Bonjour Bartgeier: Küken aus Belgien und Frankreich für den Nationalpark Berchtesgaden

Von Passauer Neue Presse · 27. Mai 2026 um 13:28

Sie sind geschlüpft! Und im Sommer werden der bayerische Naturschutzverband LBV (Landesbund für Vogel- und Naturschutz) und der Nationalpark Berchtesgaden gemeinsam zum sechsten Mal in Folge zwei junge Bartgeier auswildern. Die diesjährigen Junggeier stammen erstmals aus Zoos in Belgien und Frankreich.

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Das berichtet der Nationalpark am Mittwoch in einer Presseaussendung und spricht von der Fortsetzung eines „Erfolgswegs“: Seit dem Start des Wiederansiedlungsprojektes im Jahr 2021 wurden bereits zehn Geier in die deutschen Alpen entlassen.

Mit dann insgesamt zwölf ausgewilderten Vögeln wird die alpenweite Population der gefährdeten Greifvögel weiter gestärkt. Dass 140 Jahre nach der Ausrottung der Art in Bayern wieder regelmäßig Bartgeier über den Gipfeln des Nationalparks gesichtet werden, gilt als großer Erfolg für den alpinen Artenschutz.

Aufwand hinter der Auswilderung ist enorm

Der jährliche Aufwand hinter der Auswilderung der Bartgeier ist enorm. Er zeigt, wie eng Naturschützerinnen und Naturschützer des europäischen Erhaltungszuchtprogramm (EEP) über Ländergrenzen hinweg zusammenarbeiten, um den imposanten Greifvogel dauerhaft zurückzubringen. „Als Aasfresser hat der Bartgeier eine zentrale Funktion im alpinen Ökosystem. Zum Beispiel trägt er dazu bei, die Ausbreitung von Wildtierseuchen zu verhindern. Viel zu lange hat er in den bayerischen Bergen gefehlt“, sagt LBV-Bartgeierexperte Toni Wegscheider. „Dass die Vögel aus Belgien und Frankreich zu uns kommen, verdeutlicht erneut den europäischen Gedanken hinter diesem Projekt. Jeder einzelne Vogel ist ein wichtiger Baustein für eine stabile Population in den Ostalpen.“

Die Auswilderung der noch nicht flugfähigen Jungvögel findet erneut in der bewährten Felsnische im Klausbachtal statt, die den Vögeln idealen Schutz bietet, bis sie nach einigen Wochen selbständig flügge werden. Während dieser Zeit werden sie vom Team rund um die Uhr überwacht.

Stress für Jungvögel verringern: Keine öffentliche Präsentation

Nationalpark-Projektleiter Ulrich Brendel betont: „In den letzten Jahren kamen Jungvögel aus Spanien, Finnland und Österreich zu uns. Dies zeigt, wie grenzüberschreitender, moderner Naturschutz funktioniert. Der Nationalpark Berchtesgaden bietet als großes Schutzgebiet mit reichem Nahrungsangebot beste Voraussetzungen für den Start in ein Leben in Freiheit. Wir sind zuversichtlich, dass auch die neuen Jungvögel bald souverän durch die Berchtesgadener Alpen segeln werden.“

Der Nationalpark Berchtesgaden bietet als großes Schutzgebiet mit reichem Nahrungsangebot beste Voraussetzungen für den Start in ein Leben in Freiheit.Ulrich Brendel, Nationalpark-Projektleiter

Um für die Junggeier eine möglichst stressfreie Ankunft in Berchtesgaden und einen verzögerungsfreien Transport in die Nische zu gewährleisten, wird in diesem Jahr am Auswilderungstag erstmals auf eine öffentliche Präsentation der Vögel am Klausbachhaus verzichtet. Bartgeierfans können aber wie immer ab der ersten Minute in der Nische die Entwicklung der jungen Bartgeier bis hin zum Ausflug per Webcam verfolgen.

Das Projekt

Der Bartgeier (Gypaetus barbatus) zählt mit einer Flügelspannweite von bis zu 2,90 Metern zu den größten, flugfähigen Vögeln der Welt. Im Rahmen eines großangelegten Zuchtprojekts werden seit 1986 im Alpenraum in enger Zusammenarbeit mit dem in den 1970er Jahren gegründeten EEP (Europäisches Erhaltungszuchtprogramm) der Zoos junge Bartgeier ausgewildert. Das europäische Bartgeier-Zuchtnetzwerk wird von der Vulture Conservation Foundation (VCF) mit Sitz in Zürich geleitet. Während sich die Vögel in den West- und Zentralalpen seit 1997 auch durch Freilandbruten wieder selbstständig vermehren, kommt die natürliche Reproduktion in den Ostalpen nur schleppend voran.

Ein vom bayerischen Naturschutzverband LBV (Landesbund für Vogel- und Naturschutz) und dem Nationalpark Berchtesgaden gemeinsam initiiertes und betreutes Projekt zur Auswilderung von jungen Bartgeiern im bayerischen Teil der deutschen Alpen greift dies auf und unterstützt in Kooperation mit dem Tiergarten Nürnberg die alpenweite Wiederansiedlung. Dafür werden in den kommenden Jahren im Klausbachtal junge Bartgeier ausgewildert – im Jahr 2021 erstmals in Deutschland. Der Nationalpark Berchtesgaden eignet sich aufgrund einer Vielzahl von Faktoren als idealer Auswilderungsort in den Ostalpen.