Kuriose Gerichtsverhandlung um Diebstahl in Schwandorf: Verteidiger macht Rückzug

Von Philipp Breu · 15. Juni 2026 um 05:00

So etwas sieht man selten: Am Donnerstag hätte sich vor dem Schwandorfer Amtsgericht eigentlich ein mutmaßlicher Seriendieb verantworten müssen. Doch der Prozess musste kurzerhand ausgesetzt werden. Der Grund: Der eigentlich beauftragte Verteidiger hatte sich offenbar entschieden, sein Mandat niederzulegen.

Video ansehen

Dass Verhandlungen abgebrochen und neu terminiert werden müssen, ist per se nichts Ungewöhnliches. Schließlich kommt es beispielsweise immer mal wieder vor, dass Richter, Staatsanwalt, Verteidiger oder Angeklagter krankheitsbedingt ausfallen oder dass es im Vorfeld Probleme bei der Zustellung der Ladungen gab. Und dann gibt es noch Beschuldigte, die es offenbar einfach nicht für nötig halten, trotz Ladung vor Gericht zu erscheinen. Dass ein Prozess jedoch ausgesetzt wird, weil der Verteidiger sein Mandat zwischenzeitlich niedergelegt hat, ist dann doch bemerkenswert.

Mann soll Münzen und Edelmetalle im Wert von knapp 30.000 Euro gestohlen haben

Das passierte tatsächlich jüngst am Schwandorfer Amtsgericht. Eigentlich hätte sich dort am Donnerstag ein Mann wegen mehrerer Diebstähle verantworten müssen. Er soll Münzen und Edelmetalle im Wert von knapp 30.000 Euro gestohlen und an einen Juwelier weiterverkauft haben.

Alle waren sie pünktlich in Sitzungssaal drei erschienen: Richterin Katharina Bauer, Staatsanwältin Nadine Sand, der Angeklagte und die geladenen Zeugen. Nur der Verteidiger fehlte. Bauer hakte in der Kanzlei nach und überbrachte schließlich die Nachricht, dass der Anwalt nicht kommen werde. Wie die Richterin schilderte, habe es wohl im Vorfeld „Probleme“ zwischen dem Verteidiger und seinem Mandanten gegeben. Das Gericht sei über die Entscheidung des Anwalts, den Beschuldigten nun doch nicht zu vertreten, allerdings im Vorfeld nicht in Kenntnis gesetzt worden.

Fortsetzung wohl nicht vor September möglich

So waren letztlich alle Prozessbeteiligten umsonst erschienen. Denn Bauer blieb nichts anderes übrig, als die Verhandlung auszusetzen und neu zu terminieren. „Sie brauchen zwingend einen Verteidiger“, sagte die Richterin zum Angeklagten. Denn es stehe eine Freiheitsstrafe von über einem Jahr im Raum. Wer nun die rechtliche Vertretung übernehmen wird, blieb am Donnerstag offen. Auf die Frage nach einem Wunschanwalt zuckte der Mann auf der Anklagebank nur mit den Achseln.

Viel mehr interessierte ihn, wie es denn mit den Kosten aussieht. „Wenn Sie freigesprochen werden, trägt der Staat die Kosten. Bei einer Verurteilung müssen sie bezahlen“, antwortete die Richterin. Wann der Prozess fortgesetzt wird, steht noch nicht fest. „Vor September wird das aber wohl nichts mehr“, so Bauer.