Diese Band hat sich dem Schlager verschrieben - Hier sind Träume ausdrücklich erlaubt

Von Jochen Dannenberg · 13. Juni 2026 um 19:00

Vier Männer aus Neustadt haben eine ganz besondere Leidenschaft: Sie spielen leidenschaftlich gerne Schlager. Nicht in Bierzelten und mit wummernden Bässen, sondern dezent, elegant, mit Spielfreude und viel Charme lassen „De Dry“ bekannte Melodien aus den 50er, 60er und 70er Jahren auferstehen. „Man darf doch wohl noch träumen“ , sagt Bandleader Michael Zirngibl. Und das Publikum stimmt ihm zu.

Ein Sommerabend im alten Kurpark von Bad Gögging. Es ist warm, die Sonne verschwindet allmählich hinter dem Horizont. Unter hohen und mächtigen Bäumen spielen De Dry, eine Band aus Neustadt a.d. Donau, Schlager aus den 50er bis 70er Jahren. Evergreens. „Ich war noch niemals in New York“, „Wenn der weiße Flieder“ und „Der Mann im Mond“.

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Das überwiegend ältere Publikum lauscht gebannt und genießt die Melodien. Hier und dort wird geschunkelt, vereinzelt wippen die Damen und Herren mit dem Fuß im Takt der Musik. Zwei Besucherinnen des Konzerts stehen ein paar Meter abseits der Bühne. Sie haben ihre Schuhe ausgezogen und tanzen zu der Musik – jede für sich und doch synchron. Fast wie die Kessler-Zwillinge, wunderbar zum Zuschauen.

„Alle Ängste, alle Sorgen, sagt man, blieben verborgen und dann würde, was uns groß und wichtig erscheint, plötzlich nichtig und klein“, sang einst Reinhard Mey. Beim Konzert der Band De Dry im Schatten der hohen Bäume im alten Kurpark von Bad Gögging treffen diese Zeilen uneingeschränkt zu.

Die Band ist seit 20 Jahren unterwegs

Michael Zirngibl, Manfred Limmer, Hubert Aubinger und Klaus-Dieter Wolf spielen die Evergreens nicht einfach nach, sondern nach eigenen Arrangements. Die stammen zumeist aus der Feder des Bandleaders, er hat die Gruppe vor über 20 gegründet und betreibt sie als eines von mehreren Musikprojekten neben der Blaskapelle Mühlhausen, mit der er sich auch dem Jazz verschrieben hat.

Im Mittelpunkt der Band De Dry stehen bei den Instrumenten die Gitarre und das Akkordeon, wobei das Akkordeon insofern nicht unproblematisch ist, haftet ihm doch trotz seiner besonderen Ausdruckskraft häufig der Ruf an, ein reines Volksmusik-Instrument zu sein.Lange Zeit wurde es unterschätzt und vorschnell als „Quetschkommode“ abgestempelt. Dabei ist es viel, viel mehr – ein Instrument nämlich, das unterschiedlichste Stimmungen und Musikstile vereint.

Michael Zirngibl hat ein feines Gespür für die Möglichkeiten des Akkordeons und er schafft es, einen feinen Grat zu gehen. Die Hits werden nicht vereinfacht, vom Instrument dominiert oder womöglich sogar – man möchte sagen – „gegrölt“. Stattdessen gelingt es Zirngibl, sein Instrument ein wenig zurück zu nehmen, weshalb es nie aufdringlich wird und ohne dass das Publikum vergisst, wer gerade die Melodie spielt.

Zwischendrin moderieren Zirngibl und Hubert Aubinger den Auftritt. Sie erzählen ein wenig über die Band, machen Witze und erzählen das eine oder andere Detail zu den Schlagern, die sie spielen. Kurz, sie unterhalten das Publikum nicht nur mit ihrer Musik.

Und das Publikum ist begeistert. Es jubelt nicht, es stampft nicht mit den Füßen, es genießt die Stunden. Zumindest für diesen Abend ist die Welt in Ordnung. Was hier passiert, ist mehr als ein Konzert. Es geht um Schwung und Herz und eine musikalische Zeitreise.

Welt der Schlagerklassiker wird zum Leben erweckt

Mit ihrer Spielfreude und ihrem Charme lassen De Dry diese Welt der Schlagerklassiker lebendig werden. Mal beschwingt, mal gefühlvoll, stets mit einem Augenzwinkern und liebevoll erzählten Geschichten, entsteht ein Konzertabend voller Nostalgie. Ein Abend zum Mitsingen, Schmunzeln und Erinnern – schwungvoll, herzlich und ganz nah am Publikum.

Der Ausspruch „Man darf doch wohl noch träumen“ ist damit nicht nur ein geflügeltes Wort, das im deutschen Schlager eine zentrale Rolle spielt. Viele bekannte Schlager greifen genau dieses Thema auf, um Lebensfreude, Hoffnung und Optimismus zu verbreiten. Und auf Nachfrage des Reporters gesteht Michael Zirngibl, dass er schon immer eine Schwäche für Schlager hatte. „Ich komme aus der Tanzmusik, da sind Schlager die Basis“, erklärt er. „Was ich jetzt mache, ist ein Destillat. Es sind Sachen, die einer jazzigen und swingenden Hintergrund haben und Texte, die einen sinnigen oder humorigen Hintergrund haben.“

De Dry; von links Hubert Aubinger, Klaus-Dieter Wolf, Michael Zirngibl und Manfred Limmer - Foto: Jochen Dannenberg