Mit Herz für Mensch und Tier: In der ehemaligen Praxis Krämer in Rötz gibt es eine Nachfolgerin

Seit Anfang Juni gibt es in Rötz wieder eine Anlaufstelle für Tierhalter: Tierärztin Julia Wohlgemuth hat die Nachfolge der langjährigen Praxis von Dr. Krämer angetreten. Für viele Tierbesitzer in der Region ist das eine erfreuliche Nachricht, denn damit bleibt die tierärztliche Versorgung vor Ort erhalten. Doch wer ist die Frau hinter der neuen Praxis?
Für Julia Wohlgemuth ist die Tiermedizin weit mehr als nur ein Beruf. Schon als Kind stand für sie fest, dass sie einmal Tierärztin werden möchte. „Ich wollte eigentlich nie etwas anderes machen“, erzählt sie mit einem Lächeln. Aufgewachsen in Baden-Württemberg, war sie schon früh von Tieren umgeben. Hamster, Schildkröten und viele weitere tierische Begleiter gehörten zu ihrem Alltag. Besonders geprägt hat sie ihr Vater, der immer wieder verletzte Tiere mit nach Hause brachte, um ihnen zu helfen.
Die Verbindung nach Rötz besteht schon länger
Der Weg zur Tierärztin verlief dennoch nicht ganz geradlinig. Zunächst absolvierte Wohlgemuth eine Ausbildung zur Biologielaborantin. Anschließend führte sie ihr Weg an die Universität München, wo sie Tiermedizin studierte. Während andere berufliche Möglichkeiten in Forschung, Labor oder Pharmazie offenstanden, verlor sie ihr eigentliches Ziel nie aus den Augen. „Ich wollte immer etwas mit Tieren machen“, sagt sie.
Der Kontakt nach Rötz entstand bereits vor vielen Jahren. Eine Studienkollegin arbeitete bei Dr. Krämer, außerdem stammt ihr Mann aus der Region. Über diese Verbindungen lernte sie die Praxis und die Gegend kennen. Bereits 2015 arbeitete sie dort stundenweise mit und hospitierte in der Praxis. Nach dem Studium widmete sie sich zunächst ihrer Familie und verbrachte einige Jahre zuhause bei ihren Kindern.
Heute ist sie Mutter von drei Kindern im Alter von 15, 13 und acht Jahren. Neben ihrer Familie gehören zahlreiche Tiere zu ihrem Alltag: Ihre Katzen Berle und Mario sowie die MiniShetland-Ponys MiniPiny und Bianca zeigen, dass die Leidenschaft für Tiere auch privat einen großen Platz in ihrem Leben einnimmt.
Als sich die Möglichkeit ergab, die Nachfolge von Dr. Krämer anzutreten, musste Wohlgemuth nicht lange überlegen. Die Verbundenheit zur Region spielte dabei eine wichtige Rolle. „Meine Leute und meine Tiere kann ich nicht einfach im Stich lassen“, erklärt sie. Über die Jahre seien viele persönliche Beziehungen entstanden, die ihr den Schritt nach Rötz erleichtert hätten.
Ganz ohne Herausforderungen verlief der Neustart jedoch nicht. Besonders die Suche nach geeigneten Räumlichkeiten gestaltete sich schwierig. Die neue Praxis in der Hafnerstraße 12 erwies sich schließlich als idealer Standort. Seit Mai liefen die Vorbereitungen auf Hochtouren. Freunde, Familie und zahlreiche Handwerker halfen dabei, die Praxis rechtzeitig fertigzustellen. Ein Teil der Einrichtung konnte aus der bisherigen Praxis übernommen werden. Auch organisatorisch gab es einiges zu bewältigen. Das bisherige Patientenverwaltungssystem konnte nicht übernommen werden, weshalb aktuell an einer neuen Lösung gearbeitet wird. Dennoch kennt Wohlgemuth viele Tierhalter bereits aus ihrer früheren Tätigkeit. Zahlreiche ehemalige Patienten fragten sogar aktiv nach, ob sie weiterhin zu ihr kommen dürften. Schließlich gilt in Deutschland die freie Tierarztwahl.
Unterstützt wird die Tierärztin von einem kleinen Team. Zwei Mitarbeiterinnen, die bereits bei Dr. Krämer tätig waren, sind weiterhin an Bord. Zusätzlich wurde eine neue Mitarbeiterin eingestellt. Perspektivisch möchte Wohlgemuth ihr Team sogar noch erweitern und sucht langfristig eine weitere Tierärztin oder einen Tierarzt.
In ihrer Praxis behandelt sie vor allem Hunde, Katzen, Kaninchen und Meerschweinchen. Auch Hühner können versorgt werden, dabei müssen jedoch besondere gesetzliche Regelungen beachtet werden, da Hühner als lebensmittelliefernde Tiere gelten. Gelegentlich kommen zudem Hamster, Ratten oder Schildkröten in die Praxis. Besonders in Erinnerung geblieben ist ihr eine Bartagame – das wohl ungewöhnlichste Tier, das bislang zu ihren Patienten gehörte. Großtiere wie Rinder oder Schafe behandelt sie dagegen nicht.
Ich wollte eigentlich nie was anderes machen.Julia Wohlgemuth, Tierärztin
Das Leistungsspektrum reicht von Impfungen und Vorsorgeuntersuchungen bis hin zur Behandlung von Infektionskrankheiten, Herzerkrankungen oder Bissverletzungen. Auffällig sei, dass Haustiere heute deutlich älter werden als früher. Dadurch nehme auch die Zahl altersbedingter Erkrankungen zu. Themen wie Herzprobleme, Demenz oder die Betreuung älterer Tiere spielten mittlerweile eine immer größere Rolle.
Besonders wichtig ist der Tierärztin die Vorsorge. Regelmäßiger Zeckenschutz, Entwurmungen und Gesundheitskontrollen können viele Probleme verhindern. Bei Hunden empfiehlt sie beispielsweise, bereits im Welpenalter mit der Zahnpflege zu beginnen. Bei Tieren mit Schlappohren sollten die Ohren regelmäßig kontrolliert werden, um Entzündungen frühzeitig zu erkennen.
Ein weiteres Anliegen ist ihr der möglichst stressfreie Umgang mit den Tieren. Sie nimmt sich Zeit für ihre Patienten und versucht, Untersuchungen ohne Zeitdruck durchzuführen. „Man entwickelt mit der Zeit ein Gefühl dafür, wie ein Tier gerade drauf ist“, erklärt sie. Gewaltfreie Behandlungsmethoden stehen für sie an erster Stelle. Handtücher oder spezielle Schutzhandschuhe kommen zum Einsatz, um Stress und Verletzungen möglichst zu vermeiden. Katzen sollten ihrer Meinung nach grundsätzlich in Transportboxen gebracht werden. Eine Decke über dem Korb könne zusätzlich helfen, den Stress während der Anfahrt zu reduzieren. Durch Terminsprechstunden versucht die Praxis außerdem, lange Wartezeiten zu vermeiden.
Manchmal muss man auch Abschied nehmen
Neben den schönen Momenten gehören auch schwierige Entscheidungen zum Alltag einer Tierärztin. Wenn ein Tier leidet und keine Aussicht auf Besserung besteht, müsse man manchmal Abschied nehmen. Wohlgemuth begleitet Tierhalter in diesen Situationen einfühlsam und organisiert auf Wunsch auch die Einäscherung. „Jeder Abschied ist zu früh“, sagt sie. Manchmal flössen dabei auch bei ihr selbst Tränen. Dennoch sei es wichtig, Tieren ein würdevolles Ende zu ermöglichen.
Fragt man sie nach einem ihrer schönsten Erlebnisse als Tierärztin, muss sie nicht lange überlegen. Besonders in Erinnerung geblieben ist ihr ein Kaiserschnitt bei einer Katze, bei dem alle Kätzchen gesund zur Welt kamen. Solche Momente seien es, die die Freude an ihrem Beruf ausmachen.
Man entwickelt mit der Zeit ein Gefühl dafür, wie ein Tier gerade drauf ist.Julia Wohlgemuth, Tierärztin
Und genau diese Begeisterung spürt man während des gesamten Gesprächs. Für Julia Wohlgemuth ist Tierärztin zu sein keine Arbeit, die mit Feierabend endet. „Tierarzt ist man ein Leben lang“, sagt sie. Die Freude, Tieren helfen zu können und ihre Besitzer zu begleiten, ist für sie auch nach vielen Jahren ungebrochen. Mit ihrer neuen Praxis in Rötz möchte sie genau das tun: für Tiere da sein und für die Menschen, die sie lieben.