Martina Hutzler · 6. Juli 2026 um 05:00

Mit Manfred Jackermeiers überraschender Wahl zum neuen Vize-Landrat hat Kelheims Kreis-CSU zumindest wieder einen Fuß in der Tür des Landratsamts, dessen Schlüssel sie erst im Mai an den neuen Freie-Wähler-Landrat Christian Nerb abgeben musste. Im Gespräch schildert Manfred Jackermeier, wie er zu dem Amt kam, warum er gut mit Christian Nerb kann – und wie er zur „K-Frage“ bei der nächsten Landratswahl in knapp sechs Jahren steht.

Nicht nur bei Kelheims Landrat gab es einen Wechsel. Mit Wolfgang Gural schied auch der langjährige Landrats-Stellvertreter zum 30. April aus dem Amt. Zum Nachfolger Gurals wählte der neue Kreistag im Mai den Teugner Manfred Jackermeier; er bekam 33 von 55 Stimmen. Dass der Vize-Posten bei der CSU bleibt, war keineswegs ausgemacht – es war aber tatsächlich ein Angebot der Freien Wähler an die CSU als stärkste Kreistagsfraktion, verrät Manfred Jackermeier. Ein Angebot, das man nicht ablehnen kann?

Diskutiert wurde in der Fraktion, „aber es war schnell klar, dass wir dabei sein wollen“: lieber Entscheidungen mitgestalten als Fundamentalopposition betreiben. Und wer sollte das Jobangebot übernehmen? Seine kommunalpolitische „Vorgeschichte“ rückte schnell den Teugner Bürgermeister und Kreisrat Jackermeier ins Zentrum der Fraktionsberatung.

Denn der 48-Jährige bildete seit 2014 eine Art Schicksalsgemeinschaft mit Christian Nerb als bisherigem Bürgermeister von Saal: Beide Orte sind eine Verwaltungsgemeinschaft und kooperieren u.a. in Schul- und Wasser-Zweckverband; beide Gemeindechefs amtieren im Saaler Rathaus. Und, ja: „Wir haben zwölf Jahre vertrauensvoll zusammengearbeitet – da ist auch eine Freundschaft entstanden.“ Vor- oder Nachteil in der neuen Landrats-/Vize-Konstellation?

Die Fronten verlaufen eher zwischen oben und unten

Für Jackermeier ist die Antwort klar: „Es kann nur von Vorteil sein, wenn zwei Leute mit Verantwortung sich verstehen und vertrauen.“ Sowieso arbeiteten die Bürgermeister parteiübergreifend gut zusammen: „Alle stehen vor denselben Problemen – da ist es für jeden gut, sich gegenseitig Tipps zu geben.“ Gräben sieht er eher zwischen unten und oben als zwischen rechts und links: „Wir Kommunen bekommen immer mehr Aufgaben von Bund und Ländern aufgedrückt“, ohne ausreichende Gegenfinanzierung: „Das ärgert mich schon!“

Der Teugner ist ja längst nicht der einzige CSUler, dem der einstige Freie-Wähler-Slogan „Wer anschafft, zahlt“ flüssig über die Lippen kommt. Wobei auch ihm klar ist, dass auf allen staatlichen Ebenen das Geld zum Investieren knapp ist. „Die glorreichen Zeiten sind vorbei…“

Trotzdem will der Kreisrat und neue Landrats-Stellvertreter nicht nur personeller „Brückenschlag zwischen CSU und Freien Wählern“ sein, sondern schon auch „Kreispolitik aktiv mitgestalten“ und „CSU-Themen platzieren“, wie er betont. „Ein Herzens-Thema von mir ist, dass der ,Kexi‘ weiterfährt“: Dieser flexible Expressbus, ein zentrales Projekt von Ex-Landrat Neumeyer, sei gerade in ländlichen Gemeinden „das Haupt-Thema, das sie mit ,Landkreis‘ verbinden“.

Im Übrigen seien ihm „geordnete Finanzen tatsächlich sehr wichtig“, und folglich in diesen Zeiten das Beschränken auf Landkreis-Kernaufgaben wie Schulgebäude, Straßen: „Wir dürfen da keinen großen Investitionsstau aufbauen!“ Solche Ausgaben-Disziplin, die sich Jackermeier auch für Teugn verordnet hat, prallt auf teils kostenträchtige Versprechen, die sein „Chef“ Christian Nerb im Wahlkampf gegeben hat: etwa den Neubau der Mainburger Lehrschwimmhalle. Aber das sei Sache der Freien Wähler, winkt der CSU-Mann ab; „ich werde nicht die Politik der FW machen“. Grenzt sich das vielleicht schon einer ab, der in sechs Jahren gegen einen (dann neuen) FW-Landratskandidaten oder -kandidatin antreten will?

Können menschlich gut miteinander: Landrat Christian Nerb (re.) und sein Stellvertreter Manfred Jackermeier kurz nach dessen Wahl. - Foto: Hutzler

„Das wird nicht meine persönliche Entscheidung, sondern die des CSU-Kreisverbands“, antwortet Manfred Jackermeier diplomatisch: Wenngleich nun Vizelandrat, „muss nicht ich zwingend der nächste Kandidat sein – aber es ist auch nicht ausgeschlossen.“ Zutrauen jedenfalls würde er sich das Verwalten und Gestalten des Landkreises: Das lässt der bisherige Regensburger Standortleiter vom Infineon-Dienstleister Kinetics durchblicken. Dort ist der gelernte Schlosser und Industriemeister seit 2008 für rund 90 Beschäftigte verantwortlich – noch: Ende Juli hört er dort auf.

Nach zwölf Jahren mit „zwei Fulltime-Jobs“ reduziert er ab August auf einen, oder besser: anderthalb; das Landrats-Vizeamt kommt zum Bürgermeister-Amt ja nun dazu. Die Doppelbelastung von Beruf und Bürgermeister-Ehrenamt in einer Gemeindeverwaltung mit immerhin knapp 30 Beschäftigten „war schon sehr anspruchsvoll“; für die Familie etwa sei da wenig Zeit geblieben, blickt der verheiratete Vater zweier Töchter (18 und 20) zurück.

Mehr Zeit für Familie – und für Kommunalpolitik

Für die Familie soll nun endlich mehr Zeit bleiben, hat er sich vorgenommen. Ansonsten freut er sich einfach darauf, mit ungeteiltem Einsatz in der Kommunalpolitik zu arbeiten. Das sei tatsächlich seine große Leidenschaft, seit er einst als 2. Landjugend-Vorstand, beim Kampf um einem Jugendraum in Teugn, gemerkt hat, „dass man was bewegen kann“. Ein weiteres, kleineres Hobby gibt’s seit einiger Zeit übrigens doch noch – dank Lern-App „hab ich jetzt Schafkopfen gelernt: macht brutal Spaß!“

Machtverhältnisse im neuen Kelheimer Kreistag

Sitze: Der Erfolg der Freien Wähler auf Kreisebene bei den Kommunalwahlen im März hatte einen Haken: Landrats-Kandidat Christian Nerb setzte sich zwar erfolgreich gegen CSU-Amtsinhaber Martin Neumeyer durch. Aber die CSU verteidigte ihre Stellung als stärkste Fraktion im 60-köpfigen Kreistag, wenn auch von 20 auf 16 Mandate geschrumpft.

Mehrheiten: Zusammen mit der CSU-nahen Jungen Liste, die drei Kreistagsmitglieder stellt, könnten die Christsozialen den FW (11 Kreisräte und -rätinnen plus Landrat) im Fall des Falles zu einer hauchdünnen Mehrheit von einer Stimme verhelfen. Die übrigen Mandate verteilen sich auf SLU, AfD, Grüne, SPD, ÖDP, FDP, Bayernpartei und zwei Fraktionslose.