Oberpfälzer Volkskundemuseum in Burglengenfeld steht erneut am Scheideweg

Viele haben es vermutlich noch nicht mitbekommen: Das Oberpfälzer Volkskundemuseum, das seit knapp 40 Jahren in der ehemaligen Großen Kanzlei am Fuße des Burgbergs untergebracht ist, hat seine Leitung verloren. Christina Scharinger hat die Institution Ende Mai verlassen, um sich beruflich neu zu orientieren. Vor einer Wiederbesetzung der Stelle will die Stadtspitze einiges klären und eventuell neu regeln. Für Spannung ist gesorgt.
Rückblende: Scharinger, die in Regensburg Vergleichende Kulturwissenschaft und Anglistik studierte, hatte vor rund fünf Jahren die Leitung des Burglengenfelder Museums übernommen. Sie trat damit die Nachfolge von Dr. Margit Berwing-Wittl an, die die Einrichtung über fast vier Jahrzehnte geprägt hatte. Berwing-Wittl hinterließ große Fußstapfen, wie man so sagt, und manch Beobachter mag deshalb anfangs Bedenken gehabt haben, ob die damals 36-jährige Scharinger jemals aus ihrem Schatten heraustreten würde.
Auf sympathische Art Pflöcke eingerammt
Die Zweifel verflogen schnell. Die Wissenschaftlerin, die aus Wölsendorf (Gemeinde Schwarzach bei Nabburg) stammt und die vorher die Geschäfte des Oberpfälzer Kulturbundes geleitet hatte, überzeugte nicht nur durch Fachkenntnis und großes Engagement, sondern auch Kreativität.
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Menschen, die viel mit ihr zu tun hatten, geraten über sie geradezu ins Schwärmen. Scharinger habe es geschafft, sich binnen kürzester Zeit einzuarbeiten. Sie habe tolle Ideen gehabt und „unglaublich originelle Ausstellungen“ konzipiert, ja sie habe damit regelrecht „Pflöcke in den Boden gerammt“, so eine Insiderin. Und das alles habe sie auf eine besonders sympathische Art gemacht, stets unaufgeregt und bescheiden.
Es gibt also keine bekannte Stimme, die in irgendeiner Weise mit Scharinger unzufrieden gewesen wäre. Was aber waren die Gründe, die sie schon vor der Kommunalwahl zu der Entscheidung kommen ließen, Burglengenfeld wieder zu verlassen?
Haben Sie die Debatten um die Zukunft des Hauses vergrault?
Nachdem sich die 41-Jährige dazu selbst nicht öffentlich äußern wollte, war die Redaktion auf Informationen aus anderen Quellen angewiesen. Demnach hat sich für Scharinger schlicht eine berufliche Verbesserung aufgetan, eine Chance, die sie sich nicht entgehen lassen wollte. Seit Anfang Juni ist sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Freilandmuseum Oberpfalz in Neusath tätig. Der neue Arbeitsplatz liegt also quasi direkt vor ihrer Haustür.
Ein Grund, der zum Wechsel bewegt haben könnte, dürften die immer wieder mal aufflammenden Kontroversen über die Zukunft des Museums gewesen sein. Auch technische und bauliche Mängel könnten die Freude an der Arbeit immer wieder getrübt haben.
Reguläre Öffnungszeiten sind weiter gesichert
Wie auch immer: Scharinger wäre nicht Scharinger, wenn sie nicht für einen geordnete Übergabe gesorgt hätte. Zusammen mit der Stadt und dem Freundeskreis der Einrichtung kümmerte sie sich, dass der Betrieb fürs erste auch ohne offizielle Führung geregelt weiterlaufen kann. Denn eines war nach Informationen der Redaktion offenbar schnell klar: Eine sofortige Wiederbesetzung ihrer Stelle sollte es nicht geben.
Bürgermeister Martin Antretter (SPD) begründet dies wie folgt: Nach dem Ausscheiden der Mitarbeiterin sei es nötig geworden, erst einmal zu prüfen, wie die Aufgaben künftig strukturiert werden sollten. Außerdem gebe es weitere Überlegungen zur strategischen Ausrichtung – beispielsweise, wie man die Verknüpfung von Museum und Kultur künftig grundsätzlich besser verstetigen könne. Dazu seien „weitergehende Überlegungen“ und „methodische Untersuchungen“ erforderlich, berichtet Antretter. Die Frage nach der Leitung werde entschieden, wenn der Kurs feststehe, den die Stadt auch zum Ziel bringen könne. Bis Ende des Jahres solle dies der Fall sein.
Jedenfalls scheint es auch nach der Kommunalwahl derzeit keine politische Kraft mehr zu geben, die den Fortbestand des Museums infrage stellen würde. Auch die CSU tut dies nicht, im Gegenteil. Ihr Fraktionssprecher im Stadtrat, Markus Huesmann, ist auch Geschäftsführer im Museumsverein und betonte gegenüber der Redaktion die „hohe Bedeutung“, die das Volkskundemuseum nicht nur für Burglengenfeld habe. Dementsprechend sei es unbedingt erforderlich, in einem überschaubaren Zeitrahmen eine neue, qualifizierte Leitung einzusetzen.
Kommt am Ende ein Kulturmanager?
„Das Museum sollte nicht in einen Dornröschenschlaf verfallen“, meint auch Vereinsvorsitzender Thomas Weis. Für die Strategie des Bürgermeisters hat er aber Verständnis. Erst wenn die Neuorientierung definiert sei, mache eine Stellenausschreibung Sinn. Vielleicht entspreche das Profil am Ende gar nicht mehr dem einer wissenschaftlichen Fachkraft, sondern dem eines Kulturmanagers.

Kein Geheimnis ist es, dass das Museum den kommunalen Haushalt nicht unerheblich belastet. Im vergangenen Jahr waren 240.000 Euro eingepreist. Daher gab es schon zu Zeiten von Bürgermeister Thomas Gesche (CSU) Bemühungen, für die Trägerschaft neue Partner mit ins Boot zu holen – oder bewährte, wie den Bezirk Oberpfalz, noch stärker einzubinden.
Ähnliches hat nach MZ-Informationen auch Antretter im Sinn. Doch noch lässt sich der neue Rathauschef diesbezüglich nicht in die Karten schauen. Aussagen wolle er erst treffen „wenn es soweit ist“.
Recherchen haben ergeben, dass aktuell keiner der infrage kommenden Stellen ein entsprechender Bittbrief vorliegt. Weder dem Ministerium für Wissenschaft und Kunst, noch dem Heimatministerium, auch nicht dem Bezirk oder dem Zweckverband Städtedreieck. Unter den Bürgermeistern im Städtedreieck soll nur in „lockerer Runde“, also unverbindlich, einmal über das Thema gesprochen worden sein.