Kommunalpolitiker im Landkreis Regensburg: Nur knapp ein Viertel sind Frauen

Von Thomas Kreissl · 9. Juni 2026 um 15:00

715 Kommunalpolitiker haben im Mai in den 41 Kommunen im Landkreis Regensburg ihre neue Amtsperiode angetreten. Die größte Teil davon sind Männer. Nur 174 Frauen sind Bürgermeister oder haben den Einzug in einen Stadtrat, einen Marktrat oder einen Gemeinderat geschafft. Das ist knapp ein Viertel all derer, die in den nächsten sechs Jahren wichtige Entscheidungen treffen werden.

Video ansehen

Bei der konstituierenden Sitzung in Kallmünz hat Grünen-Markträtin Maria Wolf das Thema aufgegriffen. Ihr geht es um die Sichtbarkeit von Frauen in der Politik, als Vorbildfunktion für junge Frauen. Die aktuelle Situation sei nicht mit dem Gleichheitsgrundsatz in Artikel 3 des Grundgesetzes vereinbar, sagt sie und bekommt Unterstützung von ihrer Fraktionskollegin und Kreisrätin Dr. Eva Schropp. Deren Meinung nach gibt es sehr viele kompetente Frauen, die gar nicht die Chance haben, in kommunalpolitische Ämter zu rücken. „Wir Frauen können es, aber wir müssen halt erstmal hinkommen“, ist sie überzeugt.

Doch wie sieht es nach den Kommunalwahlen vom März im Landkreis tatsächlich aus? Die MZ hat die Zahlen näher betrachtet – und ist auf die Gemeinde Sünching gestoßen. Hier wäre der Frauenanteil im Gemeinderat eigentlich der zweithöchste im Landkreis. Sechs Frauen wurden in das Gremium gewählt, das inklusive Bürgermeister 15 Mitglieder zählt. Das entspricht einem Anteil von 40 Prozent. Allerdings hat Daniela Grundner, die bei der Bürgermeisterwahl gegen Bernhard Grundner unterlag, ihr Amt im Gemeinderat nicht angetreten – für sie rückte ein Mann nach. Damit sind nur noch ein Drittel der Gemeinderäte Frauen.

In Sünching sind die Frauen eine Macht

Trotzdem sind sie in Sünching eine Macht. Sammelten Frauen doch die meisten Stimmen bei den Gemeinderatswahlen. Dr. Christina Fertig-Bronold führt das Ranking aller Kandidaten an. Direkt dahinter folgen der Bürgermeister und dann Sonja Hampel und Daniela Grundner, Sabine Lex belegt Platz sechs. Der Gemeinderat hat diesem Ergebnis Rechnung getragen.

Mit Sabine Lex und Sonja Hampel hat der Bürgermeister nun zwei Stellvertreterinnen. Beide setzten sich gegen männliche Gegenkandidaten aus den Reihen der CSU durch. Das mag allerdings auch daran liegen, dass Lex und Hampel den Freien Unabhängigen Wählern angehören, die im Sünchinger Gemeinderat mit acht Mandaten gegenüber den sechs Sitzen der CSU die Mehrheit haben.

Lappersdorf kommt auf die zweithöchste Quote

Keine weiblichen Stellvertreter gibt es in Lappersdorf, dass anstelle von Sünching nun auf den zweithöchsten Frauenanteil im Landkreis kommt. Neun der 25 Mitglieder des Gremiums sind Frauen, ein Anteil von 36 Prozent. Auf ein Drittel weibliche Räte bringen es neben Sünching auch Wenzenbach und Zeitlarn.

Auf die höchste Frauenquote im Landkreis kommt Alteglofsheim. Sieben weibliche Mitglieder im 17-köpfigen Gemeinderat bedeuten einen Anteil von 41,18 Prozent. Für einen stellvertretenden Bürgermeisterposten hat das aber nicht gereicht. Der Gemeinderat, der aus einer Einheitsliste hervorgegangen ist, war sich einig, ohne Gegenkandidaten zwei Männer auf diese Posten zu hieven. Im Gegensatz zu Sünching gehören in Alteglofsheim die Frauen nicht zu den erfolgreichen Stimmensammlerinnen. Unter den neun Kandidaten mit den meisten Stimmen findet sich nur Melanie Werkmann, die zudem auch als Bürgermeisterin kandidierte.

Mehr aus dem Landkreis: Unbekannter steigt über Balkonfenster in Wohnung in Neutraubling ein

Zweimal gegen männliche Kandidaten unterlegen

Als Kandidatin um das Bürgermeisteramt trat auch Regina Seebauer-Sperl in Mintraching an. Zwar unterlag sie gegen eine der insgesamt fünf Ersten Bürgermeisterinnen im Landkreis – Angelika Ritt-Frank von der SPD. Doch die Freie Wählerin erzielte das zweitbeste Ergebnis aller Mintrachinger Listenkandidaten. Trotzdem blieb sie bei den Wahlen zu den Stellvertreterposten ohne Chance. Beide Male unterlag sie einem männlichen Gegenkandidaten. Im Gegensatz zu Alteglofsheim zählt die Frauenquote in Mintraching allerdings zu den eher niedrigen im Landkreis. Denn neben Seebauer-Sperl gibt es nur eine weitere Listenkandidatin im 17-köpfigen Gremium: Stephanie Seidel (CSU) erzielte dabei das drittbeste Ergebnis aller Kandidaten. Immerhin: Die Erste Bürgermeisterin sorgt dafür, dass die Frauenquote in Mintraching ein wenig aufgehübscht wird.

In drei Kommunen im Landkreis liegt der Frauenanteil unter zehn Prozent. Mit nur zwei von 21 Mitgliedern im Gremium ist das zum einen die Stadtrandgemeinde Pentling. Noch weniger Frauen im Gemeinderat gibt es nur in Altenthann (eine von 13) und in Hagelstadt (eine von 15).

Nur drei Frauen auf dem ersten Stellvertreter-Posten

Die Hagelstädter Quote von knapp unter sieben Prozent findet sich beinahe auch beim Blick auf die 2. Bürgermeister im Landkreis. Denn nur in drei der 41 Kommunen hat es eine Frau in dieses Amt geschafft. Neben Sabine Lex in Sünching sind das Katharina Schmaus in Nittendorf und Alexandra Kaiser in Wiesent (beide CSU). Letztere vertritt mit Elisabeth Kerscher (CSU) eine der wenigen Frauen an der Spitze einer Kommune. Diese Aufgabe übernimmt auch Dr. Catrin Nießen von den Freien Wählern in Zeitlarn. Sie steht als 3. Bürgermeisterin ihrer Parteikollegin Andrea Dobsch zur Seite. Und in Hemau, wo Petra Lutz von der SPD als Bürgermeisterin amtiert, wurde deren Parteikollegin Marianne Mayer immerhin noch zur Stellvertreterin der beiden männlichen Bürgermeister-Stellvertreter gewählt.

Der Blick auf die Dritten Bürgermeister zeigt: Dieser Posten wird weiblichen Kandidaten offenbar deutlich eher zugetraut. In 38 Kommunen wurde dieses Amt vergeben, zwölf davon werden von Frauen besetzt – eine Quote von fast 32 Prozent. Das ist etwas höher als der Frauenanteil im Kreistag. Dort gab es zuletzt einen Quantensprung. Erstmals seit das Gremium 1996 auf 70 Mitglieder angewachsen ist, hat sich der Frauenanteil sichtbar erhöht. Die 21 Kreisrätinnen bedeuten eine Quote von 30 Prozent – also nicht einmal ein Drittel aller Kreispolitiker. Doch an ihrer Spitze steht eine Frau: Landrätin Tanja Schweiger führt seit zwölf Jahren den Landkreis.