Nichts gestohlen, aber schwer getroffen: Einbruch in Dietldorfer Pfarrhaus wühlt auf

Von Nico Hilscher · 11. Juni 2026 um 19:00

Das Lächeln lässt er sich nicht nehmen. Als Pfarrvikar Sujan Kumar aus Dietldorf (Burglengenfeld im Landkreis Schwandorf) mit unserem Medienhaus am Tisch sitzt, hat er immer wieder ein warmes, sympathisches Strahlen im Gesicht. Dabei wurde erst kürzlich in sein Zuhause eingebrochen. Für viele Mitarbeiter der katholischen Kirche sind derartige Einbrüche mittlerweile Alltag.

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Auch Dekan Michael Hirmer hat solche Erfahrungen bereits gemacht. Der Vorfall bei Kumar ist bereits der dritte Einbruch in ein Pfarrhaus, den er miterlebt hat, berichtet er. Zwei Mal traf es ihn selbst in seiner früheren Pfarrei in Teublitz. Die beiden Fälle ereigneten sich innerhalb von nur zwei Monaten.

„Das hat mich damals sehr mitgenommen“, erzählt Hirmer. Mehrere Monate habe er gebraucht, um die Erlebnisse zu verarbeiten. Als Reaktion wurde damals sofort eine Alarmanlage installiert. Nun steht er Kumar zur Seite und weiß genau, wie er sich fühlt.

Der Pfarrvikar selbst gibt offen zu, dass ihn der Vorfall belastet. „Ich fühle mich gestresst“, sagt der Geistliche. Wie die Polizeiinspektion Burglengenfeld mitteilte, wurde am Mittwoch, 10. Juni, ein Einbruch in das Pfarrhaus in Dietldorf gemeldet. Ein bislang unbekannter Täter soll sich zwischen 8.30 und 13.45 Uhr über ein Badezimmerfenster Zugang zu Kumars Wohnung verschafft haben. Gestohlen wurde nichts. Es blieb beim Sachschaden am Fenster.

Dieser dürfte sich nach Schätzungen von Hirmer auf rund 6000 Euro belaufen. „Der größte Schaden ist aber der emotionale“, sagt der Dekan und verweist auf Kumar. Nach außen wirkt der Vikar ruhig. Dennoch berichtet er, dass ihn ein Albtraum in der Nacht aus dem Schlaf gerissen hätte.

Seelsorger kümmern sich um Stressreaktionen

„Das ist eine klassische Stressbelastungsreaktion“, erklärt Hirmer. Er bietet selbst Seelsorge für Menschen in Krisensitutationen an und wurde dafür eigens geschult. Doch auch Kumar kennt sich mit dem Thema gut aus. In seiner Heimat Indien studierte er neben Theologie auch Psychologie und schloss mit einem Doktor ab.

Unterstützung erhält der Vikar dennoch reichlich. Als sich die MZ vor dem Pfarrhaus mit ihm unterhält, verweist er auf seine Nachbarn. Sie hätten ihm sogar einen Schlafplatz angeboten, falls er sich in seiner Wohnung nicht wohlfühlen sollte.

In Deutschland ist die Sicherheit der Menschen ein Segen, denn sie ist viel WertSujan Kumar, Pfarrvikar

Auch direkt nach der Tat kam die Unterstützung schnell. Sein Mesner, den er sofort zur Hilfe rief, nachdem er den Einbruch entdeckt hat, war binnen Minuten vor Ort. Auch die Polizei und Dekan Hirmer seien schnell am Ort des Geschehens eingetroffen. Kumar zeigt sich dankbar. In Indien, erzählt er, dauere Hilfe oft deutlich länger. In Deutschland seien die Einsatzkräfte dagegen sofort zur Stelle.

Am Mittwoch war Kumar bis 14 Uhr wegen einer Firmung in Burglengenfeld unterwegs. In dieser Zeit muss der Täter durch das Fenster eingestiegen sein. Vermutlich flüchtete er später durch die Gartentür. Kumar betont, dass er Fenster und Türen stets verschließe.

Durch ein Badezimmerfenster verschaffte sich der Täter Zugang zur Wohnung des Pfarrvikar. - Foto: Alfred Leikam

Dass die Täter Pfarrhäuser und andere kirchliche Gebäude möglicherweise gezielt auskundschaften, wenn niemand zuhause ist, überrascht Hirmer nicht. Die Einbrecher würden professionell vorgehen. Sie würden sich genau informieren, wann Pfarrer verreist oder anderweitig verhindert seien.

„Denen geht es rein ums Bargeld“, erklärt Hirmer. Die Zeiten, in denen aus Kirchen sakrale Gegenstände gestohlen wurden, seien weitgehend vorbei. Solche Gegenstände ließen sich nur schwer weiterverkaufen. Stattdessen hätten es die Täter direkt auf Geld abgesehen. „Den Dieben reichen oft schon 100 Euro Beute“, sagt Hirmer. Wertgegenstände wie Fernseher oder Laptops würden häufig unbeachtet bleiben. Auch bei Kumar ließen die Täter solche Gegenstände zurück.

Bei den Einbrüchen in Teublitz, die Hirmer erlebt hat, habe es sich damals um organisierte Kriminelle gehandelt. Als die Täter schließlich gefasst wurden, konnten ihnen laut Hirmer rund 30 bis 40 Einbrüche in Pfarrhäuser nachgewiesen werden. In diesem Fall stammten die Täter laut Hirmer aus Rumänien.

Bekannt ist bislang, dass der Täter oder die Täter wahrscheinlich mit einem weißen Transporter unterwegs waren, berichtet Polizeihauptkommissar Christian Allgeier von der Polizeiinspektion Burglengenfeld. Zeugen hätten ein entsprechendes Fahrzeug in Dietldorf bemerkt. Auch in Adertshausen bei Hohenburg (Landkreis Amberg-Sulzbach) sei ein ähnlicher Transporter aufgefallen. Dort hatte es wenige Tage zuvor einen vergleichbaren Vorfall gegeben. Wieder wurde eingebrochen, wieder wurde nichts gestohlen.

Täter nehmen häufig mehrere Pfarrhäuser ins Visier - auch Vorfall in Adertshausen

Für Hirmer passt dieses Vorgehen ins Bild. Die Täter würden häufig mehrere Pfarrhäuser in einer Region ins Visier nehmen. Deshalb habe er die Diözese Regensburg unmittelbar informiert. Dort greife in solchen Fällen ein Notfallplan. Details dazu wolle man aus Sicherheitsgründen allerdings nicht öffentlich machen, so Hirmer. Klar sei jedoch, dass mögliche Betroffene besonders sensibilisiert würden.

Ob tatsächlich eine Einbruchsserie vorliegt, möchte die Polizei derzeit noch nicht bestätigen. Der Verdacht liege jedoch nahe, sagt Allgeier. Auch mögliche Tatverdächtige seien weiterhin Gegenstand der Ermittlungen.„Wir sind an dem Fall dran und guter Dinge“, sagt der Polizeihauptkommissar und macht damit den Betroffenen Hoffnung, dass der Fall bald aufgeklärt werden könnte.