Misery in der Parkarena Furth im Wald: Fan Nummer eins dreht komplett durch

Von Alexander Frimberger · 11. Juni 2026 um 17:00

Sie war lange erwartet und hat absolut gehalten, was versprochen wurde: Die Premiere des Stücks Misery in der Parkarena war ein voller Erfolg, bei dem zwei darstellerische Naturgewalten aufeinandergetroffen sind.

Gemeint sind Katy Karrenbauer und ihr Schauspielerkollege, der gebürtige Further Christian Erdt, die ein Katz- und Mausspiel aufgeführt haben, bei dem es weder an Komik, noch an Drama oder skurrilen Einfällen mangelte.

Alexander Etzel-Ragusa hat Regie geführt

Die beiden ließen sich auch von dicken schwarzen Wolken, Regen und kühlen Temperaturen nicht beirren, schonten sich nicht und agierten leidenschaftlich – viele Szenen unter freiem Himmel.

Die Grundgeschichte des Klassikers aus der Feder von Starautor Stephen King ist kein Geheimnis: Annie Wilkes liebt Misery. Die Romanfigur wurde erdacht von Autor Paul Sheldon. Der verunglückt in den Bergen von Colorado mit seinem Pkw, wird von Annie gerettet, die ihn in ihr Haus verschleppt und versorgt. Hier beginnt das Stück, das am Broadway große Erfolge gefeiert hat und für die Parkarena von Regisseur Alexander Etzel Ragusa in Szene gesetzt wurde. Auch bekannt: Annie ist mit dem aktuellen Band der Misery-Reihe gar nicht einverstanden und möchte, dass ihr Lieblingsautor das in Ordnung bringt.

Mehr soll an dieser Stelle über den Inhalt nicht verraten werden, auch nicht, ob es dem Sheriff gelingt, Annie das Handwerk zu legen, schließlich soll ja allen, die das Stück noch sehen wollen, nicht die Vorfreude genommen werden.

Zum Dank für einen tollen Auftritt gab es Blumen von Bürgermeister Sandro Bauer (re.) für Christian Erdt (li.) Katy Karrenbauer und Thom Nowotny, der den Sheriff spielt. - Foto: Alexander Frimberger

Schon in der Eingangsszene wird aber klar, Annie lebt in ihrer eigenen Welt. Mal kindisch, mal witzig, dann wieder bestimmend und gnadenlos, tänzelt und wirbelt sie durch das Geschehen, singt dabei erstaunlich eindrucksvoll. Misery hat ihr über eine schwere Zeit in ihrem Leben geholfen, deshalb liebt sie die Figur abgöttisch, taucht auch während der Aufführung in die Welt ein, die Autor Paul Sheldon geschaffen hat. Dafür liebt sie ihn, deshalb hat sie ihn gerettet.

„Ich habe Sie aus dem Auto gerettet, Sie haben mich über all die Jahre gerettet“, sagt sie in einer Szene. Doch die Verherrlichung bekommt Kratzer, weil ihr Idol auch Schattenseiten hat. Die gilt es für sie zu beseitigen. Annie spricht mit Gott und ist der festen Überzeugung: „Es geht nicht um Geld, sondern um Reinheit und göttliche Werte.“ Mehr und mehr versucht sie daher, nicht nur das Werk, sondern auch den Autor selbst zu formen. Dazu ist ihr zum Leidwesen Sheldons jedes Mittel Recht.

Szene aus dem Stück Misery - Foto: Pro Portraits & More
Szene aus dem Stück Misery - Foto: Pro Portraits & More
Szene aus dem Stück Misery - Foto: Pro Portraits & More
Szene aus dem Stück Misery - Foto: Pro Portraits & More

Christian Erdt verkörpert diesen in Not geratenen Gegenspieler nicht weniger eindrucksvoll. Er schreit seine Verzweiflung heraus, will fliehen und flitzt in atemberaubenden Tempo in seinem Rollstuhl gefährlich nahe an der Bühnenkante entlang. Er versucht alles, um aus der Opferrolle heraus zu kommen. Er schmeichelt Anni, er widerspricht, bockt und brüllt.

Regisseur Etzel-Ragusa hat die beiden Schauspieler perfekt aufeinander abgestimmt und viel Raum geschaffen, damit sie brillieren können. Das Bühnenbild ist einfach aber stimmig, die Traumszenen in denen unter anderem ein Sarg, getragen und umtanzt von Statisten aus der Region, eine Rolle spielt sowie Knalleffekte, runden den kurzweiligen Abend ab.

Traumszenen und Knalleffekte

Etzel Ragusa, der sich nach dem verdienten Schlussapplaus bei Regieassistentin Steffi Decker, Karin Stelzer und Anna-Lena Fischer von der Stadt Furth im Wald, Basti Bauer (Hauswart der Parkarena) und der Technik-Crew von ACG aus Waldmünchen bedankt, sagt zum Abschied: „Wenn Ihnen das Stück gefallen hat, empfehlen Sie uns weiter, wenn nicht, empfehlen Sie es jemandem den Sie gar nicht leiden können.“ Von dieser Stelle aus: Note 1, absolute Empfehlung.

Es gibt noch zwei Termine, für Misery in der Parkarena: Am Freitag, 19. Juni um 19.30 Uhr und am Samstag, 20. Juni, 19 Uhr. Einlass ist jeweils eine halbe Stunde vor Vorstellungsbeginn. Karten zum Preis von 39 Euro am Freitag und 43 Euro am Samstag (plus Vorverkaufsgebühr) gibt es bei ok-ticket oder Restkarten an der Abendkasse.