Zu schade für die Garage - Oldtimer sind nicht nur was zum Anschauen

Von Jochen Dannenberg · 14. Juni 2026 um 17:00

Die Oldtimer-Rallye Storico lockte wieder Hunderte Klassiker-Fans nach Neustadt a.d. Donau. Die Rundfahrt war 217 Kilometer lang, es gab mehrere Sonderprüfungen. Die Rallye, die zum dritten Mal stattfand, zeigte auch, dass Oldtimer nicht nur was zum Anschauen oder für Sonntagsausflüge sind.

Es gibt untrügliche Zeichen, dass der Sommer angebrochen ist: Die Bäume sind grün, auf den Feldern wächst das Getreide und auf den Straßen sind viel mehr Oldtimer unterwegs als sonst. Und in Neustadt a.d.Donau fand wieder die Oldtimer-Rallye Storico statt. Sie lockte am Sonntag mit einer enormen Bandbreite an Fahrzeugen – vom braven Renault 4, über verschiedene Porsche und BMW bis hin zu Rennsport-Ikonen wie dem Audi Quattro S1. Die Storico zeigte auch, das automobile Klassiker durchaus etwas für den Alltag sind.

So fährt Thomas Gruber aus Arresting – nicht das bei Neustadt, sondern das bei Schrobenhausen – ein silbernes Opel Astra Cabrio in der eher seltenen Bertone-Ausführung. Das Auto stammt aus den 80er Jahren. „Der Wagen muss alltagstauglich sein“, sagt Thomas Gruber. Das meint auch Gerald Bach aus Geisenfeld, Besitzer eines roten Volvo Amazon aus dem Baujahr 1969: „Ich fahre mit dem Volvo rund 15.000 Kilometer in zwei Jahren.“ Derselben Auffassung ist Alexander Miodek aus Moosburg. Sein dunkelblauer Mercedes-Benz 300 D, Baujahr 1981, ist ein absolutes Alltagsauto. „Derwird jetzt 45 Jahre alt“, sagt Alexander Miodek, „da fehlt nichts.“

Sportliches Programm für 41 Teilnehmer

Teilnehmer Bei der Storico geht es jedoch weniger um die Alltagstauglichkeit: Hier geht es durchaus sportlich zu. Neben einer 217 Kilometer langen Rundfahrt standen für die 41 Teilnehmer unter anderem zwei Zeitmessungen auf dem Programm. So musste jeder Teilnehmer beim Hagebau-Baumarkt zweimal einen Slalom fahren, wobei es darauf ankam, dass bei beiden Runden am Ende möglichst dieselbe Zeit gemessen wurde. Genauso war es zum Abschluss der Storico, als die Fahrer auf dem Oval des Speedway-Stadions Gas geben durften.

Das Rallyefahrzeug und der Kleinwagen: Audi Quattro neben Renault R4 – so vielfältig kann die Oldtimerei sein. - Foto: Jochen Dannenberg

Was sich nach ein bisschen Spaß anhört, ist mitunter gar nicht so einfach. So erzählt Michael Ringenberg, der mit Beifahrerin Manuela Ehrmaier in einem VW Käfer mit 120 PS unterwegs war: „Letztes Jahr lagen wir in Führung, aber mit einem Mal stotterte der Motor.“ Der Käfer blieb liegen. Die Ursache war ein Pfennigartikel. „Der Benzinfilter war dicht“, seufzt Ringenberg.

Freude an der Technik

Voraussetzung fürs HobbyEs sind Momente wie diese, die die Oldtimer-Fans zu einer großen Familie werden lassen. Schon beim gemeinsamen Frühstück im Fahrerlager des Anton-Treffer-Stadions erzählen sie von ihren Erlebnissen, tauschen Tipps und Adressen aus. Eine Überzeugung kommt dabei immer wieder zum Ausdruck: die Freude an der oft eher simplen Technik. „Da kann ich viel selbst machen“, sagt Thomas Gruber, der Opel-Fahrer. Und Karl Zettl, Urgestein des MSC Neustadt, der die Storico veranstaltet, sagt über seinen 75 Jahre alten Mercedes-Benz 220 B: „Die alte Technik ist fantastisch. Es gibt keine Servolenkung, da hat man eine ganz andere Verbindung zur Straße.“

Die einfache Technik und die Schrauberei führen dazu, dass die Fahrzeugbesitzer zu Fachleuten für ihre Autos werden. Es ist aber auch Liebe im Spiel. Dietmar Waldinger aus Manching, der einen alten Renault R4 fährt, sagt: „Als Student habe ich vier R4 verschlissen, aber dieser ist tipptopp.“

Die Oldtimerei hat und ihre Fans. Das zeigt sich auch beim Slalom vorm Hagebau. Ein Ehepaar aus Siegenburg hat sich mit Brezn und frischem Kaffee bewaffnet, um sich die Autos anzusehen. Ein Neustädter meint: „Das sind einfach schöne Autos.“ Und Franziska Rothdauscher hat sich sogar einen Klapphocker mitgebracht. „Ich muss doch meinen Enkel sehen, wenn der hier fährt“, sagt sie, „und ein bisschen autobegeistert bin ich auch.“

Auch betagte Klassiker wie dieser Porsche 356 waren bei der Storico am Start. Die Zuschauer konnten die Oldtimer aus nächster Nähe erleben. - Foto: Jochen Dannenberg