Schwierige Suche nach Mietwohnung: Regensburg ist die zweitteuerste Großstadt in Bayern

Bei den Mietpreisen ist Regensburg die teuerste bayerische Großstadt nach München. Eine Trendwende ist nicht absehbar. Hier berichtet ein 35-Jähriger mit zwei kleinen Kindern von der Wohnungssuche.
Seit März haben Raphael Ziegler und seine Familie intensiv nach einer Mietwohnung oder einem Haus mit mindestens vier Zimmern gesucht. Umgesehen haben sie sich im Regensburger Süden und im südlichen Speckgürtel. „Jetzt haben wir eine Wohnung in Bad Abbach“, sagt der 35-Jährige. „Wir hatten ziemliches Glück.“
Nächste Woche wird das Akademikerpaar mit zwei kleinen Kindern in das wenige Jahre alte Mehrfamilienhaus mit 27 Parteien ziehen. Raphael Ziegler ist froh, innerhalb von drei Monaten eine Zusage bekommen zu haben, sagt jedoch: „In Summe habe ich die Wohnungssuche schon schwierig gefunden.“ Acht Immobilien hat das Paar besichtigt, zwei hätte es am Ende haben können.
Für 1000 Euro bekommen Mieter nur 86 Quadratmeter
Oft sind ihnen die Mieten viel zu hoch erschienen für den Zustand der Wohnungen. Bei den 120 Quadratmetern im Erdgeschoss mit Gartenanteil, die sie im Juni beziehen, passt der Preis: rund 1296 Euro kalt.
In Regenburg und dem nahen, gut angebundenen Speckgürtel steigen die Mieten laufend. Das Portal Immowelt hat Ende Mai untersucht, wie viele Quadratmeter sich Mieter in 80 deutschen Großstädten für eine Kaltmiete von 1000 Euro leisten können. Das Ergebnis fiel für Regensburg ernüchternd aus. Hier erhielt man vor vier Jahren für 1000 Euro noch 93 Quadratmeter, heute sind es lediglich 86 Quadratmeter – ein Rückgang um 7,5 Prozent. Zwei Hauptgründe gibt Immowelt dafür an: stagnierender Neubau wegen hoher Baukosten und Platzen des Eigenheimtraums für viele Menschen infolge der Zinswende ab 2022. Viele seien lieber in Miete geblieben. Berechnungsgrundlage für die Untersuchung waren Dreizimmerwohnungen aus den 90er Jahren mit 75 Quadratmetern im ersten Stock.
Die Mieten sind insgesamt zu hoch. Oft vor allem für den Zustand der WohnungenRaphael Ziegler, Bauingenieur
Auch der Münchner Immobilienverband (IVD) Deutschland Süd verfolgt in seinem Marktbericht zu Mietwohnungen in den bayerischen Großstädten vom Mai die Entwicklung. Demnach kostet der Quadratmeter in Regensburger Altbauwohnungen mit gutem Bau- und Wohnwert, also modernem Bad, energieeffizienter Heizung, hochwertiger Ausstattung und in attraktiver Lage, heute etwa 13,80 Euro (Steigerung seit dem Herbst um 1,5 Prozent). Bei Bestandswohnungen sind es 12,80 Euro (plus 1,6 Prozent) und bei Neubauten 16,10 Euro (2,5 Prozent mehr). Für Erstbezugswohnungen mit sehr gutem Wohnwert in Regensburg verlangen Vermieter laut IVD 18,20 Euro (Herbst 2025: 17,70 Euro). Regensburg ist damit die teuerste bayerische Großstadt nach München.
Professor Stephan Kippes vom Forschungsinstitut des IVD stellt eine durchgehend hohe Nachfrage nach Mietwohnungen in Regensburg fest. Verantwortlich dafür sind auch steigende Einwohnerzahlen und der Trend zu mehr Einpersonenhaushalten. Die Domstadt gilt mit einem Anteil von mehr als 54 Prozent als deutsche Single-Hauptstadt. Die Neubautätigkeit sei derzeit zu gering, um für eine spürbare Entlastung des Mietmarkts zu sorgen, sagt auch Wissenschaftler Kippes. Zudem gelangten neue Wohnungen häufig nicht in den Mietmarkt, da sie entweder von Eigennutzern erworben würden oder für einen Großteil der Nachfragenden nicht erschwinglich seien.
Die Nachfrage nach Mietwohnungen bleibt hoch. Verantwortlich dafür sind auch steigende Einwohnerzahlen und der Trend zu mehr Einpersonenhaushalten.Prof. Stephan Kippes, Immobilienverband Deutschland Süd
Und das stellt der IVD ebenfalls fest: Wer in einer großen Bestandswohnung lebt, zieht kaum um, wenn sich der Bedarf ändert, also etwa die erwachsenen Kinder ausziehen. „Für Familien bedeutet das konkret, dass größere Wohnungen nur selten frei werden und die ohnehin knappen Angebote im passenden Segment zusätzlich begrenzt sind.“ Eine Preisentspannung in den bayerischen Großstädten, besonders in Regensburg, ist für Kippes nicht absehbar.
Bauingenieur Raphael Ziegler hat bei der Suche öfter den Kopf geschüttelt wegen der Preisvorstellungen. „Aber der Unterschied zwischen Mieten und Kaufen ist doch immens“, sagte er bei einem ersten Gespräch mit der MZ im März.
Vielleicht erfüllt sich die Familie den Traum später
Das Paar aus Augsburg, Ingenieur und Juristin im öffentlichen Dienst, hatte zunächst überlegt, ein Haus oder eine Wohnung in Regensburg zu kaufen. Doch das können sie sich zurzeit nicht leisten, weil das zweite Kind erst geboren ist und die Mama beruflich zurücksteckt. Ziegler fragte sich damals, wer das sonst schaffen könnte außer zwei Akademikern mit sicheren Jobs. Nach Regensburg zieht das Paar, weil es Familie und Freunde hier hat.
Raphael Ziegler fängt im August bei einem großen Ingenieurbüro bei Regensburg an. Wahrscheinlich wird sich die Familie den Traum von einer eigenen Immobilie später erfüllen.