„Ein Super-Gau“ – Vorläufiges Insolvenzverfahren gegen Schwandorfs Festwirt eröffnet

Von Philipp Breu, Martin Kellermeier · 25. Juni 2026 um 00:08

Unangenehme Entwicklungen bei Schwandorfs neuem Festwirt: Nur drei Tage nach Ende des Schwandorfer Volksfests hat das Amtsgericht Bayreuth vorläufige Insolvenzverwaltung für die B. Schuhmann Festzeltbetriebe GmbH aus Kasendorf im Landkreis Kulmbach angeordnet. Auslöser soll nicht der Umsatz beim Schwandorfer Fest gewesen sein, wie Bastian Schuhmann auf MZ-Anfrage berichtete. Vielmehr sollen interne Fehler zu dem „Super-Gau mitten in der Festsaison“ geführt haben.

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„Wer nichts wird, wird Wirt. Und wer gar nichts wird, wird Festwirt“ – Bastian Schuhmann hat das vor dem Start des Schwandorfer Volksfests zur MZ gesagt und sich dabei gekonnt locker gegeben. Doch schon damals dürfte der Oberfranke innerlich deutlich angespannter gewesen sein.

Denn nach seiner Aussage schwelt der Konflikt, der seinem Festzeltbetrieb nun das vorläufige Insolvenzverfahren eingebrockt hat, schon länger. Laut Schuhmann haben „interne Fehlbuchungen“ im Jahr 2025 bei rund 200 seiner Saisonarbeitskräfte zu „extrem hohen Krankenkassenbeiträgen“ geführt. Während viele Kassen den Fehler zusammen mit Schuhmann schnell aus der Welt geschafft hätten, poche eine Kasse seitdem auf einen mittleren fünfstelligen Eurobetrag.

Schuhmann sagt, dass er zusammen mit seiner Schwester in der Geschäftsführung dieser Forderung nun eigentlich selbstständig nachkommen wollte. „Wir wollten das bereinigen“, erklärte er. Doch das vorläufige Insolvenzverfahren hat ihm einen Strich durch die Rechnung gemacht. Nun habe er das Geld für die Krankenkasse in bar an den zuständigen Insolvenzverwalter übergeben. Außerdem habe er in einem Eilverfahren Beschwerde gegen die vorläufige Insolvenzverwaltung eingelegt.

Auf Nachfrage der MZ ging eine Gerichtssprecherin darauf nicht konkret ein. „Der bestellte Gutachter und eingesetzte vorläufige Insolvenzverwalter wird nun das Vorliegen eines Eröffnungsgrundes prüfen und Gutachten erstatten, sodann wird über die endgültige Eröffnung oder Ablehnung des Verfahrens entschieden“, teilte die Behördenvertreterin schriftlich mit.

Amtsgericht Bayreuth setzt vorläufigen Insolvenzverwalter ein

Das Amtsgericht Bayreuth hatte jedenfalls nach Gläubigerantrag am 17. Juni um 12.30 Uhr „zur Sicherung des Schuldnervermögens vor nachteiligen Veränderungen“ die vorläufige Insolvenzverwaltung angeordnet. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde Maximilian Wanko aus Bayreuth bestellt. Dieser wurde laut Beschluss vom Gericht dazu ermächtigt, „das vollstreckungsbefangene Vermögen in Besitz zu nehmen, Kassenbestände einzuziehen, freies Vermögen zu verwerten und Forderungen und Außenstände auf ein von ihm zu errichtendes Konto einzuziehen und dort zu verwahren“.

Es ist weiter Geld da.Bastian Schuhmann, Schwandorfs Festwirt

Wie geht es nun weiter? Schließlich ist Schuhmann heuer noch auf zahlreichen Veranstaltungen als Festwirt eingeplant, darunter am Deutsch-Amerikanischen Volksfest in Hohenfels, das am 3. Juli startet. Schuhmann ist fest überzeugt, dass er als Festwirt dabei sein wird. „Stand jetzt ziehen wir die Saison durch“, betonte er. Er lasse sich nicht bremsen. „Wir sind und bleiben eine Festzeltfamilie“, so der 42-Jährige wörtlich.

Gerüchte, dass das noch nicht einmal zwei Wochen zurückliegende Schwandorfer Volksfest etwas zur vorläufigen Insolvenz seines Betriebs beigetragen haben könnte, dementiert Schuhmann vehement. Man sei mit dem Geschäft in Schwandorf zufrieden gewesen. Ein intern gestecktes Ziel beim Bierabsatz habe man „nur knapp verfehlt“. Auch im kommenden Jahr wolle er in Schwandorf der Festwirt sein, bekräftigte Schuhmann. „Wir wollen das weiter fortführen und sehen durchaus Potenzial.“

Auch der Stadt Schwandorf fehlte noch vom Festwirt das Platzgeld

Bastian Schuhmann räumte gleichzeitig ein, dass man auch in Schwandorf noch auf Geld von seinem Betrieb wartet. Das Platzgeld, immerhin ein mittlerer vierstelliger Eurobetrag, sei bis dato nicht an die Stadt gezahlt worden. „Das wurde aber heute überwiesen“, so Schuhmann am späten Donnerstagabend. Auch die noch fälligen Strom- und Wasserkosten würden nach Eingang der Abrechnung umgehend beglichen werden. „Es ist weiter Geld da“, versicherte der Festwirt. Die Stadt Schwandorf konnte auf MZ-Anfrage „aus datenschutzrechtlichen Gründen“ keine Auskünfte zu Vertragsdetails nennen.

Ihre Feuertaufe hatte die B. Schuhmann Festzeltbetriebe GmbH in Schwandorf jedenfalls bestanden. Von vielen Volksfest-Besuchern gab es Lob für die Neuerungen des Festwirts aus Oberfranken, wie beispielsweise die zwei großen Feuerwerke bei der Eröffnung und zum Abschluss oder auch den Verzicht auf Ruhetage. Die 86. Auflage des Schwandorfer Volksfestes hatte am Freitag, 5. Juni, vielversprechend begonnen. Zum Auftakt war das Zelt voller als in den Jahren zuvor und auch bei den Fahrgeschäften hatten sich teilweise Schlangen gebildet.

Trotz Konkurrenz in Neunburg und Nittenau war in Schwandorf etwas los

Auch die darauffolgenden Tagen liefen für Festwirt und Schausteller durchaus zufriedenstellend. Unter der Woche wurde der Zulauf vom nasskalten Wetter und vermutlich auch vom Ende der Pfingstferien zwar etwas ausgebremst. Zum zweiten Festwochenende hin fanden aber wieder mehr Besucher den Weg zum Volksfestplatz – und das trotz größerer Parallelveranstaltungen wie der Neunburger Wiesn oder dem Volksfest in Nittenau. Dementsprechend positiv fiel Schuhmanns Fazit nach dem ersten Jahr als Festwirt in der Großen Kreisstadt aus: „Die Leute haben Bock auf Schwandorf“, sagte er zur MZ.