Schmidtbräu-Areal in Schwandorf: Kosten steigen, Abriss könnte im Winter starten

Im OB-Wahlkampf war über die Zukunft des Schmidtbräu-Areal intensiv diskutiert worden. Während die einen dafür plädierte hatten, das Großprojekt wie geplant umzusetzen, hatten andere ein Überdenken des Millionenvorhabens gefordert. Seit der Wahl ist das Projekt aber wieder etwas in den Hintergrund gerückt. Nun hat die Verwaltung im Bauausschuss ein Update zum Schmidtbräu-Gelände gegeben.
Die Neugestaltung des Schmidtbräu-Geländes in der Schwandorfer Innenstadt ist seit Jahren ein Thema. Neben dem Abbruch der leerstehenden Brauerei-Gebäude im hinteren Bereich des Areals sollen auch die Häuser an der Seite zum Marktplatz saniert und einer neuen Nutzung zugeführt werden. Die letzte Kostenschätzung für dieses Großprojekt stammt allerdings aus dem Jahr 2022 und belief sich auf rund 33 Millionen Euro.
Für das Geld soll unter anderem ein öffentliches Zentrum für Bildung, Freizeit und Kultur entstehen, in dem die Volkshochschule, die Musikschule und die Touristinformation untergebracht werden. Im rückwärtigen Bereich zur Berggasse ist ein Bürgersaal mit etwa 360 Plätzen geplant. Auf der Fläche der brachliegenden Brauereigebäude nach deren Abbruch sind Wohngebäude vorgesehen.
Unter den Stadträten gab es in den vergangenen Monaten immer wieder Zweifel, ob diese Summe noch realistisch sei. Der damalige CSU-Fraktionsvorsitzende Andreas Wopperer hatte im Januar im Hauptausschuss den Antrag gestellt, dass die Stadtverwaltung die Kostenschätzung aktualisieren und die Stadträte über das Ergebnis informieren solle. Der Forderung kam Stadtbaudirektor Reinhard Schade im jüngsten Bau- und Verkehrsausschuss nach.
Stadtbaudirektor widerspricht „Mondrechnungen“
Laut dem Rathausmitarbeiter seien die Kosten anhand des Baupreisindexes neu berechnet worden. Demnach müsse man aktuell mit Gesamtkosten von knapp 41 Millionen Euro rechnen. Aussagen in den vergangenen Monaten, die Kosten würden sich auf bis zu 100 Millionen Euro belaufen, bezeichnete Schade als „Mondrechnungen“.
Für den Abbruch der rückwärtigen Gebäudeteile müssten gut 6,5 Millionen Euro eingeplant werden. Auch bei diesem Maßnahmenteil waren die Kosten in den vergangenen Jahren gestiegen. Zuerst ging man von rund 4,6 Millionen Euro für die Abrissarbeiten und Sicherungsmaßnahmen aus. Für den Abbruch wurden der Stadt Schwandorf Fördermittel bewilligt – so dass der Eigenanteil deutlich niedriger ausfällt. Seit Januar habe die Stadt laut Schade intensive Verhandlungen über eine nochmalige Verlängerung der Förderbewilligung geführt. Den Stadträten konnte er nun eine positive Nachricht geben: Die Bewilligung sei bis Ende Dezember 2027 verlängert worden.
Wer wieder von Null anfängt, versündigt sich an der Zukunft der Innenstadt.Franz Schindler, stellvertretender Vorsitzender der SPD-Stadtratsfraktion, über die erneuten Debatten zur Umgestaltung des Schmidtbräu-Areals
In den vergangenen Monaten hatte die Stadt die Abbruch-Planung zweimal europaweit ausgeschrieben – ohne Erfolg. Feller kündigte an, dass man plane, im September die Abbrucharbeiten an den günstigsten Bieter zu vergeben. Ende Dezember, Anfang Januar könnte dann mit dem Abriss begonnen werden, blickte Feller in die Zukunft.
Erneut appellierten mehrere Stadträte dafür, das Großprojekt nicht wieder infrage zu stellen. „Wer wieder von Null anfängt, versündigt sich an der Zukunft der Innenstadt“, fand SPD-Stadtrat Franz Schindler. Die Kosten würden nicht billiger werden, zeigte sich der stellvertretende SPD-Fraktionschef überzeugt. Wenn man jetzt nichts mache, gehe es der Stadt ähnlich wie beim Gelände der ehemaligen Tonwarenfabrik (TWF), mahnte Schindler. Auch BLS-Stadtrat Thomas Steinbacher meinte, dass man das Millionenvorhaben jetzt anschieben sollte, da die Kosten sonst immer höher steigen würden.
OB: Stadt habe auch Verpflichtung gegenüber der Musikschule
OB Feller erinnerte daran, dass man auch eine Verpflichtung gegenüber der Musikschule habe, die endlich „in der alten Post untergebracht werden“ wolle. Mit jährlich mehreren Zehntausend Besuchern bringe zudem die Stadtbibliothek, die ebenfalls in das geplante „Forum“ einziehen soll, eine große Frequenz für die Innenstadt, so Feller.

Auf die Nachfrage eines Stadtrates, in welchem Zeitraum nach dem Abbruch die nächsten Schritte folgen müssten, erklärte Schade, dass in der Förderbewilligung von fünf Jahren die Rede sei. Der Stadtbaudirektor geht davon aus, dass sich dieser Zeitraum durch die Verlängerung der Förderbewilligung nicht verändern werde.
Das Schmidtbräu-Gelände soll während des Abbruchs von Baufahrzeugen sowohl über die Spitzwegstraße als auch über den Marktplatz angefahren werden, hieß es vonseiten der Verwaltung. Das sorgte für Widerspruch vonseiten einzelner Stadträte. UW-Stadtrat Jochen Glamsch meinte, dass eine Zufahrt über den Marktplatz schädlich für die dort noch ansässigen Gewerbetreibenden sei. „Niemand will von vornherein jemanden wehtun“, meinte dazu OB Feller. Die Zuwegung zu dem Areal solle „so verträglich wie möglich“ erfolgen.