Eine Nacht fürs Geschichtsbuch: Starkregen in Schwandorf sorgt für Ausnahmezustand

Von Hubert Heinzl · 30. Juni 2026 um 13:52

An diese Nacht werden sich die Schwandorfer noch lange erinnern: Bei einem schweren Unwetter fielen am späten Montagabend auf dem Gebiet der Großen Kreisstadt bis zu 70 Liter Regen pro Quadratmeter – und das in nur einer Stunde. Einen solchen Wert hat es seit Jahrzehnten nicht gegeben. Sämtliche Unterführungen und Hunderte Keller liefen voll. Bis in die frühen Morgenstunden waren mehr als 450 Kräfte von Feuerwehr, THW, Polizei und Rettungsdiensten im Dauereinsatz. Menschen kamen nicht zu schaden.

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Erst am Nachmittag warnte der Deutsche Wetterdienst für das Gebiet der Stadt Schwandorf vor einem schweren Gewitter. In den Abendstunden zogen immer mehr Wolken auf, teilweise deutlich rötlich gefärbt. Gegen halb neun Uhr abends öffnete der Himmel dann buchstäblich seine Schleusen. In einer Stunde ging über der Großen Kreisstadt so viel Regen nieder wie sonst im langjährigen Mittel im ganzen Juni.

Die ersten Alarmierungen bei der Feuerwehr ließen nicht lange auf sich warten und erfolgten schließlich fast im Minutentakt. Um 22.18 Uhr zog Landrat Thomas Ebeling (CSU) die Konsequenzen und setzte nach einer Mitteilung aus dem Landratsamt eine Örtliche Einsatzleitung nach Artikel 15 des Bayerischen Katastrophenschutzgesetzes ein. Diese tagte bis Dienstagfrüh um 6 Uhr unter der Leitung von Kreisbrandrat Christian Demleitner in der Schwandorfer Kreisbehörde, um den Großeinsatz zu koordinieren.

Insgesamt mussten laut Kreisbrandinspektion Feuerwehr, THW und Rettungsdienste zu rund 300 Einsatzstellen ausrücken – die meisten davon in der Großen Kreisstadt, vereinzelt aber auch in Bodenwöhr und im Raum Schwarzenfeld.

Beim Globus in Schwandorf löste ein defektes Regenfallrohr einen größeren Feuerwehreinsatz aus. - Foto: Jonas Neubauer

Der überwiegende Teil der Einsätze entfiel auf vollgelaufene Keller und Gebäude sowie überflutete Straßen und Verkehrsflächen. In den Unterführungen blieben einige Autos im teils hüfthohen Wasser stecken. Beim Rewe nutzten einige Anwohner die Ausnahmesituation sogar zum Schwimmen und riefen damit die Wasserwacht auf den Plan. Beim Globus setzte ein beschädigtes Regenfallrohr die Verkaufshalle unter Wasser. Die Feuerwehren aus Wackersdorf und Kronstetten rückten mit etwa 20 Mann an und behoben den Schaden. Unter Wasser stand in den Nachtstunden auch die Tiefgarage in der Senioren-Wohnanlage Schwanenhof an der Regensburger Straße, die vom THW Nabburg ausgepumpt werden musste.

Umweltschäden durch das Unwetter wurden nicht bekannt

Umweltschäden durch das Unwetter wurden am Dienstag nicht bekannt. Nach Angaben von Hans-Jürgen Schlosser, dem Pressesprecher der Kreisbrandinspektion Schwandorf, gab es lediglich zwei Meldungen über einen vollgelaufenen Keller mit einer Ölheizung und einen möglicherweise defekten Ölabscheider in einem Gewerbeunternehmen. Doch nach der Bewertung durch den Kreisbrandmeister Gefahrgut habe man in beiden Fällen nicht eingreifen müssen. Gefahren für die Umwelt oder die Bevölkerung habe es nicht gegeben, so Schlosser.

Insgesamt waren bei dem Unwetter nach Angaben der Feuerwehr rund 450 Einsatzkräfte zum Teil bis in die frühen Morgenstunden auf den Beinen. Davon entfielen rund 350 auf die Feuerwehren, etwa 50 auf das Technische Hilfswerk (THW) sowie rund 30 auf den Sanitäts- und Rettungsdienst. Unterstützt wurden sie durch die Kreiseinsatzzentrale, Mitarbeiter des Landratsamts, der Kreisbrandinspektion, der Polizei und im Nachgang auch vom Bauhof der Stadt Schwandorf.

„Die Zusammenarbeit aller beteiligten Organisationen und Behörden war während des gesamten Einsatzes hervorragend. Nur durch das professionelle und eingespielte Miteinander konnte diese außergewöhnliche Einsatzlage so erfolgreich bewältigt werden.“Manuel Lischka, Pressesprecher des Landratsamts Schwandorf

Auch überörtlich funktionierte nach Mitteilung der Kreisbrandinspektion Schwandorf die Zusammenarbeit. Hochwasserpumpen wurden aus den Nachbarlandkreisen Amberg-Sulzbach und Neustadt an der Waldnaab kurzfristig zur Unterstützung bereitgestellt. „Die Zusammenarbeit aller beteiligten Organisationen und Behörden war während des gesamten Einsatzes hervorragend. Nur durch das professionelle und eingespielte Miteinander konnte diese außergewöhnliche Einsatzlage so erfolgreich bewältigt werden“, unterstrichen die Pressesprecher Manuel Lischka vom Landratsamt Schwandorf und Hans-Jürgen Schlosser von der Kreisbrandinspektion.

Landrat Thomas Ebeling dankt allen Beteiligten

Landrat Thomas Ebeling (CSU) und Kreisbrandrat Christian Demleitner sprachen nach Abschluss der Einsätze allen Kräften ihren ausdrücklichen Dank aus. Dieser gelte den Feuerwehren, dem Technischen Hilfswerk, den Kräften des Sanitäts- und Rettungsdienstes, der Polizei, den Disponenten der Kreiseinsatzzentrale, den Mitarbeitern des Landratsamts Schwandorf, der Kreisbrandinspektion, den beteiligten Fachdiensten sowie den unterstützenden Nachbarlandkreisen. Ein besonderer Dank galt auch den Bürgern für ihr Verständnis sowie ihre Unterstützung während der Einsatzmaßnahmen.

Auch Schwandorfs Oberbürgermeister Andreas Feller (BLS) dankte den Einsatzkräften und städtischen Mitarbeitern. „Diese außergewöhnliche Lage konnte nur durch eine starke Teamleistung bewältigt werden. Die hervorragende Zusammenarbeit aller Beteiligten hat einmal mehr gezeigt, wie verlässlich und engagiert unsere Hilfsorganisationen und städtischen Kräfte Hand in Hand arbeiten“, äußerte er gegenüber der MZ.

Die Kreisbrandinspektion Schwandorf zog nach Abschluss des Einsatzes eine positives Fazit: Trotz der Vielzahl an Einsatzstellen seien sämtliche gemeldeten Schadenslagen strukturiert, koordiniert und zügig abgearbeitet sowie die Gefahren für die Bevölkerung erfolgreich beseitigt werden, hieß es abschließend in der Bilanz.