Nach über zwei Jahren Sanierung: Freie Fahrt auf der neuen Rennstrecke bei Kelheim

Zwei Jahre dauerte die Sanierung der ST 2233 zwischen Kelheim und Ihrlerstein, begleitet von Sperrungen und Umleitungen. Seit Freitag fließt der Verkehr wieder auf der sogenannten Rennstrecke. Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter gab die ausgebaute Straße offiziell frei.
Ausgerechnet am neuen Kreisel an der Abzweigung zur KEH 25 nach Alling ging nichts. Was einen feierlichen Grund hatte: Der Kreisverkehr war als Schauplatz zum Festakt der Freigabe der ST 2233 auserkoren. Rednerpult und Unterstände für Gäste und die Kapelle „D'Spreißler“ verteilten sich in schweißtreibender Hitze am Kreisel.
„Es war eine schöne Baustelle“, sagte Bauüberwacher Peter Wolf kurz vor Eintreffen des Ministers gegen 12 Uhr. „Die größten Herausforderungen waren der Fels und die Abtragsmassen von 50.000 Kubikmetern.“ Das forderte auch massiven Maschineneinsatz.
Die Mühen traten gestern am „Freudentag“ (Bernreiter) in den Hintergrund. Die unfallträchtige Rennstrecke habe sich in eine „sichere und leistungsfähige, aber auch schöne Straße“ gewandelt, sagte Johann Eicher vom Staatlichen Bauamt in Landshut einleitend. Der neue Rad- und Gehweg bereichere die Verbindung von Kelheim nach Ihrlerstein.
4500 Fahrzeuge pro Tag nutzen die Strecke
Bayerns Verkehrsminister sprach von „moderner Mobilität“, die auch dringend geboten sei: „Auf der Strecke fahren täglich rund 4500 Fahrzeuge. Das ist über dem Schnitt von Staatsstraßen.“ Die Verkehrssicherheit sei „spürbar verbessert“ worden. Die Unfälle sollten durch Entschärfung der engen Kurven und eine breitere Fahrbahn (6,5 Meter) der Vergangenheit angehören. „Aber dazu muss jeder auch vernünftig fahren“, so Bernreiter.

Diesen Aspekt griff auch Landrat Christian Nerb auf. „Ich musste früher als Polizist hier tödliche Unfälle aufnehmen.“ Der Ausbau diene der Sicherheit, nicht der Raserei. Nerb nutzte Bernreiters Anwesenheit, um ihn an das Projekt des dreispurigen Ausbaus der B16 bei Lengfeld zu erinnern. „Auch das würde die Sicherheit im Straßenverkehr erhöhen.“
Der Kelheimer Bürgermeister Dennis Diermeier, der auch für Ihrlersteins Gemeindechef Thomas Krebs sprach, erwähnte die parallel abgeschlossene Ertüchtigung der KEH25. „Damit ist auch die Zufahrt zum Frauenhäusl und dem Waldkindergarten wieder frei.“ Den Segen für die neue Straße gab es von Kelheims Pfarrer Reinhard Röhrner und seinem evangelischen Kollegen Uwe Biedermann, der allen Verkehrsteilnehmern „Rücksicht nehmen und Geduld“ ans Herz legte.
Während rund 100 Gäste den Ansprachen lauschten, schob Daniel Reimer sein Rennrad an der Feiergemeinde vorbei. „Ach, das ist der neue Radweg“, orientierte sich der Regensburger und lobte: „Das ist ja super. Da muss man nicht mehr auf der Straße fahren.“ Seit dem vergangenen Jahr macht er auf seinem Rennrad immer wieder Abstecher in den Kreis Kelheim.
Im Januar 2024 begann die Maßnahme mit Rodungen
Insgesamt flossen in das Projekt auf knapp 2,9 Kilometern 13,6 Millionen Euro. Im Januar 2024 begann das Vorhaben mit ersten Rodungsarbeiten. Im selben Jahr wurde der Abschnitt zwischen der Abzweigung nach Alling und Ihrlerstein in Angriff genommen. Dazu musste das „Strobl-Gütl“ weichen.

In 2025 war die Strecke zwischen Kelheim und der Abzweigung zur KEH 25/Alling an der Reihe. Auch dafür musste ein Anwesen platt gemacht werden. Das baufällige „Ottig-Gütl“ wurde abgerissen. Die Sanierung setzte sich heuer fort. Letzter Akt war der Bau des neuen Kreisels. Ihren Namen hat die Rennstrecke von den Ratisbona-Bergrennen für Autos und Motorräder, die von 1924 bis 1981 auf dieser Straße stattfanden. Die engen Kurven sorgten nicht nur bei diesen Rennen immer wieder für Unfälle.
Deshalb begrüßt auch der ACE (Auto Club Europa)-Kreisvorstand Kelheim in einer Mitteilung die Sanierung, appelliert aber zugleich an alle Verkehrsteilnehmer, vorsichtig zu fahren. „Die Zeiten der Bergrennen sind vorbei – das sollten sich alle bewusst machen“, sagt Kreis-Vorsitzender Werner Katschke. Die Strecke lade zum Schnellfahren ein, ergänzt sein Stellvertreter Friedrich Linnert. „Wir wollen alle sicher am Ziel ankommen. Das geht nur, wenn wir angepasst fahren.“

Das war neben Danksagungen auch die Botschaft der Feierstunde. Der Minister durchschnitt mit weiteren Ehrengästen symbolisch das Absperrband. Und schon wollte man zu kühlen Getränken schreiten. „Halt, wir haben die Bayernhymne vergessen!“, tönte es da. „D'Spreißler“ stimmten an.