Parkärger nach Sanierung der Zengerstraße in Schwandorf – Anwohnern drohen Strafzettel

Die Fahrbahn samt zweier Gehsteige haben einige Anwohner der Zengerstraße in Schwandorf aus ihren eigenen Taschen bezahlt – zumindest zum Teil. Doch mit der Umsetzung sind die Wenigsten zufrieden. Vor allem die Parksituation habe sich seit der Sanierung vor etwa acht Jahren verschlechtert, lautet der Tenor. Die Stadt will nun reagieren.
Abgefahrene Spiegel, Kratzer, Dellen: Immer wieder müssen die Anwohner der Zengerstraße im Schwandorfer Kreuzbergviertel feststellen, dass ihre am Fahrbahnrand abgestellten Autos beschädigt wurden. Und nur in den seltensten Fällen gelingt es, die Verursacher ausfindig zu machen. Das grundlegende Problem: Seitdem die Stadt Schwandorf die Straße in den Jahren 2017 und 2018 erneuert hat, geht es dort enger zu, als es vorher der Fall war. Die Folge: Spiegelklatscher und Parkrempler gibt es zuhauf – und die Verantwortlichen gehen meist stiften.
5000 Euro. Auf diese Summe hat kürzlich ein Gutachter den Schaden geschätzt, der am Auto eines Anliegers der Zengerstraße entstanden ist. Der Mann will seinen Namen nicht in der Zeitung lesen, erklärt sich auf Nachfrage der MZ aber trotzdem bereit, über die grundlegende Problematik vor seiner Haustür zu sprechen. Schon seit er klein ist, wohnt er in der Zengerstraße. Die Gegend an sich biete viele Vorteile, sagt der Mann. Ämter, Schulen, Einkaufsmöglichkeiten – all das liegt nur wenige Hundert Meter entfernt. Noch dazu bekomme man vom Verkehrslärm recht wenig mit.
Wie viele Nachbarn auch, stellt der Mann seinen Wagen täglich vor seinem Haus am Fahrbahnrand ab. Ein offizielles Parkverbot gibt es dort nicht. Als er kürzlich zu seinem Auto ging, stellte er eine Delle und mehrere Kratzer am hinteren Kotflügel fest. Ärgerlich, aber keine große Sache, meinte er zunächst. Doch besagter Gutachter sei da eben anderer Meinung gewesen.
Wenn Autos parken, ist die Restfahrbahnbreite zu gering
Was den Schwandorfer besonders ärgert: Der Unfallverursacher, der durch einen aufmerksamen Zeugen beobachtet wurde, habe ihm kurzerhand die Schuld gegeben, weil er sein Auto an der ohnehin engen Fahrbahn abgestellt hatte. Die Polizei maß vor Ort nach – und tatsächlich: Eigentlich hätte der Wagen dort gar nicht geparkt werden dürfen. Denn die Straßenverkehrsordnung besagt, dass eine Restfahrbahnbreite von 3,05 Metern bestehen bleiben muss. In diesem Fall blieb allerdings nur eine Restbreite von 2,30 Metern übrig. Die Polizei sah sich daraufhin veranlasst, einen Pressebericht zu verfassen und darauf hinzuweisen, „dass die Breite der Zengerstraße ganz offensichtlich nicht für das Parken am rechten Fahrbahnrand ausreicht“.
Wie es im Bericht weiter hieß, muss sich der Verursacher nun wegen unerlaubten Entfernens vom Unfallort verantworten. Doch auch den Geschädigten erwartet ein Verwarnungsgeld in Höhe von 55 Euro. Zudem würden Fahrzeuge, „die eine behinderungsfreie Durchfahrt von Versorgungs- und Rettungsfahrzeugen behindern, konsequent abgeschleppt“, mahnte die Polizei. Für den Anwohner ist das jedoch völlig inakzeptabel. Schließlich seien viele Nachbarn der Zengerstraße darauf angewiesen, ihre Autos am Fahrbahnrand abzustellen. Denn nicht jeder verfüge über Parkmöglichkeiten auf dem Grundstück.
Im Zuge der Sanierung wurden die beiden Gehsteige verbreitert
Außerdem hätte die Stadt Schwandorf selbst dafür gesorgt, dass es in der Zengerstraße enger zugeht als zuvor. Der Mann spielt auf die Erneuerung der Fahrbahn an, die in den Jahren 2017 und 2018 über die Bühne ging. In diesem Zug seien auch die beiden Gehsteige verbreitert worden. Damit wurde die Straße an sich ergo verkleinert. Warum, das erschließt sich dem Anwohner bis heute nicht. Denn er würde immer wieder beobachten, dass sich die meisten Passanten gar nicht für die Gehsteige interessieren und stattdessen mitten auf der Straße umherschlendern.
Und jetzt soll man hier nicht mehr parken dürfen, obwohl man die Straße mitfinanziert hat.Ein Anwohner der Zengerstraße
Zu allem Überfluss habe die Stadt Schwandorf damals auch noch jeden Anwohner zur Kasse gebeten, um die Sanierungskosten zu stemmen. Etwa 15.000 Euro hätten der Mann und sein Vater zunächst an die Stadt bezahlt. Durch Rückzahlungen des Freistaats und weil sich die Baukosten doch als geringer als zunächst gedacht herausgestellt hätten, seien letztendlich etwa 2000 Euro an Straßenausbaubeiträgen übrig geblieben. „Und jetzt soll man hier nicht mehr parken dürfen, obwohl man die Straße mitfinanziert hat“, wettert der Anwohner – und kündigte an, gegen den Bußgeldbescheid vorzugehen, sollte er noch zugestellt werden. Bezüglich der Auseinandersetzung mit dem Unfallverursacher habe er sich schon anwaltliche Hilfe geholt.
Der Stadt Schwandorf ist die Situation in der Zengerstraße bekannt, wie Pressesprecher Andreas Hofmeister auf Nachfrage der MZ schildert. „Die örtlichen Gegebenheiten, insbesondere die vorhandene, geringere Straßenbreite, stellen dort eine besondere Situation dar“, sagt er. Dass die Fahrbahn nach der Sanierung noch enger wurde, sei zwar korrekt. Dennoch verteidigt Hofmeister im Namen der Stadt die Maßnahme: „Die Gehwege wurden verbreitert, um die Anforderungen an die Barrierefreiheit zu erfüllen.“
Stadt Schwandorf ist um eine Lösung bemüht
Auch, dass die Anwohner im Zuge der Sanierung zur Kasse gebeten wurden, sei zum Zeitpunkt der Baumaßnahme nicht unüblich gewesen. „Für einen Teil der Anwohner der Zengerstraße wurde im Jahr 2017 eine Vorauszahlung auf den Straßenausbaubeitrag festgesetzt. Die Erhebung von Straßenausbaubeiträgen wurde in Bayern rückwirkend zum 1. Januar 2018 abgeschafft“, erklärt Hofmeister.
Ungeachtet dessen ist die Stadt Schwandorf um eine Lösung bemüht. Der Pressesprecher kündigt an, dass die Lage erneut geprüft werde. „Auf Grundlage dieser Prüfung wird bewertet, welche Maßnahmen gegebenenfalls geeignet und umsetzbar sind“, so Hofmeister. In die Entscheidungsfindung sollen auch die Belange der Anwohner mit einbezogen werden.
Auf eine klare Rechtslage sowie eine Verbesserung der Parksituation hoffen die Anwohner. „Wir würden uns wünschen, dass hier bald einfach Ruhe einkehrt“, sagt der Mann. Seine favorisierte Lösung wäre es, entlang der Zengerstraße das Parken auf den Gehwegen zu gestatten. Dazu müssten nur ein paar Hinweisschilder angebracht werden und sofort wäre auf der Fahrbahn mehr Platz. Ebenfalls denkbar, aber deutlich teurer wäre es, die beiden Gehwege entsprechend zu verkleinern und abzusenken. „Alles, nur kein Parkverbot“, sagt der Anwohner.