Millionenbauprojekte in der Stadt Cham: Warum die Kosten kaum noch zu schätzen sind

Von Christoph Klöckner · 22. Juni 2026 um 19:00

Etwa bis zum Ende der blauen Garage links wird der neue Anbau an die bestehende Einrichtung in Cham gezogen, dazu werden neue Räume für die offene und gebundene Ganztagsschule geschaffen. - Foto: Christoph Klöckner

Wir kennen es von den großen Projekten Deutschlands, vom Berliner Flughafen oder Stuttgart 21 – je länger dort gebaut wird, desto teurer wird es. Kostenschätzungen sind da schnell Schall und Rauch. Der Kommunalbereich blieb bisher davon verschont – zu übersichtlich waren hier die Bauten. Das hat sich geändert, wie jetzt bei der Planung der Grundschule Cham offenbar wurde.

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Weder die beiden engagierten Architektenbüros – das Büro von Georg Kerschberger und das der Architekten Schnabel und Partner planen hier gemeinsam – noch Bürgermeister Martin Stoiber trauten sich am Donnerstag bei der Stadtratsbesichtigungstour durch Cham, für die Schulsanierung eine Kostenmarke abzugeben.

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Unteres Gebäude soll komplett beseitigt werden

Bei Projekten, die in einem Jahr angeschlossen seien, sei eine Steigerung übersichtlich, wie etwa bei der Flutbrücke. Doch Großprojekten wie der Grundschule, die in mehreren Bauabschnitten über Jahre abgearbeitet werden müssten, seien Kostenschätzungen praktisch unmöglich geworden. Der Baupreisindex, der die Steigerung vierteljährlich erfasse, habe zuletzt bei 32,5 Prozent gelegen, so Stoiber: „Das hat es noch nie gegeben!“

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Das bedeute am Ende ein immense Teuerungsrate beim öffentlichen Bau. Er habe Planer und Stadtrat Georg Kerschberger vor der Führung gefragt, was er zu den Kosten sagen könne. Der habe klar gemacht, dass er hier keine seriöse Schätzung abgeben könne. Es könnten 20 oder 25 Millionen sein – „keiner weiß das.“

Auch der Dönerladen an der Ecke muss weg

Die große Chamer Grundschule am Schulberg soll komplett saniert und zum Teil durch Neubauten ergänzt werden. Was nach jetziger Planung ganz wegkommen soll, ist das untere Schulgebäude, das sich die Grundschule mit der Förderschule teilt.

Dieses Gebäude, das sich Grund- und Förderschule teilen, soll weggerissen werden, um Platz zu schaffen, etwa für wartende, parkende Eltern. - Foto: Christoph Klöckner

Dort sollen unter anderem Parkplätze angesiedelt werden, damit die Kinder sicher von den Eltern gebracht werden könnten. Es sei der Stadt gelungen, auch den Dönerladen an der Ecke zu kaufen — der damit auch weg kommt. Die Kinder würden komplett in einem Gebäude im oberen Bereich untergebracht. In drei Bauabschnitten soll die Schule fit für die Zukunft gemacht werden.

Mehrere Bauabschnitte bis zur Fertigstellung

Zunächst werde oben die offene und gebundene Ganztagsbereich eingerichtet. Danach wird die bisherige Mittagsbetreuung abgerissen und ein Teil saniert. Die Stadt geht von einer Bauzeit von mindestens sechs Jahren aus. Die Studie zum Umbau der Grundschule werde nun mit der Regierung abgestimmt, um danach in die detailliertere Planung zu gehen.

Ziel sei es, ein Schulgebäude zu schaffen, in dem sich moderne Pädagogik umsetzen lasse, so Stadtrat und Architekt Georg Kerschberger. Das sei zwar bei Teilen der Schule, die bestehen bleiben, eine Herausforderung – dennoch sei dies möglich. Die Leitung der Schule, Stefanie Brunner, habe da sehr moderne, konkrete Vorstellungen, so Georg Kerschberger.

Rücklagen in der Stadtkasse werden über die Bauzeit abgeschmolzen

Für die Stadt bedeutet die Unberechenbarkeit der Bauprojekte eine Planung ins Ungewisse. Aktuell habe die Stadt zwar noch 30 Millionen Euro an Gewerbesteuern, was die finanzielle Freiheit Chams befördere. Doch es sei absehbar, dass die Rücklagen – zur Zeit seien etwa 21 Millionen Euro in der Stadtkasse vorrätig – abschmelzen würden.

Schließlich warten neben der Chamer Grundschule Millionenprojekte wie St. Michael, der Spitalplatz, der Stadionneubau mit Sportkindergarten, der Hochwasserschutz oder auch die Umgestaltung der Dorfmitte in Chammünster . „Ich gehe auch davon aus, dass die Stadt für die Projekte künftig auch Darlehen aufnehmen muss“, sagte Stoiber im Gespräch. Daher bremse er die Stadträte und Fraktionen bei den Haushaltsberatungen bei der Aufstellung von Wunschlisten.