Seit 60 Jahren gibt es zwei St.-Andreas-Kirchen in Bad Gögging

Von Josef Kastl · 14. Juni 2026 um 05:00

Anfang der 60er-Jahre erkannte der damalige Pfarrer Karl Rüth die Entwicklungsmöglichkeit des Kurortes. In vorausschauender Planung und Zusammenarbeit mit der politischen Gemeinde regte er den Neubau der Pfarrkirche St. Andreas an. Damit hat der Kurort wohl eine der modernsten Kirchen des Dekanats. Die Pfarrei mit ihrer sehr langen Geschichte – bereits im Jahr 575 wurde die Seelsorgestelle urkundlich erwähnt – ist eine der „Urpfarreien“ der Diözese Regensburg und damit eine der ältesten in Bayern. War dies der Grund für Pfarrer Rüth, in unmittelbarer Nachbarschaft zu der seit dem Jahr 1200 bestehenden romanischen Chorturmkirche St. Andreas eine neue Kirche zu bauen? Rüth erkannte wohl schon damals das Potenzial des Ortes und wagte gemeinsam mit dem Regensburger Architekten Bert Ruf den Bau eines schlichten „Saalraums“ mit hohem, offenem Satteldach. Die breit ausladende Holzdecke des modernen sakralen Gebäudes mit rund 500 Sitzplätzen lässt die Idee des Baus erahnen: Die Kirche soll „Zelt Gottes unter den Menschen“ sein.

In unmittelbarer Nachbarschaft blieb der alte quadratische Turm mit Satteldach, der durch einen Quergang mit dem Neubau verbunden ist, auch in Zukunft das Wahrzeichen der Kirchengemeinde. Die feierliche Grundsteinlegung erfolgte am 21. Juni 1959. Am Josefitag, dem 19. März 1961, wurde das Gotteshaus von Domkapitular Küffner benediziert, das heißt mit einem Segen in den Dienst gestellt. Die feierliche Weihe der Kirche mit der Konsekration des Altars erfolgte durch Bischof Dr. Rudolf Graber nach Beendigung des Zweiten Vatikanischen Konzils (11. Oktober 1962 bis 8. Dezember 1965) am 17. Juni 1966. Daran erinnerten Pater Alex Thekkekuth, der Pfarrgemeinderat und die Kirchenverwaltung mit einem feierlichen Pontifikalamt. Zu den Klängen der Blaskapelle Münchsmünster zogen die Katholische Landjugend, der Katholische Frauenbund, die Krieger- und Kameradenvereine Bad Gögging und Ulrain, die Freiwilligen Feuerwehren Sittling, Ulrain und Bad Gögging sowie die Legio Mariens mit den Ministranten, Pater Alex, Weihbischof Dr. Josef Graf, der Pfarrgemeinderat, die Kirchenverwaltung und der Zweite Bürgermeister Günter Schweiger in die „neue“ Pfarrkirche St. Andreas ein. „Heute ist ein besonderer Tag der Freude, der Dankbarkeit und der Erinnerung. Seit 60 Jahren ist diese Pfarrkirche ein Ort des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe, ein Ort des Gebets, der Begegnung mit Gott und der Gemeinschaft der Menschen“, sagte Pater Alex.

In seiner Predigt brachte Weihbischof Dr. Graf zum Ausdruck: „In dem Kirchengebäude werden Gottesdienste gefeiert. Dabei sind Altar und Tabernakel die wichtigsten Einrichtungsgegenstände bei der Feier der Eucharistie.“ Darüber hinaus spreche er aber auch die „geistliche Wirklichkeit der Kirche als Institution, als Glaubensgemeinschaft an, die wir alle miteinander sind“. Kritische Fragen nach Sinn, Bedeutung und Auftrag der Kirche seien für ihn „zu wenig“. „Der Sinn der Kirche muss noch tiefer greifen.“ Er motivierte die Gottesdienstbesucher, sich im privaten Umfeld und am Arbeitsplatz als praktizierende Gläubige zu bekennen. „Die Kirche birgt ein Geheimnis, das über unsere menschlichen Möglichkeiten hinausgeht. Es ist die letzte Hoffnung über dieses irdische Leben hinaus. Diese Hoffnung feiern wir jetzt in der Pfarrkirche im Rahmen der Messfeier.“ Die Andreas-Singers unter der Leitung von Sonja Artinger gaben dem Pontifikalamt einen feierlichen Rahmen. Beim „Großer Gott, wir loben dich“ stimmten alle mit ein. Pfarrgemeinderat und Kirchenverwaltung luden anschließend zu einem Weißwurstfrühschoppen in den Pfarrgarten ein.