Sechs Kinder und sechs Bücher - Jetzt hat Jutta Kröpfl ihren Erstling noch einmal neu geschrieben

Von Jochen Dannenberg · 22. Juni 2026 um 15:00

Es wirkt in Zeiten der Gleichberechtigung der Geschlechter anachronistisch: Eine Frau ist Hausfrau und Mutter von sechs Kindern und geht keinem klassischen Beruf nach. Vielleicht gerade deshalb ist Jutta Kröpfl glücklich.

Auch weil ihr trotz der Familie noch Zeit für ihre Leidenschaft bleibt. Sie schreibt nämlich Bücher. Inzwischen hat die 42-Jährige aus Bad Gögging sechs Romane verfasst. Gerade hat sie ihren über 500 Seiten starken Erstling „Der Tag, an dem dein Flieger ging“ noch einmal komplett überarbeitet. Wobei es nicht ganz trifft, wenn man in diesem Zusammenhang von einer Überarbeitung spricht. Das klingt arg nach redaktionellem Feinschliff. Tatsächlich hat Kröpfl das Buch komplett neu geschrieben.

Eigentlich wollte sie nur Fehler ausbessern

„Es hat sich nicht mehr nach mir angefühlt. Eigentlich wollte ich nur Fehler ausbessern, dann habe ich festgestellt, dass ich das nicht mehr bin, als ich das Buch gelesen habe“, sagt sie beim Gespräch mit dem Reporter in der Küche des Häuschens, das sie mit ihrem Mann und den Kindern bewohnt. Hier ist der Mittelpunkt ihres Lebens. Hier wird gegessen, gelacht und diskutiert – und hier werden Bücher geschrieben.

An der Idee, die dem Erstling zugrunde liegt, hat sie nichts geändert. Immer noch geht es um eine Frau, die nach einem Unfall an partieller Amnesie leidet. Zwei Männer kommen und vermitteln ihr, dass sie in ihr Leben gehören. Tanja Schäfer, die Protagonistin, findet sich deshalb mit einem Mal in der Suche nach der Wahrheit über ihr Leben und der Wahrheit von sich selbst wieder.

Die Überarbeitung hat ein Jahr gedauert. Es sind nicht nur einige Formulierungen der ursprünglichen Fassung, die der Überarbeitung zum Opfer gefallen sind. „Ich habe die Geschichte neu erzählt, den Charakteren mehr Tiefe verliehen und andere Schwerpunkte gesetzt“, erklärt Kröpfl. „Für mich ist es gefühlt ein neues Buch.“ Der „Flieger“ sei einst „ein Sprung ins kalte Wasser“ gewesen. „Aber ich habe dadurch viele Erfahrungen gemacht und das Buch hatte es verdient, umfassend überarbeitet zu werden.“

Die ersten Reaktionen auf das Buch, das im Selbstverlag erschienen ist, sagt Kröpfl, seien positiv. Die Leser würden die überraschenden Wendungen loben, die der Roman jetzt hat. Sie sorgen für zusätzliche Unterhaltung.

Schreiben ist für die 42-Jährige mehr als das Erzählen von Geschichten. „Es geht mir nicht darum, das große Geld zu machen, sondern Menschen zu berühren und Themen anzusprechen, die andere lieber außen vor lassen, weil sie vielleicht unangenehm sind oder polarisieren“, sagt sie. Wie zum Beispiel die Dreiecksbeziehung, die dem „Flieger“ zugrunde liegt. Literatur, betont Kröpfl solle auch zum Nachdenken anregen.

„Schreiben ist für mich Fühlen. Man reflektiert sich beim Schreiben.“ Das bedeute auch, dass man sich auch mit seinen Ängsten auseinander setzen müsse.

Die Geschichten müssen authentisch sein

Wichtig, sagt Kröpfl dann noch, sei ihr, authentische Geschichten zu erzählen und nicht irgendwelchen Trends hinterher zu laufen und sich dafür zu verbiegen. Trends interessieren sie nicht.

Die 42-Jährige ist seit 23 Jahren verheiratet, hat sechs Kinder und kümmert sich vor allem um die Familie. Für einen „richtigen Job“ – mit Steuerkarte, Renten- und Krankenversicherung – ist da kein Platz. Kröpfls Leben mag für manchen wie aus der Zeit gefallen wirken. Aber das stört sie nicht. „Ich bin ja auch Schriftstellerin“, sagt sie und dafür finde sie jeden Tag die Zeit, und ihr Mann unterstütze sie.

Jahrzehnte, nachdem sich Frauen aufmachten, ihre traditionelle Rolle aufzugeben, geht Kröpfl zumindest auf den ersten Blick einen anderen Weg. Allerdings ohne deshalb in traditionelle Rollenbilder – „Kinder, Küche, Kirche“ - zurückzufallen. Ein Einzelfall? Vielleicht. Freilich braucht es auch einen Mann, der das mitträgt.

Sicher ist für die 42-Jährige: „Das Schreiben wird immer ein teil von mir sein.“ Die Ideen für weitere Geschichten sind da. Wie sie sich zusammenfügen, wird sich zeigen.