Gesundheit, Freizeit, Schulen: Darum ist Regensburg top bei der Daseinsvorsorge

Von Marion Koller · 29. Mai 2026 um 05:00

Bundesweiter Gemeindecheck: Regensburg bietet kurze Wege zu Klinik, Schule, Autobahn – Die Mobilität dagegen bewertet die Studie des Kölner Instituts der deutschen Wirtschaft nicht so gut. Oberbürgermeister Dr. Thomas Burger weiß, dass die Stadt beim Bus- und Radverkehr handeln muss.

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Tiefblau leuchtet die Stadt Regensburg auf der Deutschlandkarte des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW). Ein gutes Zeichen: Die Farbe steht für eine Top-Versorgung im Alltag, ob es um Gesundheit, Freizeitgestaltung, Bildung oder das Internet geht. Regensburg erreicht beim neuen Gemeindecheck des IW den Rang 269 unter den fast 11.000 Kommunen bundesweit. Nur beim Thema Mobilität rutscht die Stadt deutlich ab. Was steckt dahinter?

Data Scientist Jan Wendt hat beim Gemeindecheck mitgearbeitet. „Das ist bundesweit ein absoluter Topwert“, kommentiert er die Platzierung. Regensburg zähle damit zu den 2,5 Prozent der Kommunen mit der besten Daseinsvorsorge. Zur Mobilität sagt Wendt, die Bus-Verbindungen pro Bewohner seien „ganz okay“ und die Haltestellen gut erreichbar.

Diese Punkte haben sich auf die Bewertung ausgewirkt

Auf eine der Autobahnen gelangten die Regensburger in durchschnittlich viereinhalb Minuten. Nicht so schnell sei das bei den Brücken möglich – also keine Spitzennote. Ein Negativfaktor ist in den Augen der Forscher die Entfernung zu den Flughäfen. Nur 40 Prozent der Regensburger haben die Chance, München oder Nürnberg in durchschnittlich 40 Minuten anzusteuern.

Dass die Stadt beim Gradmesser Digitalisierung einen guten, aber keinen Topwert erreicht, erklärt Wendt mit dem hervorragenden Breitband und Mobilfunk auch in vielen Vergleichsstädten. Regensburg will digitale Vorzeigestadt werden und bis 2032 alle rund 100.000 Haushalte ans Glasfasernetz anbinden. Bei der Bildung bietet die Domstadt alles, von der Universität bis zu wohnortnahen Grundschulen.

Doch dass die Kitaplätze knapp sind und Familien oft weite Wege in andere Viertel zurücklegen müssen, wirkt sich negativ auf die Platzierung aus.

Regensburg muss mit einem guten verkehrlichen Anschluss und einem starken ÖPNV erreichbar sein. Hier liegen Aufgaben vor uns.Thomas Burger, Oberbürgermeister

Silke Ammann aus Burgweinting hat vier Kinder im Alter von 13 bis 19 Jahren und sieht die Verkehrssituation sehr kritisch. Alle besuchen das Goethe-Gymnasium im Westen. „Der Bus ist immer voll“, sagt sie. „Zwei Kinder fahren deswegen konsequent mit dem Fahrrad.“ Ammann weiß, dass Regensburg die Radwege ausbaut. „Aber die könnten noch besser sein.“ Viele Eltern fänden es zu gefährlich, ihre Kinder mit dem Fahrrad durch die Stadt zu schicken.

Kritisch sieht sie auch den Busfahrplan. „Wenn die Nachmittagsunterricht haben, sind sie eine Stunde unterwegs, weil sie an der Albertstraße umsteigen müssen.“ Ammann bedauert, dass die Tram gescheitert ist.

Beim Thema Freizeitgestaltung lobt sie das Sportangebot des SV Burgweinting. Das Ostbad liege zwar um die Ecke, aber kein Freibad. „Mit dem Bus kommen die Kinder nur kompliziert in einer Dreiviertelstunde zum Westbad.“ Also bleibt die nicht ganz ungefährliche Radtour zum Guggenberger Weiher – oder die 55-Jährige kutschiert die Vier mit dem Auto. „Die Frage der Mobilität ist zentral“, findet die Kieferorthopädin.

Mit der Gesamtnote „Sehr gut“ für die Daseinsvorsorge in Regensburg ist Silke Ammann aber einverstanden. „Wir leben in einer Stadt mit vielen Möglichkeiten, sind gut versorgt und damit privilegiert.“ Bei den Schulen gebe es eine große Auswahl. Der Autoverkehr sei gut angebunden, Mobilfunk und Breitband funktionierten. Die Lebensqualität schätzt sie als hoch ein. Doch neben der Rad-Mobilität betrachtet sie auch die Lage auf dem Wohnungsmarkt als problematisch. Ihr Neubaugebiet in Burgweinting hat damals die Kommune gefördert. „Da hatten wir Glück, aber haben andere die Chance zurzeit noch?“

Wenn die Kinder Nachmittagsunterricht haben, sind sie eine Stunde unterwegs, weil sie an der Albertstraße umsteigen müssen.Silke Ammann, Mutter und Kieferorthopädin

Data Scientist Jan Wendt vom IW kennt weitere Einzelheiten des Gemeindechecks. Beim Gradmesser Gesundheit führt er den exzellenten Rang 213 darauf zurück, dass die Krankenhäuser für den Großteil der Bürger „supernah“ liegen. „Die Rettungsdienste können schnell bei Notfällen sein.“ Gut versorgt sei die Stadt mit Pflegeheimen. Vor Ort behandelten sehr viele Hausärzte, die Apotheken reichten aus. Das Freizeitangebot mit Schwimmbädern, Theater und Museen beurteilt der Wissenschaftler als angemessen und gut angebunden. Beim Indikator Bildung mit Platz 745 lobt Wendt das breite Angebot an Grundschulen und Gymnasien, die für viele Familien gut erreichbar seien. Bei den Kitas holt die Stadt bekanntlich mit einer Reihe von Neubauten auf.

Oberbürgermeister will den Radverkehr stärken

OB Dr. Thomas Burger freut sich über das Spitzenergebnis mit Rang 269 unter fast 11.000 Kommunen. „Die Studie zeigt: Regensburg wird seiner überregionalen Rolle als Oberzentrum mit einem hervorragenden, vielseitigen Bildungs- und Freizeitangebot gerecht. Auch bei der medizinischen Versorgung sind wir bestens aufgestellt.“

Burger räumt aber auch ein, ein Oberzentrum müsse mit einem guten verkehrlichen Anschluss und einem starken öffentlichen Nahverkehr (ÖPNV) erreichbar sein. „Hier liegen noch Aufgaben vor uns. Wir müssen den ÖPNV noch schneller und attraktiver machen und ihn mit einem höherwertigen System auf den Stammstrecken weiter verbessern.“ Für ihn gehöre die Stärkung des Radverkehrs ebenfalls zu einer nachhaltigen, zukunftssicheren Mobilität.

Ergebnisse des IW-Gemeindechecks

Themen: Für den neuen Gemeindecheck hat das Kölner Institut der deutschen Wirtschaft (IW) alle 10.817 Kommunen in Deutschland untersucht – anhand von 17 Messgrößen in fünf Bereichen: Digitales (Mobilfunkabdeckung, Breitbandverfügbarkeit); Gesundheit (Hausärzte, Kliniken, Apotheken, Pflegeeinrichtungen); Mobilität (Brücken, öffentlicher Nahverkehr, Autobahnanbindung, Flughäfen); Freizeit (Schwimmbäder, Theater, Museen); Bildung (Grundschulen, weiterführende Schulen, Gymnasien, Kitas).

Platzierung: Regensburg schneidet insgesamt mit Rang 269 sehr gut ab. Die Bewertungen für die Bereiche unterscheiden sich stark: Bei Mobilität landet die Stadt nur auf Rang 3152, bei Digitalem auf 1281, bei Bildung auf 745, bei Freizeit auf 483, bei Gesundheit auf 213.