Mit Helm, Seil und Leidenschaft: Zwei Freunde bringen Kelheims Kinder an den Fels

Von Beate Weigert · 26. Juni 2026 um 05:00

Seit Jahren begeistern Klaus Zehndbauer und Christian Bodem Kinder, Jugendliche und Familien fürs Klettern. Warum sie dafür nicht weit fahren müssen, was Dreijährige am Fels können und weshalb Langeweile ihr größter Gegner ist.

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Knapp 20 von 75 Jahren Kelheimer Alpenvereinssektionsgeschichte schreiben sie inzwischen mit. Das Klettern ist ihre Leidenschaft. Es verbindet sportlichen Anspruch, Natur- und Gemeinschaftserlebnis. Klaus Zehndbauer und Christian Bodem geben all dies nicht nur an ihren eigenen Nachwuchs weiter. Seit Langem sind die beiden Gruppenleiter beim DAV. Ihr Können und ihre Freude am Fels vermitteln sie Kindern, Jugendlichen und deren Eltern. Kommende Woche freuen sie sich auf „das erste Festl“, das die Sektion Kelheim in der Kreisstadt ausrichtet.

Gegenüber vom DAV-Häusl wird am Alten Hafen gefeiert. Dort sind sie sonst nur selten anzutreffen, denn ihr Vereinsalltag spielt sich entweder in der Boulderwand am Donau-Gymnasium ab oder am Fels.

Boulderwand, Ötztal oder Donaudurchbruch

Spätestens alle drei Wochen geht es zum Klettern. Sie organisieren Touren für Kinder, Jugendliche oder, im Fall von Christian Bodem, für Eltern und ihren Nachwuchs (Eltern-Kind-Klettern). Mit Koji Baydoun-Hidding (Eltern-Kind-Gruppe) und Clemens und Verena Breig (Familiengruppe und Jugend) kümmern sie sich um die Nachwuchs-Arbeit der Sektion.

Klaus Zehndbauer (li.) und Christian Bodem - Foto: Beate Weigert

Klaus Zehndbauer war in den Pfingstferien mit Jugendlichen im Ötztal, Christian Bodem mit seiner Gruppe in Slowenien. Unterm Jahr geht es mal in die Fränkische Schweiz, mal zum Konstein in den Naturpark Altmühltal. Eigentlich müssen sie nicht weit fahren. Denn viele Kalksteinfelsen liegen vor der Haustür: Im Donaudurchbruch, bei Alling, Schönhofen oder Riedenburg.

Mindestens einmal im Jahr geht es zur sektionseigenen „Kelheimer Hütte“ beim Sudelfeld (Kreis Rosenheim). Die ist ein unschätzbares Gut. „Das Umfeld ist schön, die Wege sind bekannt, und man hat die Hütte exklusiv und muss sich nicht mit anderen arrangieren“, sagen die Gruppenleiter. Da kann der Nachwuchs auch mal nach Herzenslust im Bettenlager toben, ohne dass sich jemand beschwert.

Christian Bodem klettert seit 2010, wenig später machte er seine erste Trainerausbildung. Erst gründete er eine Sportkletter-Gruppe, später die Eltern-Kind-Kletterguppe. Zum DAV kam der Neustädter, weil ihm nach einem Jobwechsel vom Gerüstbau in die Automobilindustrie „die Höhe fehlte“. Klaus Zehndbauer, von Beruf Lehrer, suchte fast zeitgleich etwas, wo er mit der Familie in die Berge gehen konnte – und landete in der Familienbergsteiger-Ausbildung.

„Nur langweilig darf es nicht werden“

Längst sind sie nicht nur Seilpartner und Gruppenleiter-Kollegen, sondern Freunde. Beim Klettern schalten sie vom Alltag ab. „Da ist man beim Klettern und nirgendwo sonst“, sagt Christian Bodem. Denn am Fels braucht es nicht nur Kraft und Technik. „Klettern hat auch viel mit dem Kopf zu tun“, merkt Klaus Zehndbauer an.

In seiner Ausbildung „Familienbergsteigen“ hatte er erst einmal die Perspektive wechseln müssen. Denn Kindern geht es nicht um Gipfel oder Routen. Für sie zählt das gemeinsame Spielen und Erleben. „Dann können sie auch drei, vier Stunden am Stück laufen, ohne, dass ihnen die Kraft ausgeht.“ Wasserfälle, Ameisenhaufen, Rindenschifferl oder in einen Bachlauf gebaute „Staudämme“ halten die Aufmerksamkeit hoch. „Nur langweilig darf es nicht werden. Das Schlimmste für Kinder ist ein Forstweg oder eine Betonstraße“, so Zehndbauer.

Am Fels ist es am schönsten: Nach dem Termin mit der Zeitung ging es für Klaus Zehndbauer (li.) und Christian Bodem – logisch – zum Klettern. - Foto: Christian Bodem

Jugendliche suchen dagegen die sportliche Herausforderung. Sie lieben Klettersteige, an denen sie sich ausprobieren können.

Beim Eltern-Kind-Kletternvon Christian Bodem können schon Dreijährige dabei sein. Je nach motorischer Entwicklung. „Die können oft besser klettern als manch Erwachsener“, sagt der 39-Jährige. In seiner Gruppe geben Mamas und Papas den Nachwuchs nicht einfach ab, sie müssen auch klettern und sichern. Das sei auch nötig, „wenn 30 Leute klettern gehen“.

Seine drei Kinder sind selbst mit von der Partie. Sie genießen die Zeit mit dem Papa. Vor allem der vierjährige Niklas. Tochter Franziska (9) ist stolz, dass sie am Fels „bereits im Vorstieg“ klettert, da „hänge ich mein Seil selbst ein“. Und auch das Sichern anderer Kinder mache ihr Spaß, sagt sie. Schwester Marie (7) ist am liebsten draußen am Felsen. Gern denkt sie an Pfingsten. Im Soca-Tal wanderten sie zu Wasserfällen. „Am meisten Spaß hat mir das Klippenspringen gemacht. Mein Rekord lag bei bis zu vier Metern.“

Gegenüber vom DAV-Häusl wird am 4. Juli am Alten Hafen Jubiläum gefeiert. - Foto: Beate Weigert

Nicht nur bei ihren Kindern sei der Funke übergesprungen, sagen Zehndbauer und Bodem. Besonders schön sei es zu sehen, dass in den Gruppen junge Leute groß werden, die „der Verein später braucht“. Einige Mädchen aus der Jugendgruppe haben signalisiert, dass sie selbst gerne Jugendleiter werden wollen.

Wer mehr über den DAV in Kelheim wissen will, ist beim Jubiläum am 4. Juli willkommen. Zehndbauer und Bodem freuen sich zudem auf viele ihrer knapp 3000 Vereinskollegen aus dem ganzen Landkreis. Denn „viele trifft man so nicht“.

DAV Kelheim: 75-Jahr-Feier am 4. Juli

• Programm: Beginn ist am Samstag, 4. Juli, ab 13 Uhr am Alten Hafen. Familiennachmittag mit Hüpfburg, Slackline, Kletterwand für alle, Kaffee und Kuchen, 15 Uhr: offizieller Teil mit Reden; 16 bis 17 Uhr: Griffboard-Challenge, anschl. Siegerehrung

• Film: 14, 16, 18 und 20 Uhr im Kanu-Stadl: Film „50 Jahre Kelheimer Hütte“ (Dauer: 20 Minuten)

• Abend: Ab 17.30 Uhr, Grillen und Steckerlfisch, ab 18 Uhr spielen DSpreißler