130 Einsatzkräfte errichten Ölsperren zwischen Neustadt und Münchsmünster

Ein angenommenes Leck in der Mero-Pipeline zwischen Neustadt und Münchsmünster löst Ölalarm aus: 130 Feuerwehrleute aus sieben Wehren übten in diesem Szenario den Ernstfall und errichten Ölsperren an Gewässern. Dabei wurden bewusst auch Schwachstellen in Ausrüstung und Abläufen aufgedeckt.
Gegen 18 Uhr am Dienstagabend signalisieren die Leckerkennungssysteme in der Leitzentrale der Mero in Vohburg ein Leck im Abschnitt zwischen Neustadt und Münchsmünster. Sofort geht eine Meldung an die integrierte Leitstelle. Die Katastrophenschutzsonderpläne Mero werden aktiv. Ölalarm für alle Wehren im betroffenen Gebiet wird ausgelöst. Rund 130 Aktive aus sieben Feuerwehren machen sich auf den Weg, um an Flüssen, Bächen und Gräben Ölsperren zu errichten.

So sah es aus, das Übungsszenario, in dem am Dienstag Abend die Freiwilligen Feuerwehren aus Neustadt und Umgebung den Ernstfall probten. Glatt lief dabei vieles, aber eben nicht alles. Hier ist ein Sandsack beschädigt, dort fehlt ein wichtiges Holzstück, an anderer Stelle hat ein Steg nicht die nötige Tragkraft. Ein Problem sei das nicht, betonte Kreisbrandrat Nikolaus Höfler, „schließlich ist genau das ja der Sinn der Übung. Wir wollen Routinen schaffen, aber auch sehen, wo etwas nicht passt, wo etwas verbessert werden kann und wo vielleicht, wie wir es auch gesehen haben, Ausrüstung schadhaft ist oder fehlt.“
Damit keine Information verloren geht, wird jede der sechs Sperren, die an diesem Abend errichtet werden, von einem Schiedsrichterteam besucht. Akribisch wird erfasst, was funktioniert und was nicht. Die Feuerwehrleute dürfen und sollen Erfahrungen und Wünsche vorbringen, denn im Ernstfall muss alles glatt laufen.

344 Kilometer ist die Mitteleuropäische Rohölleitung, kurz Mero, lang. Von Ingolstadt ausgehend führt sie quer durch den Landkreis Kelheim, über Waidhaus nach Nelahozeves bei Prag. Ihre Aufgabe: Die Versorgung der Tschechischen Republik mit Rohöl. Die maximale Durchflussmenge beträgt 1750 Kubikmeter pro Stunde.
Bei Schäden springt sofort das Warnsystem an
Entsteht an ihr ein Schaden, springt sofort das Warnsystem an und meldet einen Druckabfall im entsprechenden Abschnitt. Unerkannt kann da, so heißt es von Mero-Seite, nichts bleiben: Im rechnergestützten Leitsystem sind mehrere Verfahren zur Leckerkennung und Ortung gleichzeitig aktiv. Drücke, Temperaturen, Durchflussmenge und weitere Daten werden in Echtzeit ausgegeben und fortwährend erfasst.
Erscheinen hier problematische Werte, tritt sofort ein ausgeklügelter Notfallplan in Kraft, der das Personal der Mero ebenso umfasst wie Mitarbeiter von Fremdfirmen und die Einsatzkräfte des Katastrophenschutzes, darunter die Aktiven der Freiwilligen Feuerwehren.

„Wir üben hier den Fall, der hoffentlich nie eintritt“, betonte Kelheims Landrat Christian Nerb und fügte an, „die Übung hat gezeigt, dass wir uns auf unsere Ehrenamtlichen bei den Feuerwehren zu 100 Prozent verlassen können.“ In einem echten Einsatz laufe der Einsatz über das Landratsamt ab. Daher sei es ihm ein Anlegen gewesen, dass nicht nur seine Mitarbeiter, sondern auch er selbst vor Ort waren. Denn, auch wenn er Mero-Übungen bereits aus seiner Amtszeit als Bürgermeister kenne, sei es als Landrat doch nochmal etwas anderes.
Vor Ort waren freilich nicht nur nur Vertreter des Landkreises und Aktive, sondern auch Mitglieder der Kreisbrandinspektion des Landkreises Kelheim wie auch des Nachbarlandkreises Eichstätt, der mit der Marktgemeinde Pförring direkt an Münchsmünster und damit das potenzielle Einsatzgebiet angrenzt. Dazu kamen Vertreter der Mero, wie auch auch des zuständigen Ministeriums und weiterer Behörden.
Zusammenarbeit der Stellen im Ernstfall entscheidend
„Im Ernstfall ist eine gute Zusammenarbeit aller Stellen entscheidend“, betonte Höfler und erntet zustimmendes Nicken der Umstehenden. Wie gut das in der Realität funktioniert, zeigte die Ausrüstung, die vor allem im Falle der größeren zu errichtenden Sperren nicht bei den Wehren, sondern vor Ort in kleinen Häuschen lagert und von der Mero zur Verfügung gestellt wird. Vorhanden sein soll dort von der schwimmenden Ölsperre über Holzelemente zur Absperrung bis hin zu Sandsäcken und passendem Werkzeug all das, was zur Errichtung einer Sperre an der jeweiligen Stelle notwendig ist.
15 solche Stellen gibt es in den Gräben, Bächen und Flüssen des Landkreises. Sechs davon wurden diesmal beübt.
„Im Extremfall hätten wir zusätzlich die Möglichkeit einer Sperre in der Staustufe Bad Abbach auf der Donau. Ich hoffe natürlich, dass wir sie, wie auch alle anderen, kleineren Sperren nie brauchen werden“, betonte Landrat Christian Nerb und fügte an, „es ist aber doch gut zu wissen, dass alle Handgriffe sitzen, sollte der Fall doch einmal eintreten.“
