Hitzeschlacht für Mensch und Maschine: 540-Tonnen-Koloss musste über Weltenburger Berg

Neuer Reaktor für Neustadts Raffinerie (Landkreis Kelheim) ging bei schweißtreibenden Temperaturen auf seine erste Etappe. Seit eineinhalb Jahren war an den Details gefeilt worden. Zwei Männer hatten am Sonntag einen besonders schweißtreibenden Job.
„Na, sehen wir noch gut aus?“, fragten Felix Sinderlan und Tim Klein kurz nach 9.30 Uhr beim Donaupark-Kreisel. Die beiden Schwertransport-Begleiter hatten am Sonntag wohl die beiden schweißtreibendsten Jobs. Sie begleiteten den Reaktor-Transport vom Kelheimer Hafen bis zum Etappenziel im 15 Kilometer entfernten Staubing zu Fuß. Denn die beiden waren die Augen der Fahrer an den Extremitäten des gut 60 Meter langen Stahlkolosses, der sich am Sonntagmorgen auf den Weg zur Raffinerie in Neustadt machte.
Kurz vor sieben Uhr warfen die gut 20 Mann des Transportteams – je nach Aufgabe – noch letzte Blicke auf Maschinen oder Verkehrszeichen. Auch Transport-Verantwortlicher Stefan Schmidbauer war vor Ort, um letzte Dinge abzusprechen. Beschäftigt hatte der Transport ihn bereits in den vergangenen eineinhalb Jahren, sagte der Schwerlast-Experte.
















Sein Unternehmen war zudem dafür verantwortlich, den 350-Tonnen-Reaktor, der per Schiff aus Rumänien angekommen war, vom Wasser auf den 26-achsigen Schwerlast-Trolley zu verladen. Ein 800-Tonnen-Raupenkran am anderen Ende des Hafenbeckens zeugte noch von dem Job.
Chef-Fahrer Frieder Saam: „Dieser Job wird nie Routine“
Die Dimensionen des Transports waren für ihn und wie auch Chef-Fahrer Frieder Saam keine Routine. „Das macht man in diesen Dimensionen nicht alle Tage, das ist schon etwas besonderes“, befand Schmidbauer. „Jeder Schwertransport ist anders, von den Abmessungen, der Strecke, dem Wetter, das wird nie Routine“, sagte der 60-jährige Zugmaschinen-Lenker aus dem baden-württembergischen Michelfeld. Dort hat auch sein Schwerlast-Logistik-Arbeitgeber seinen Sitz.
Alles in allem bewegte Frieder Saam mit den Kollegen an die 540 Tonnen gen Staubing. Maschine und Reaktor brachten es auf 7,30 Meter Höhe und 6,50 Meter Breite.

Wie viele Schwertransporte er schon gefahren hat? „Sehr viele“, sagt Frieder Saam (60). Seit mehr als 40 Jahren ist er in der Branche. Und auch den Weltenburger Berg hat er schon einige Male überquert.
Mit vier Zugmaschinen ging es gen Weltenburg
Am Sonntag sprangen ihm dort drei Kollegen bei. Mit zwei Zugmaschinen vorne und hinten ging es im Schritt-Tempo auf die kurvenreiche Wald-Etappe. Auch weil man bei der Hitze den Asphalt nicht beschädigen wolle, so Saam.
Wie gedacht war es am Ende die Hitze die alle Beteiligten am meisten forderte. So hatte es Stefan Schmidbauer am Morgen vorhergesagt. Bei allen, die zum Transport-Team gehörten, werde es vor allem auf viel Trinken ankommen, sagte der 50-Jährige. Für die Maschinen hatte man sicherheitshalber ein Service-Team dabei. Sollte es Probleme geben, „können die das beheben“. Auf Etappe eins war dies aber nicht nötig, gab Schmidbauer gegen 13.30 Uhr auf Nachfrage Entwarnung. Staubing war früher als geplant erreicht. Das Thermometer zeigte da schon 36 Grad Celsius an.
Das Technik-Spektakel lockte auch viele Schaulustige an. Bereits am Kelheimer Hafen, aber auch entlang der Regensburger Straße oder am Donaupark zückten viele ihre Handys, um Videos zu drehen oder Selfies mit dem Stahlgiganten zu schießen. Mancher kam zufällig des Wegs. Radurlauber Siegi aus Erlangen etwa. „Das ist ein ganz schöner Oschi“, befand der 42-Jährige angesichts des stählernen Riesen.

Familie Heine aus Saal ist inzwischen „Stammgast“. Mama Renana, Papa Lutz und Sohn Gabriel kennen Fahrer Frieder und seine Kollegen inzwischen. Man grüßt sich und ratscht kurz. Die großen Maschinen, aber auch wie die Experten die Strecken austüftelten, wie sie um jeden Millimeter kämpften, das sei sehr faszinierend, sagten Renana und Lutz.