Vom Hackerangriff bis zur Drohnenattacke: Regensburg rüstet sich für Krisen

Vom Hackerangriff bis zur Drohnenattacke: Die Sicherheitslage wandelt sich. Die Regensburger Universitätsklinik übt mit der Bundeswehr und rüstet sich genau wie das Krankenhaus der Barmherzigen Brüder für den möglichen Ernstfall mit vielen Verletzten.
Durch den Ukraine-Krieg, russische Drohnenflüge in westlichen Ländern, Sabotage und Cyberkriminalität hat sich in Deutschland die Sicherheitslage verschärft. Das Militär rüstet intensiv auf. Jetzt will die Bundesregierung die Bevölkerung besser schützen. Dafür fließen zehn Milliarden Euro.
Auch Regensburg wappnet sich. In der Corona-Zeit haben die Stadt, die drei Kliniken, niedergelassene Ärzte und das Gesundheitsamt bereits in enger Zusammenarbeit eine schwere Krise gemeistert. Vor extremem Hochwasser muss sich Regensburg immer wieder schützen. Inzwischen laufen zahlreiche Vorbereitungen, um auch nach Attacken mit vielen Verletzten schnell reagieren zu können.
Das Universitätsklinikum (UKR) hat kürzlich eine umfangreiche Übung zusammen mit der Bundeswehr durchgeführt, um die Abläufe zu optimieren. „Unsere Beschäftigten absolvieren mehrmals jährlich spezielle Trainings für den Massenanfall von Verletzten und Verwundeten“, sagt Sprecher Matthias Dettenhofer. Die Stromversorgung wird durch verschiedene Generatorsysteme mehrfach abgesichert. Das UKR bereitet sich kontinuierlich „auf mögliche externe Bedrohungslagen vor“. Die Klinik sieht weiteren Handlungsbedarf beim Schutz kritischer Infrastruktur. Als Krankenhaus der höchsten Versorgungsstufe sei das UKR noch zu sehr auf die eigenen Ressourcen angewiesen – finanziell und personell.
Universitätsklinikum fordert eine bessere Unterstützung
„Daher würden wir Initiativen der Bundesregierung zur Stärkung des Zivilschutzes ausdrücklich begrüßen“, sagt Dettenhofer. Eine stärkere Unterstützung von Kliniken verbessere nicht nur deren Krisen-Vorbereitungen, sondern komme letztendlich der Sicherheit aller Bürger zugute.
„Auf sogenannte MANV-Lagen, den Massenanfall von Verletzten, sind wir sehr gut vorbereitet“, versichert Dr. Tanja Brünnler, leitende Oberärztin des Notfallzentrums bei den Barmherzigen Brüdern. Als Krankenhaus der Maximalversorgung und Teil der Kritischen Infrastruktur trage die Klinik eine besondere Verantwortung für die Aufrechterhaltung der medizinischen Versorgung – auch in außergewöhnlichen Einsatzlagen. Das Krankenhaus der Barmherzigen Brüder verfügt über bewährte Einsatz- und Alarmierungspläne, die unmittelbar nach Information durch die Rettungsleitstelle aktiviert werden. „Je nach Art des Ereignisses und Anzahl der Betroffenen kommen abgestufte Alarmierungs- und Versorgungskonzepte zur Anwendung“, erklärt Brümmler. Diese ermöglichen eine strukturierte und schnelle Versorgung einer größeren Zahl von Verletzten oder Betroffenen.
Der Schutzraumbau hängt stark von politischen Entscheidungen und finanziellen Mitteln ab.Juliane von Roenne-Styra, Stadtsprecherin
Ein großes Problem hat Regensburg: Es gibt kaum mehr Schutzräume, nur unter der Hauptfeuerwache der Berufsfeuerwehr in der Greflingerstraße (für die Feuerwehrleute), im Von-Müller-Gymnasium (Kapazität 300 Personen) sowie in der Zivilschutz-Mehrzweckanlage Baumhackergasse (Tiefgarage mit Platz für 2400 Menschen). Vor atomarer Strahlung schützen diese alten Schutzbauten nicht.

Offiziell gibt es in Deutschland keine öffentlichen Bunker mehr. 2007 haben sich Bund und Länder darauf geeinigt, die Schutzräume aus der sogenannten Zivilschutzbindung zu nehmen. Daher sind sie weitgehend geräumt. Wegen der veränderten Weltlage ist der Zivilschutz jedoch wieder in den Fokus gerückt. „Der Schutzraumbau hängt stark von politischen Entscheidungen und finanziellen Mitteln ab“, sagt Stadtsprecherin Juliane von Roenne-Styra. Ohne offizielle ministerielle Entscheidungen können keine konkreten Beschaffungsmaßnahmen für den Schutzraumbau eingeleitet werden. „Ohne verbindliche Beschlüsse fehlen die Grundlagen und finanziellen Mittel.“ Dies betreffe besonders die Schaffung und Kennzeichnung öffentlicher Zufluchtsorte in Bestandsgebäuden, die Prüfung weiterer Schutzmöglichkeiten und die Information über baulichen Selbstschutz. Die Stadt habe Schutzraum-Projekte im Blick. Da noch nicht bekannt ist, was das angekündigte Sonderprogramm von Bundesinnenminister Alexander Dobrindt genau vorsieht und ob Gelder an die Kommunen fließen werden, äußert sie sich nicht dazu.
Reich an Helfern ist Regensburg. Im Ernstfall packen besonders Technisches Hilfswerk (THW) und Bayerisches Rotes Kreuz (BRK) mit an. Das THW ist zuständig für Bergung und Notversorgung. Ortsbeauftragter Dominik Kastaun lobt den Bund: „Wir sind in den letzten Jahren sehr gut ausgestattet worden, mit Notstromaggregaten und Baufahrzeugen.“
Rewag überwacht Anlagen mit Künstlicher Intelligenz
Alle deutschen Standorte erhalten Logistikfahrzeuge und Mannschaftstransporter, Schutzanzüge für chemische, biologische, radiologische und nukleare Gefahren werden angeschafft. Das BRK übernimmt den Sanitätsdienst und die Betreuung der Menschen. „Unsere Rotkreuzler trainieren verschiedenste Szenarien in Großübungen“, sagt Kreisgeschäftsführer Björn Heinrich.
Die Versorgung mit Energie und Trinkwasser hat für die Rewag höchste Priorität. Dank technischer und sicherheitsrelevanter Maßnahmen hofft sie, diese auch unter schwierigen Bedingungungen aufrechtzuerhalten. KI-gestützte Überwachungssysteme werden eingesetzt. Sprecher Nikolaus Sackersdorf räumt ein, dennoch sei eine hundertprozentige Sicherheit vor Bedrohungen wie hybriden Angriffen nicht möglich. Insgesamt kann sich Regensburg auf eine exzellente Infrastruktur im Gesundheitssektor, bei den Hilfsorganisationen, der Polizei und anderen Behörden stützen. „Die Leistungsfähigkeit dieser Strukturen hat sich bereits bei besonderen Einsatzlagen bewährt“, sagt Ärztin Tanja Brünnler. Sie nennt die Evakuierung des Krankenhauses der Barmherzigen Brüder nach einem Bombenfund und Corona.
Flucht in die Tiefgarage
Warn-App und Sirenen: Die Bürger würden Warnungen und Infos erhalten über Warn-App (z.B. NINA), Sirenen, regensburg.de, Social Media, Presse, Radiodurchsagen, heißt es bei der Stadt. Da es zu den von der Bundesregierung geplanten Schutzbauten und Zufluchtsorten noch keine Vorgaben gibt, würde die Stadt die Bürger bitten, innenliegende Räumlichkeiten oder Tiefgaragen aufzusuchen.
Gefahrenvorsorge: Der Zivilschutz und der Katastrophenschutz sind die Säulen der Gefahrenvorsorge für Großschäden, Katastrophen, Krisen. Angesiedelt sind sie beim Amt für Brand- und Katastrophenschutz.
Krisenstab: Diesen leitet im Ernstfall OB Thomas Burger. Mit dabei sind je nach Lage Polizei, Rettungskräfte, Kliniken, Rewag und Bundeswehr.