Fundstück aus dem Schlossweiher: Kreuz in Train erinnert an ein trauriges Schicksal

Von Wolfgang Abeltshauser · 10. Juni 2026 um 05:00

Seit kurzem ist das Rätsel um das neu entdeckte, zugleich alte Steinkreuz in Train (Landkreis Kelheim) gelöst. Es ist eine Erinnerung an ein tragisches Unglück, das sich 1906 im Ort ereignet hatte. Informationen dazu hat mittlerweile Eberhard Keim, der sich ehrenamtlich um Grünflächen im Ort kümmert, zusammengetragen.

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Wie berichtet kam das Kreuz bei Arbeiten beim Schlossweiher zum Vorschein. Anscheinend war es irgendwann einmal dort versenkt worden. Man stellte es dann im Bereich des Weihers auf.

Keim, der sich eben auch sehr für die Geschichte seines Heimatorts interessiert, berichtet im Gespräch mit dieser Zeitung, auf welche Weise Licht ins Dunkel kam. „Als ich gemeinsam mit Mitarbeitern der Kommune noch einmal vor Ort war, kam Johann Forster zu uns.“ Seine Familie betreibt die unweit gelegene Gastwirtschaft gleichen Namens. Er wusste ganz genau, was es mit dem Kreuz auf sich hatte.

Von 1895 bis in die 1930er Jahre hinein betrieben die Ahnen von Forster das mittlerweile längst leerstehende Bräustüberl. Die 13-jährige Tochter der Familie, Anna, hantierte am 4. August im Jahr 1906 in der Küche mit Petroleum, ein Feuer entzündete sich. „Sie ist zwar noch aus dem Gebäude herausgekommen, aber am kommenden Tag an ihren schweren Brandverletzungen verstorben“, erzählt Keim weiter.

Anna Forster, der das Kreuz gewidmet ist, wuchs im ehemaligen Bräustüberl auf. - Foto: Wolfgang Abeltshauser

Bei dem Fundstück handelt es sich um ein Gedenkkreuz für sie, das Josef Forster schon als junger Mensch mit eigenen Augen gesehen hat. Damit wird ein Einzelschicksal wieder greifbar, das aus dem Bewusstsein vieler Bürgerinnen und Bürger verschwunden war.

Ursprünglich auf dem alten Friedhof mitten Train

Ursprünglich befand sich das kleine Steinkreuz laut Keim bis Ende der 1960er Jahre auf dem Familiengrab der Familie Forster, auf dem alten Friedhof vor der Trainer Kirche, zur Straße hin ausgerichtet. Keim geht davon aus, dass das Kreuz einst auf einem Sockel, auf dem der Name der Verstorbenen stand, aufsetzte. Wohl deshalb sei das Kreuz unbeschriftet.

Den Friedhof gibt es aber schon lange nicht mehr. Im Zuge des Ausbaus der Straße nach Mallmersdorf im Jahr 1972, bei dem die Fahrbahn verbreitert wurde, mussten die letzten verbliebenen Gräber und Grabsteine des bereits seit 1955 nicht mehr belegten Friedhofs weichen.

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Josef Forster bestätigte Keim, dass das Kreuz anschließend auf das Forster-Anwesen beim jetzigen Wirtshaus versetzt wurde. Zeitweise sei es in etwa dort gestanden, wo es jetzt wieder zu sehen ist. Im Laufe der Zeit verschwand es dann jedoch und gelangte vermutlich in den alten Schlossteich. „Wie es dazu kam, kann keiner sagen“, stellt Keim fest.

Bemerkenswert sei, dass dem Kreuz nun wieder ein konkreter Name und ein persönliches Schicksal zugeordnet werden könne. Zudem zeigt es – fast wie durch eine Fügung – in jene Richtung, in der sich das kurze und tragische Leben von Anna Forster abgespielt hat. Hier hat sie sicherlich als kleines Kind gespielt und viel Zeit verbracht. Deshalb hält es Keim auch für eine gute Idee, das Kreuz jetzt dort zu belassen und nicht etwa auf dem jetzigen Friedhof der Kommune Train aufzustellen.

Schwertlilien aus Metall schmücken jetzt das Kreuz

Keim hat bei einem befreundeten Kunstschmied einen Sockel aus Metall anfertigen lassen. Von dem ranken sich Schwertlilien nachempfundene Strahlen das Kreuz empor. „Die Idee dazu kam mir, weil an der Stelle, an der das Kreuz wieder auftauchte, diese Blumen wachsen.

Keim betont, dass das Schicksal von Anna Forster im Ort auch Jahrzehnte nach den damaligen Ereignissen durchaus bekannt war. Denn auf der Seite 115 des Heimatbuches von Franz Huber sei es dokumentiert. Aber ohne den Hinweis von Josef Forster hätte niemand mehr das unbeschriftete Kreuz damit in Zusammenhang gebracht.