Missbrauch im Kinderzimmer: Angeklagtem droht in Regensburg die Sicherungsverwahrung

Von André Baumgarten · 2. Juli 2026 um 19:00

Tatorte in drei Landkreisen: Ein 23-Jähriger aus Neutraubling (Landkreis Regensburg) steht wegen schweren sexuellen Kindesmissbrauchs in 50 Fällen vor Gericht. Mit großzügigen Geschenken soll er sich das Vertrauen seiner vier Opfern und deren Eltern erkauft haben. An Tag eins im Prozess gesteht er alles – doch es geht für ihn um viel mehr.

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Über vier Jahre lang soll sich ein Mann übel an Minderjährigen vergangen haben. Drei Kinder und ein Jugendlicher aus seinem direkten Umfeld sollen Opfer des 23-Jährigen geworden sein. Um deren Vertrauen – und auch das der Eltern – zu gewinnen, gab es großzügige Geschenke: mal Lego, mal Spielekonsolen und Bargeld. Schweren sexuellen Missbrauch in 50 Fällen legt die Generalstaatsanwaltschaft in Bamberg dem Angeklagten zur Last. Der ließ seinen Anwalt zum Prozessauftakt alles einräumen – ansonsten schweigt er. Und das nicht ohne Grund.

In typischer Häftlingskleidung wird der korpulente Mann von der Polizei in Fußfesseln zum Gerichtstermin gebracht. Minutenlang sitzt der 23-Jährige mit längeren Haaren und fast kindlichem Gesicht allein auf der Anklagebank in Sitzungssaal 104, dem größten des Regensburger Landgerichts. Verteidiger Matthias Trepesch aus München erscheint kurz vor Beginn. Er hatte im Vorfeld signalisiert, dass sein Mandant ein Geständnis ablegen wolle. Damit soll den vier Opfern auch eine Aussage erspart bleiben.

Erinnerungen nur an etwas weniger Fälle, als angeklagt

Und so kam es auch: Alles, was Ermittler zusammengetragen hatten, sei richtig. Einzig die Anzahl der Fälle wäre „aus seiner Erinnerung etwas niedriger, was die Sache nicht besser macht, um das klar zu sagen“, erklärte der Anwalt. Damit wolle der 23-Jährige nichts beschönigen, das seien „seine Erinnerungen“. Fragen werde sein Mandant aber keine beantworten. Vermutlich auch, weil die zweite Jugendkammer bereits einen Hinweis mit womöglich großer Tragweite erteilt hat.

Für den jungen Mann, der zuletzt in Neutraubling wohnte, kommt laut den Worten des Vorsitzenden Richters Schirmbeck auch eine vorbehaltliche Sicherungsverwahrung infrage. Heißt: Bevor er aus der Haft entlassen werden könnte, muss ein Gericht prüfen, ob der 23-Jährige weitere Sexualstraftaten an Kindern begehen könnte. Wie am Rande bereits klar wurde, ist der Angeklagte vorbestraft. Unterlagen zu zwei Einträgen im Bundeszentralregister waren an Tag eins bereits Thema.

Vier Verhandlungstage hat die zweite große Jugendkammer am Landgericht für den Prozess gegen den 23-Jährigen (li., im Bild mit Anwalt Matthias Trepesch) angesetzt. - Foto: Baumgarten

Ob das auch Missbrauchstaten oder Kinderpornografie waren, blieb offen. Der Username „Titan“, von dem der Angeklagte bestreitet, das zu sein, fiel und war Auslöser der Ermittlungen. Womöglich flog der 23-Jährige also in einem Großkomplex auf. Die Generalstaatsanwaltschaft in Bamberg mit der Zentralstelle Cybercrime Bayern jedenfalls bearbeitet nur herausgehobene Verfahren.

Tatorte im Raum Schwandorf, Kelheim und Regensburg

Die aktuelle Anklage führt Taten an vier Geschädigten auf, die teils erst sieben Jahre alt waren. Tatorte sollen deren Kinderzimmer in den Landkreisen Kelheim und Schwandorf, zwei Wohnungen des Mannes und sogar die Wohnung seiner Mutter gewesen sein. Zudem gibt es laut Anklage Fotos und Videos der Opfer, die teils bei ihm oder er auch bei ihnen übernachtete.

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Neben der Bestätigung des Geständnisses dürfte es im Prozess vor allem um die Frage der Sicherungswahrung gehen und was eine Strafe für die Taten verhängt wird. Am 22. Juli soll das Urteil in der Sache fallen.