Von Tagestour bis Alpenquerung: Die besten Wanderrouten im Berchtesgadener Land

Von Fenja Bender · 21. Juni 2026 um 11:00

Höhenluft, steile Wanderpfade und den Ausblick als Belohnung – das alles bietet das Berchtesgadener Land. In einer interaktiven Karte haben wir die beliebtesten Wanderrouten und Bergtouren zusammengestellt. Experten eines Bergführer-Vereins und der Bergwacht geben Tipps über die richtige Ausrüstung, die angemessene Vorbereitung – und typische Fehler.

Das Berchtesgadener Land bietet besonders anspruchsvollere Touren für Fortgeschrittene. Nina Schlesener, Vorsitzende des Vereins Berchtesgadener Bergführer, hat es ein wenig schwer sich für nur drei der beliebtesten Touren im Berchtesgadener Land zu entscheiden. Als erstes nennt sie dann aber „einen berühmten Klassiker“: Die Alpenüberquerung vom Königssee zu den drei Zinnen – eine Tour von sieben Tagen, die entsprechende Kondition und Durchhaltevermögen verlangt.

Hoch auf den Watzmann

Wer es anspruchsvoll, aber nicht ganz so intensiv angehen möchte, dem sagen vielleicht die Touren rund um den Watzmann, den höchsten Berg im Berchtesgadener Land, mehr zu. Er liegt auf 2713 Metern und ist über verschiedene Wege zu erreichen. Schlesener nennt die Tour zum Watzmannhaus nahe des Watzmann-Hochecks. Die Tour dauert hin und zurück etwa sieben bis acht Stunden, in denen man 1200 Höhenmeter und etwa 15 Kilometer vom Königssee aus bewältigt.

Der Weg zum Watzmannhaus ist anspruchsvoll, aber lohnenswert. - Foto: Nina Schlesener

Ein „leichter“ 2000 Meter hoher Berg

Als einen „Leichten 2000er“ führt Schlesener schließlich den Schneibstein an. Der Berg liegt auf 2276 Metern. Von der Bergstation der Jennerbahn, die Wanderer in circa 20 bis 25 Minuten auf 1800 Meter transportiert, kann man dann zum Schneibstein laufen. Steile Wegabschnitte gebe es dann noch kaum, allerdings ist immer noch auf den Untergrund zu achten. Hin und zurück braucht man circa acht Stunden, bewältigt dabei 16 Kilometer und einen Auf- beziehungsweise Abstieg von circa 800 Metern.

Einsätze durch Stürze oder „blockierte“ Wanderer

Doch auch bei einem leichten 2000er gilt, sich im besten Fall zu unterschätzen und nicht zu überschätzen. So sieht das Roland Ampenberger, Pressesprecher der Bergwacht Bayern, die unter anderem sowohl im Berchtesgadener Land wie auch im Bayerischen Wald im Einsatz ist. „Die allermeisten der 2000 Einsätze, die wir in 2025 bayernweit hatten, waren Stürze – beispielsweise durch Unaufmerksamkeit oder eine Herz-Kreislauf Erkrankung.“

Unverkennbar durch seine Spitzen: der Watzmann. - Foto: Nina Schlesener

Zehn bis zwölf Prozent der Einsätze würden durch Personen verursacht, die nicht mehr weiterkommen. „Meist sind sie erschöpft, nicht ausreichend ausgerüstet, werden von der einbrechenden Nacht oder verändertem Untergrund überrascht und verunsichert. Man spricht dann auch von „blockierten“ Wanderern“, erklärt der Pressesprecher.

Soziale Medien suggerieren ein falsches Bild

Ein Problem sieht Ampenberger bei den Sozialen Medien. „Sie suggerieren uns, dass alles problemlos in erreichbarer Nähe ist. Man erfährt das Wandern dann nicht im Kontext des eigenen Könnens.“ Dass Wandern als Trend weiterhin an Beliebtheit gewinnt, zeigen nicht nur die jährlichen Einsatzzahlen, die seit 2015 gestiegen sind, sondern merke man auch daran, dass die Bayerischen Alpen einem immer größeren Nutzungsdruck ausgesetzt seien. „Es gibt mehr Unterkünfte, mehr Wanderparkplätze und eben auch mehr Leute im Gebirge.“

Geführte Bergtouren geben die entsprechende Sicherheit

Wandern liegt „ungebrochen“ im Trend, ist sich auch Nina Schlesener sicher. Das merke man alleine an den Anfragen. „Es wollen immer mehr Leute mit einem Bergführer wandern“, so die Bergführerin, die das gestiegene Interesse aber auch damit begründet, dass viele Menschen keinen direkten Zugang mehr zum Wandern haben, mehr außerhalb der Heimat wandern wollen oder auch ein verstärktes Sicherheitsverständnis haben.

Und das sei auch wichtig, besonders in Gegenden wie dem Berchtesgadener Land, das sowohl Profis wie auch Gelegenheitswanderer anlockt. „Teilnehmer sind meist eher Ü40. An einer geführten Wanderung teilzunehmen ist aber in jedem Fall zu empfehlen“, erklärt Schlesener. Neben den gebührenpflichtigen gebe es auch kostenlose Angebote.

Gute Gesamtausstattung ab 500 Euro

Dass Berge gewisse Gefahren bergen, ist nichts Neues. Umso bedeutender ist jedoch, dass man die Warnungen ernst nimmt und sich wirklich nur auf den Weg begibt, wenn auch alle Vorbereitungen getroffen wurde und man sich sicher ist, dass Schwierigkeitslevel mit den eigenen Fähigkeiten übereinstimmt.

Wer Glück hat, der erhascht vielleicht einen Blick auf Steinböcke in den Berchtesgadener Alpen. - Foto: Nina Schlesener

„Eine gute Ausrüstung mit Wanderschuhen, Funktionshose, Regenjacke, Sonnenschutz, Rucksack und Trekking-Stöcken kostet um die 500 Euro“, so Schlesener. Nach oben gebe es keine Grenze, auch billiger kann man es haben. „Statt einer Regenjacke kann man auch einen Poncho überziehen, das kommt ganz darauf an, mit was man selbst zurechtkommt und was man sich leisten will.“