Hitze: Gibt es genug Schutz für Kinder in Regensburger Schulen und Kitas?

In vielen Einrichtungen für Kinder im heißen Regensburg fehlt es an Schatten und Kühlung. Im Extremfall kommt es zu Schließungen. An der Kreuzschule wandten sich Eltern und Schulleitung jetzt an die Politik.
Ein paar kleine Bäume, ein einsames Sonnensegel, zwei Schirme und ansonsten viel, viel Pflaster: So sieht es im Hof der erst vor sechs Jahren eröffneten Kreuzschule aus, den am Freitag zwei Elternvertreter und Schulleiterin Beate Müller Umwelt-Bürgermeisterin Helene Sigloch (Grüne) präsentierten. Ihre Botschaft formuliert Elternbeirat Moritz Hunger so: „Da ist auf jeden Fall nicht genug Schatten auf diesem Schulhof.“ Die Kreuzschule ist kein Einzelfall.
Maria Elena Prokopidi, stellvertretende Elternbeiratsvorsitzende der Kreuzschule, berichtet von den Hitzetagen in der vergangenen Woche: „Viele Kinder haben am Abend Kopfweh gehabt“, auch ihre Tochter – dabei tue die Schule, was sie könne. Schulleiterin Müller ließ die Kinder sogar unter den Rasensprenger des Hausmeisters. Müller betont: „Es ist absolut Handlungsbedarf. Wir können die Kinder nicht heimschicken.“ Die Schüler der Ganztagsschule sind bis 16 Uhr da, der angeschlossene Hort hat bis 17 Uhr geöffnet. Die Klassen- und Bewegungsräume der Schule und der Hort seien mit einer Lüftungsanlage ausgestattet, so dass es innen in vielen Räumen erträglich sei, heißt es von Eltern und Personal. Bei den Bäumen handle es sich leider um „langsam wachsende“ Sorten.
Bei 35 Grad Innentemperatur zieht Stadt die Reißleine
In anderen Einrichtungen ist es auch innen zu heiß, wie die Alarm-Meldungen zeigen, die Eltern vergangene Woche bekamen. Da schrieb die Kita, sie schließe früher, weil es vor 13 Uhr bereits 28 Grad in den Räumen hatte. Da informierte die Schulleiterin, es sei so heiß, dass die Eltern ihre Kinder von der Ganztagsschule abmelden dürften. Die Stadt schloss sogar drei ihrer Horte für die Nachmittagsbetreuung von Grundschülern. Am Donnerstag und Freitag der vergangenen Woche habe im Hort im Kinderhaus Lechstraße und an der Konradschule im Stadtnorden sowie im Hort Altstadt „aufgrund der dortigen extremen Hitzeentwicklung“ der Betrieb eingestellt werden müssen, so Stadtsprecherin Katrin Butz; die Räumlichkeiten seien im Dachgeschoss, Notbetreuung habe es gegeben. Grundlage für die Schließungen von Einrichtungen seien das Arbeitsschutzgesetz und die Vorschriften der Unfallversicherung für die „Sichere Kita“. „Darin ist festgelegt, dass Räume ab einer Temperatur von 35 Grad nicht mehr genutzt werden dürfen.“ Diese Regelung beziehe sich auf die Kinder und das Personal.
Generell gilt laut Butz für die städtischen Kitas und Horte: „Einige Einrichtungen verfügen über technische Maßnahmen, um die Raumluft zu kühlen.“ Ansonsten werde der Hitzeschutz etwa durch eine Verlagerung des Betriebs in kühlere Räumlichkeiten, Wasserspiele, Lüften am frühen Morgen oder „Nachtauskühlung“ sichergestellt. Bewegungsangebote müssten reduziert werden oder ausfallen. „Für die kommenden Jahre plant das Amt für Tagesbetreuung von Kindern, stark betroffene Einrichtungen mit Klimageräten auszustatten.“ Die Stadt investiere hier, Fördergelder gebe es nicht. Zur Kühlung von Schulen könne sie kurzfristig nichts sagen, so Butz. Bürgermeisterin Sigloch erklärt in der Kreuzschule zum Thema Schatten, inzwischen sei dies „mehr im Fokus“.
Mirjam Thurn, Leiterin der Grundschule St. Wolfgang, – ein Altbau ohne Kühlungsanlage mit alten Linden im Hof – weist vor allem auf „die Problematik, dass wir nachts nur schlecht lüften können“, hin. In Schulen sei um diese Zeit niemand. Morgens die Fenster aufzumachen, genüge bei weit mehr als 30 Grad und 25 Kindern im Raum, die diesen weiter aufheizen, nicht. Auch mit kleinen mobilen Klima-Geräten würde es da wohl „schwierig“. In der vergangenen Woche hätten sich die Kinder auch mal auf die kühlen Fliesen im Keller gelegt, zum Lesen. Nötig sei ein Bündel an Maßnahmen: „Da braucht man tatsächlich Experten, die einen Hitzeschutzplan für die Stadt entwerfen.“
Kinderarzt fordert Kühlung von Gebäuden
Tatsächlich erstellt die Stadt einen „Hitzeaktionsplan“. Auch der Regensburger Kinderarzt Guido Judex sieht hier Handlungsbedarf: Nötig seien mehr Grünflächen und Trinkmöglichkeiten sowie die Kühlung von Gebäuden, „natürlich CO2-neutral“. Meiden sollten Kinder die Mittagshitze ab 11 Uhr, Sport bei sehr hohen Temperaturen sei „lebensgefährlich“.
Sportfeste wie die Bundesjugendspiele sollten nicht mehr im Juni oder Juli stattfinden, sagt Judex. Kinder schwitzen weniger als Erwachsene, deshalb seien sie gefährdeter: „Je kleiner die Kinder, desto schlechter können sie mit Hitze umgehen.“