Hitzewelle kostete mindestens zwei Menschen in Regensburg das Leben

Vor zwei Wochen kam eine Hitzewelle in Regensburg an, die erst mit dem Gewitter am Montag ihr Ende nehmen sollte. Zwei Patienten, die sich in dieser Zeit wegen Beschwerden im Zuge der hohen Temperaturen an das Universitätsklinikum begeben hatten, überlebten die heißen Tage nicht.
Diese Auskunft erteilt Pressereferent Matthias Dettenhofer. Todesfälle wie diese, die unmittelbar und ausschließlich auf Hitze zurückzuführen sind, seien am Universitätsklinikum Regensburg selten, ordnet er ein. „Im Durchschnitt werden ein bis zwei hitzebedingte Todesfälle pro Jahr verzeichnet“, erklärt er.
Ob in Regensburg noch mehr Menschen an der Hitze starben, ist offen. Drei weitere große Einrichtungen für vulnerable Gruppen haben zumindest keine zu verzeichnen. So habe es am Krankenhaus Barmherzige Brüder laut Julia Gergovich-Klein, Leiterin der Abteilung für Marketing und Öffentlichkeitsarbeit, in den vergangenen beiden Wochen keine Hitzetoten gegeben. Am Caritas Krankenhaus St. Josef seien bis dato ebenfalls keine Hitzetoten bekannt, sagt Silke Spitzenpfeil aus der Unternehmenskommunikation dieser Einrichtung. Und auch bei der Caritas Wohnen und Pflege gGmbH, die Träger von 25 Caritas Alten- und Pflegeheimen sowie zwei Tagespflegen im Bistum Regensburg ist, gab es laut Geschäftsführerin Mechthild Hattemer keine Hitzetoten. Allerdings ertranken in und um Regensburg während der heißen Tage Menschen beim Schwimmen: einer in der Donau sowie zwei im Guggenberger Weiher.
Uniklinikum holte die Notfallreserve zu Hilfe
Die Hitzewelle machte sich am vergangenen Wochenende deutlich in den Notaufnahmen bemerkbar. So verzeichnete das Universitätsklinikum laut Dettenhofer eine außergewöhnlich hohe Inanspruchnahme der Notfallversorgung. Er spricht von nahezu 400 Patienten zwischen Freitag und Montag. „Aufgrund des außergewöhnlich hohen Patientenaufkommens musste zeitweise die Notfallreserve aktiviert werden, um die medizinische Versorgung aller Betroffenen sicherzustellen“, verdeutlicht er. Ein Teil der Patienten habe sich mit hitzeassoziierten Beschwerden wie Schwindel, Kreislaufkollaps oder Kopfschmerzen vorgestellt. Häufig sei nicht allein die Hitze ausschlaggebend gewesen, sondern das Zusammenwirken hoher Temperaturen mit unzureichender Flüssigkeitsaufnahme, körperlicher Anstrengung, längeren Aufenthalten im Freien, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes oder einer laufenden Tumorbehandlung.
Alle Entwicklungen zur Hitze lesen Sie in unserem Liveblog!
Auch Dr. Felix Rockmann, Chefarzt des Notfallzentrums am Krankenhaus Barmherzige Brüder, berichtet davon, dass die Zahl der Patienten mit hitzebedingten Beschwerden am Wochenende deutlich zugenommen habe: Rund 80 Prozent der Menschen, die das Notfallzentrum aufsuchten, seien aufgrund hitzebedingter gesundheitlicher Beschwerden behandelt worden, sagt er. Laut Spitzenpfeil wurden im Josefskrankenhaus zwischen 17. Juni und Montagmittag in diesem Haus 52 Patienten behandelt, die gesundheitliche Probleme aufgrund der Hitze hatten. Eine Person davon habe ihr zufolge aufgrund der Schwere der Erkrankung auf die Intensivstation gebracht werden müssen. Auch Spitzenpfeil zählt Beschwerden wie Austrocknung, Kreislaufprobleme, ausgeprägte Schwäche, Schwindel und Kollapsneigung oder Hitzschlag auf. „Bei Menschen mit Vorerkrankungen zeigten sich teils deutliche Verschlechterungen des Allgemeinzustands“, berichtet sie .
Viele Patienten im Alter unter 30 oder über 80 Jahren
Besonders auffällig seien zwei Altersgruppen gewesen, sagt Spitzenpfeil: Menschen unter 30 Jahre, die bei Open-Air-Festivals entweder zu wenig oder zu wenig alkoholfreie Getränke zu sich genommen hatten, sowie Patienten über 80 Jahre, die ebenfalls zu wenig getrunken oder sich bei der Hitze zu viel zugemutet hatten. Hattemer von der Caritas Wohnen und Pflege gGmbH bestätigt: Die sehr hohen Temperaturen über so lange Zeit mit so wenig nächtlicher Abkühlung seien sowohl für Bewohner als auch für die Mitarbeiter sehr belastend.
Die Hitze, die vielen Menschen zu schaffen machte, ist auf den Schnappschüssen der Wärmebildkamera von Raimund Schoberer, Vorsitzender der Kreisgruppe Regensburg im Bund Naturschutz, zu sehen. Bis zu 71 Grad waren Flächen rund um den Haidplatz heiß, bis zu 68 Grad im Bereich der Eisernen Brücke oder bis zu 54 Grad beim Schleusenkanal am Protzenweiher, meldete das Gerät, nachdem Schoberer auf den Auslöser gedrückt hatte.
So geht es weiter
• So geht es weiterVeranstaltungen: Am Wochenende steigen mit dem Jazzweekend und dem Christopher Street Day zwei Events, die viele Menschen anlocken.
• Temperaturen: Katrin Butz von der städtischen Pressestelle rechnet mit Temperaturen um die 25 Grad, also deutlich kühleren Werten als zuletzt.
• Zerstäuber: Wie bereits beim Bürgerfest plant die Stadt, einen Wasserzerstäuber an der Spielstätte Ruthof aufzustellen. Er sei gut angenommen worden.
• Trinkwasser: In Kooperation mit der Rewag soll laut Butz auch ein zusätzlicher Trinkwasserspender am Kohlenmarkt installiert werden.
• Hitzeschutzpakete: In der Jazzweekend-Festivallounge am Kohlenmarkt sollen bei Bedarf Hitzeschutzpakete ausgegeben werden.
Diese Werte machten sich auch im Wasserverbrauch der Regensburger bemerkbar: An einem durchschnittlichen Tag fließen durch die Leitungen im Verbreitungsgebiet der Rewag laut Sprecher Martin Gottschalk 35 Millionen Liter Wasser. Während der heißen Tage in der vergangenen Woche verzeichnete die städtische Tochter jedoch einen deutlichten Anstieg um 30 Prozent, berichtet er. Bis zu 48 Millionen Liter Wasser pro Tag seien während der Hitzewelle verbraucht worden. Dennoch habe Regensburg kein Problem mit der Trinkwasserverfügbarkeit, denn quasi alles Wasser aus dem Oberpfälzer Jura komme hier zusammen.
An den Besucherzahlen der Freibäder wird deutlich, wie gefragt Abkühlung war. 5729 Besucher seien am Samstag ins Westbad gekommen und am Sonntag 3433, berichtet Gottschalk. Zum Vergleich: Während der ersten Hitzewelle hatte er dort 2600 Besucher am Pfingstsonntag sowie 3600 am Pfingstmontag verzeichnet. Ins Wöhrdbad kamen laut Gottschalk am Samstag 3433 Besucher und am Sonntag 3500. An den Pfingstfeiertagen seien es 1350 und 1900 gewesen.