Plötzlich war er da: Pfau Uwe wird zur Attraktion auf der Kötztinger Hütte am Kaitersberg

Eigentlich hatte niemand mit ihm gerechnet. Doch irgendwann stand er plötzlich vor dem Fenster der kalten Küche der Kötztinger Hütte im Kreis Cham – und blieb. Seit Wochen gehört der blaue Pfau mittlerweile zum Erscheinungsbild am Kaitersberg. Wanderer zücken ihre Handys, Kinder bleiben stehen und staunen. Die Hüttenbetreiber betrachten ihren ungewöhnlichen Gast dagegen mit gemischten Gefühlen.
„Schon vor zwei Wochen haben uns Gäste darauf aufmerksam gemacht, dass sich am Kreuzfelsen ein Pfau herumtreibt“, erinnert sich Eva Silberbauer, die die Hütte hoch oben in der Gemeinde Hohenwarth bewirtschaftet. Kurz darauf sei das Tier direkt an der Hütte aufgetaucht. Wenig später habe es sich offenbar entschieden, die Umgebung zu seinem Revier zu machen.
Attraktion und Mehraufwand zugleich
Für die Besucher sei der exotische Vogel zweifellos eine Attraktion. Für die Betreiber bedeute seine Anwesenheit allerdings auch zusätzlichen Aufwand. „Der Dreck, den er hinterlässt, ist mittlerweile schon ein massives Problem“, sagt Silberbauer. Immer wieder komme es vor, dass die Hinterlassenschaften zunächst unbemerkt bleiben und Gäste hineintreten.
Der Dreck, den er hinterlässt, ist mittlerweile schon ein massives Problem.Eva Silberbauer, Betreiberin der Kötztinger Hütte
Auch im Blumenbeet hat der gefiederte Dauergast deutliche Spuren hinterlassen. Der Pfau, den Silberbauers Großneffe kurzerhand auf den Namen Uwe taufte, habe sich durch zahlreiche Pflanzen gefressen. Tomatenstauden, Tagetes und Chrysanthemen seien ebenso auf seinem Speiseplan gelandet wie die Blümchen, die als Tischdekoration dienen sollten.
Gerade deshalb möchte die Wirtin den Aufenthalt des Tieres nicht zusätzlich fördern. „Vor den Gästen will ich ihn nicht zur Schau stellen“, betont sie. Auch auf zusätzliches Futter verzichtet sie bewusst. Schließlich beschäftigt die Betreiber schon jetzt die Frage, was aus dem Vogel wird, wenn der Sommer einmal vorbei ist.
Pfau turtelt mit eigenem Spiegelbild
Dabei scheint Uwe auch ohne menschliche Unterstützung bestens zurechtzukommen. Besonders angetan hat es ihm offenbar sein eigenes Spiegelbild. Regelmäßig stehe er vor einem Fenster der Hütte und imponiere seinem vermeintlichen Gegenüber. „Er turtelt praktisch mit sich selbst“, erzählt Silberbauer schmunzelnd. Immer wieder schlage er dort sein prächtiges Rad und präsentiere seine imposanten Schwanzfedern. Möglicherweise halte er die Spiegelung für einen Rivalen oder eine potenzielle Partnerin.







Wenig Respekt zeigt Uwe übrigens vor Hüttenhund Bäbbe. Nähert sich der Chihuahua dem gefiederten Gast allzu energisch, rettet sich dieser kurzerhand auf einen Baum. Dort bleibt er außer Reichweite des kleinen Vierbeiners zurück.
„Wir hoffen, dass sich der Besitzer meldet und den Pfau abholt.Eva Silberbauer, Betreiberin der Kötztinger Hütte
Woher der Pfau ursprünglich stammt, bleibt allerdings ein Rätsel. „Ist er abgehauen? Wenn ja, warum?“, fragt sich die Hüttenwirtin. Vielleicht sei das Tier vertrieben worden oder habe während der Balz das Nachsehen gehabt. „Da bin ich ratlos“, gibt sie zu. Trotz seines festen Aufenthaltsorts bleibt der Vogel auf Distanz. Zwar nähere er sich gelegentlich bis auf wenige Meter. „Wenn ich Blumen einpflanze, geht er auf zwei Meter heran“, berichtet Silberbauer. Den Gästen gegenüber sei er jedoch deutlich zurückhaltender. Für die Wirtin kommt das nicht überraschend. „Pfaue sind ja an sich keine zutraulichen Tiere“, sagt sie.
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So sehr Uwe inzwischen zum Erscheinungsbild der Kötztinger Hütte gehört – dauerhaft behalten möchten ihn die Wirtsleute nicht. „Wir hoffen, dass sich der Besitzer meldet und den Pfau abholt“, sagt Eva Silberbauer. Bislang sei jedoch unklar, wem der Vogel gehört und warum er auf dem Kaitersberg gestrandet ist.
Wissenswertes zu Pfauen aus dem Lexikon der Vögel Deutschlands
Herkunft: Pfaue stammen ursprünglich aus Südasien. Ihre natürliche Heimat liegt vor allem in Indien, Bangladesch und Sri Lanka. Wegen ihres prächtigen Federkleids werden sie seit Jahrhunderten als Ziervögel gehalten.
Federkleid: Das berühmte „Rad“ dient den Männchen vor allem zur Balz. Mit den auffälligen Schmuckfedern wollen sie Weibchen beeindrucken und Rivalen imponieren.
Lebensweise: Trotz ihrer langen Federn können Pfaue fliegen. Zum Schlafen ziehen sie sich häufig auf Bäume zurück. Hoch oben im Geäst sind sie vor vielen Feinden geschützt.
Nahrung: Auf dem Speiseplan stehen Pflanzen, Samen, Körner sowie Insekten und Käfer. Deshalb gelten Pfaue als Allesfresser.
Alter: Unter guten Bedingungen können Pfaue 15 bis 20 Jahre alt werden.
Besonderheit: In freier Wildbahn außerhalb von Parks oder Tiergehegen sind Pfaue in Deutschland selten. Meist handelt es sich um entlaufene oder verwilderte Tiere.