Mehr Polizei und Security: Kioskbetreiber sieht positive Entwicklung am Schwandorfer Bahnhof

Der Schwandorfer Bahnhof ist immer wieder Gesprächsthema. Einer der weiß, wie es neben den Gleisen wirklich läuft, ist Johann Lehrnbecher. Der Schwarzhofner betreibt seit mehr als 20 Jahren den Kiosk samt Backshop in der Wartehalle. Der 60-Jährige kennt den örtlichen Bahnhof quasi wie seine Westentasche. Und er hat in den vergangenen Monaten nicht nur selbst gehandelt, um für mehr Aufenthaltsqualität zu sorgen. Auch bei Bahn und Polizei konnte er Beobachtungen machen, die ihn voll des Lobes stimmen.
Wer bei schlechtem Wetter oder klirrender Kälte nicht im Freien auf den nächsten Zug warten will, kommt in Schwandorf an Lehrnbecher und seinem Team nicht vorbei. Seit 2003 ist der Schwarzhofner mit seinem MyPronto-Kiosk und dem Backshop die Konstante im örtlichen Bahnhof. Seitdem es den Zeitschriftenladen nicht mehr gibt und die Bahn ihren Schalter geschlossen hat, sind Lehrnbecher und seine Mitarbeiter oft die erste und einzige Anlaufstelle für Reisende.

Lehrnbecher weiß, dass sich nicht wenige von ihnen um die Sicherheit am Bahnhof sorgen. Nicht nur Vorfälle wie beispielsweise der Raubüberfall samt Pfeffersprayattacke im Herbst 2025 hätten die Leute verunsichert. Auch der Zustand des Bahnhofs sei immer schlechter geworden, so Lehrnbecher. Die Folge: Auch in seinem Kiosk und dem Backshop gingen die Kundenzahlen zurück. „Ich lebe von einer guten Aufenthaltsqualität. Mein Geschäft hat unter dem schlechten Ruf des Bahnhofs gelitten“, resümiert er.
Security ist im und um das Bahnhofsgebäude in Schwandorf unterwegs
Der Geschäftsmann sah sich zum Handeln gezwungen. Er setzte nicht nur einen Brandbrief an Bahn, Polizei und Rathaus auf, er wurde auch selbst tätig. Lehrnbecher finanziert seit mehreren Monaten aus eigener Tasche einen Sicherheitsdienst, der in und um das Bahnhofsgebäude unterwegs ist. Die Security-Kräfte sollen Suchtkranke und Störenfriede gezielt ansprechen. Lehrnbecher erhält vom Dienstleister täglich einen Bericht und zieht nun eine positive Zwischenbilanz: „Das Problemklientel wird erheblich weniger.“ Er habe schon viele positive Rückmeldungen erhalten.
Ich bin voll des Lobes für die Arbeit der Polizei.Johann Lehrnbecher, Kioskbetreiber
Der erfahrene Kioskbetreiber sieht aber auch, dass Mitarbeiter der DB Sicherheit und Polizeibeamte eine „höhere Präsenz“ am Schwandorfer Bahnhof zeigen. „Die decken alles ab. Das läuft hervorragend“, lobt Lehrnbecher. Er sei „voll des Lobes für die Arbeit der Polizei“, schließlich hätten die Beamten ja auch noch andere Aufgaben wie den örtlichen Bahnhof.

Polizeioberkommissar Stefan Dirnberger teilte in Abstimmung mit der Bundespolizei auf MZ-Anfrage mit, dass der Schwandorfer Bahnhof „weder in der Vergangenheit, noch jetzt einen Kriminalitätsschwerpunkt“ darstellte – und das, obwohl es sich dabei um eine der Gleisanlagen „mit dem größten Personenaufkommen in der Oberpfalz“ handle. Der örtliche Bahnhof stehe daher „natürlich auch im Fokus der Polizeiinspektion Schwandorf“.
Polizei: Präsenz am Schwandorfer Bahnhof „überdurchschnittlich hoch“
Landes- und Bundespolizei gelinge es hier bereits seit Jahren, einen hohen Kontrolldruck aufrecht zu erhalten. „Die polizeiliche Präsenz am Bahnhof ist ebenfalls bereits seit Jahren überdurchschnittlich hoch. Durch pressebegleitete und öffentlichkeitswirksame Maßnahmen dürfte die Wahrnehmung dieser Präsenz in der Öffentlichkeit nochmals deutlich gestiegen sein“, resümierte der Polizeioberkommissar.
Nicht nur die Arbeit der Polizei hebt Lehrnbecher hervor. Auch die Bahn sei zuletzt nicht untätig geblieben und habe unter anderem den Putzdienst aufgestockt und Sitzbänke abmontiert, an denen sich Störenfriede sammelten.
Der DB liege viel an der Sicherheit in ihren bundesweit rund 5700 Bahnhöfen, wie eine Sprecherin auf MZ-Anfrage versicherte. Man setze dabei vor allem auf drei Säulen. „Präsenz unserer Sicherheitskräfte, Schulterschluss mit unseren Partnerinnen wie insbesondere der Bundespolizei und Videotechnik“, wie es die Sprecherin formulierte.
Kräfte der DB Sicherheit: Für Prävention und Deeskalation
Auch am Bahnhof Schwandorf seien Kräfte der DB Sicherheit regelmäßig präsent. Zu ihren Aufgaben gehörten beispielsweise die Durchsetzung des Hausrechts, Prävention und Deeskalation sowie die Überwachung des Bahnhofs und der Infrastruktur. „In den vergangenen Monaten war die Lage vor Ort sehr ruhig, es kam zu keinen Vorfällen, auch von Seiten der Bundespolizei kam es zu keinen Feststellungen“, teilte die Bahnsprecherin mit.