30 Jahre „Seasons in Black“: Doku über Lucki Maurers Band feiert in Cham Premiere

Zum 30-jährigen Bandbestehen feierte „Seasons in Black“ dieses Wochenende ihr Jubiläumsfestival. Neben dem Open Air im L.A. Lifestyle Café fand am Freitag in Cham die Weltpremiere ihres Dokufilms „What time couldn't kill“ statt.
Zahlreiche Fans mit passenden Shirts der Black/Death-Metal-Band tummeln sich im Eingang des Chamer Kinos. Vor dem offiziellen Filmbeginn dürfen sie ihre Idole treffen, Bilder machen, sich Autogramme und Umarmungen abholen. Vor Ort sind sowohl die Bandmitglieder Ludwig „Lucki“ Maurer, Roman Adam, Leon Hanff, Markus Neumeier und Harald Hemauer als auch die beiden Regisseure Kai Böcking und Florian Puchert. Die Musiker lernen neue Fans kennen, aber auch viele altbekannte Gesichter sind wieder mit dabei. Ein Vorteil daran, in der Heimat zu sein.
Neumeier erzählt, dass der Dreh stolze fünf Jahre umfasst habe. Es seien sowohl Aufnahmen von vor 25 Jahren als auch ganz neue von ihrem Festivalsommer 2025 zu sehen. Es gebe Einblicke in die Anfangszeiten der Band, noch vor Plattendeal.
Dreh der „Seasons in Black“-Doku: „Immer verückter, aber auch immer besser“

„Der Lucki und ich, wir kennen uns ja noch aus der Zeit, als er zusammen mit Stefan Marquard Shows gemacht hat“, teilt Böcking mit. Sie seien auch danach in Kontakt geblieben. Den Regisseur, der unter anderem für KabelEins dreht, wollten sie daher für die Doku ins Boot holen. Ihm habe die Idee gut gefallen und so habe er bei MagentaTV angefragt. „Und die meinten ,dreh' Mal'. So ist es also dazu gekommen, dass ich die Jungs den Sommer über begleitet habe und es wurde immer verrückter, aber auch immer besser“, sagt er.
Der Filmemacher verrät, was es mit dem Titel auf sich hat: „Es gab bereits einen älteren Dokufilm. Wir haben also dieses Material und unsere Aufnahmen genommen und dann Vergangenheit und Gegenwart zusammengebaut.“ Daraus entstand „What time couldn't kill“. Ursprünglich wollten sie den Film „Der Sommer unseres Lebens“ nennen. „Aber dann hat der Lucki mich angerufen und meinte ,Das klingt wie ein Schulmädchenfilm. Des wird nix'“, erzählen die zwei Regisseure später lachend im Kinosaal.

Böckings Lieblingsszene sei überraschenderweise die, in der die Band sich auf der Bühne verspielt. „Da sieht man einfach, dass sie echte Profis sind und damit auch umgehen können. Natürlich gibt es aber auch viele emotionale Momente. Man merkt schon, die leben da gerade ihren Wunschtraum“, sagt er. Sein Fazit: „Es war intensiv, schön und laut.“
Kurz vor 19 Uhr füllt sich langsam der Saal. Alle warten gespannt. Auch alte Schulfreunde von Lucki Maurer sind da: „Ich kenne ihn schon ewig.“
Überraschungs-Botschaften für die Bandmitglieder von „Seasons in Black“
„Es war einmal im Bayerischen Wald…“. Zu Beginn der Doku werden Überraschungs-Botschaften für die Bandmitglieder abgespielt: „Ihr dürft in Vizoviche auftreten“, wird den Fünf unter anderem mitgeteilt. Der Film ist eine bunte Mischung mit vielen alten Kameravideos aus den 2000er Jahren. Von der Absage ihrer ersten Bewerbung für ein Plattenlabel 2005 bis hin zum Schrotten einer Gitarre auf einem ihrer ersten Gigs. „Wir waren eine Band mit dem Traum Rockstars zu werden“, hört man Maurer über die Lautsprecher sagen. „Anfangs haben wir noch kaum geprobt. Es war damals pures Chaos. Nur Blödsinn.“

„Noch acht Wochen bis Wacken.“ Der Film ist gegliedert durch einen Countdown und arbeitet auf den einen Höhepunkt hin: Ihren Auftritt auf dem Wacken Open-Air, einem der größten Metal Festivals der Welt. Damit haken die Jungs einen großen Punkt auf ihrer Bucket-Liste ab.
In der Zwischenzeit dürfen die Fans dabei zusehen, wie ein Song im Studio entsteht. Zusammen mit der deutschen Mittelalter-Rock Band „In Extremo“. Die Zuschauer sind begeistert, grölen, jubeln und kommentieren laut ihre Lieblingsszenen. Eine riesige Familie füllt den Saal, alle verbunden durch ihre gemeinsame Leidenschaft zur dunklen Musik. „Ich durfte lernen, dass die Metal Scene einfach großartig und hilfsbereit ist“, sagt Böcking. Die Mitglieder bezeichnen sich selbst als „Fünf Freunde“. Maurer erzählt, dass ihm die Band viel Rückhalt gegeben hat, während er zwei Mal gegen den Krebs gekämpft hat. 18 Chemotherapien hat er mit ihnen an seiner Seite überstanden.
Die Fans dürfen bei ihrem Auftritt auf dem Rockharz-Festival hinter die Kulissen blicken. „Das war die größte Bühne, auf der wir jemals gespielt haben“, heißt es. Auch der Weg dorthin in ihrem Nightliner-Bus „Schneewittchen“ wird fleißig mit dokumentiert. Ausgelassene Abende mit Bier, die gleichzeitig von Nervosität geprägt sind. Die Runde gibt sich ganz authentisch.
Freunde und alte Mitglieder werden eingespielt und dürfen so auch Teil des Films sein. Gegründet wurde „Seasons in Black“, als die ursprünglichen Mitglieder erst etwa 16 Jahre alt waren. Es gibt außerdem einen Tribut an den bereits verstorbenen Manuel Körner (verstorben 2024) und Martin Mauerer (verstorben 2025), die jedoch noch Teil der Doku sein konnten. „Die beiden haben imaginär immer einen Platz mit uns auf der Bühne“, sagen sie.
„Noch zwei Wochen bis Wacken…“ Auch das Duo von The BossHoss hat einen Gastauftritt. „Genießt es. Die Menge dort hat Bock“, geben sie der Band mit auf den Weg. Und schon ist es soweit. „Wacken, seid ihr stabil?“, ruft Maurer ins Mikro. Er erzählt wie er sich das von seinem Idol abgeschaut hat. Diese Ansage hat er bereits als Jugendlicher geprobt, vor inzwischen etwa 30 Jahren. Doch auch dort läuft nicht alles rund. „Aber was wäre ein ,Seasons in Black'-Auftritt, wenn nicht irgendwas schiefgehen würde“, spaßt die Band. Ein kleiner Technikdefekt, ganz lässig abgetan und schon geht es weiter mit ihrem Song.
Abgerundet wird der Film von einem Einspieler des Fernsehkochs Tim Mälzer: „Ich bin stolz auf euch“, sagt er. Aber eine Einladung zur Premiere habe er trotzdem nicht bekommen, witzelt er beleidigt.