Tiefenbach gibt Schwarzen Peter ab und Treffelstein freut sich über gute Prognosen

Von Martin Hladik · 7. Juni 2026 um 05:00

„Totgesagte leben länger“, so hatte 2019 der damalige Tiefenbacher Bürgermeister Ludwig Prögler auf die schlechten Zahlen für seine Gemeinde reagiert. Damals hatten Statistiker seiner Gemeinde besonders schlechte Aussichten bei der Bevölkerungsentwicklung mit einem Schwund über zehn Prozent bis 2031 vorausgesagt. Im neuesten Demografiespiegel für Bayern vom Bayerischen Landesamt für Statistik sieht das anderes aus. Bis 2044 wird nur noch ein Verlust von -4,3 Prozent erwartet.

Den Schwarzen Peter mit dem größten zu erwartenden Bevölkerungsschwund hat Tiefenbach auf jeden Fall los. Den hat jetzt Arrach im Lamer Winkel übernommen. Hier erwarten die Statistiker einen Bevölkerungsrückgang um 13,8 Prozent bis 2038.

„Es ist gut, nicht mehr Schlusslicht zu sein“

Die Entwicklung für Tiefenbach freut den neuen Bürgermeister Martin Holler: „Es ist gut, nicht mehr Schlusslicht im Landkreis zu sein.“ Mit den neuen Baugebieten habe es Zuzüge gegeben. Mehr Einwohner erhoffe man sich auch durch das Betreute-Wohnen-Projekt. Allerdings werde das kaum den 2038 zu erwartenden Altersschnitt in der Gemeinde von 50,5 Jahren (Landkreis 47,8) verbessern. Dennoch werde das Pflegezentrum auch junge Menschen in die Gemeinde bringen und die Wirtschaft stärken. Nach einem kontinuierlichen Rückgang in den Altersgruppen von 3 bis 16, erwarten die Statistiker bei den Kleinkindern von 0 bis 3 einen Zuwachs. Für Holler ein Grund, die Investitionen in die Schule hervorzuheben.

Mit einem zu erwartenden Bevölkerungsverlust von -1,6 Prozent hat sich in der statischen Einschätzung von Waldmünchen kaum etwas geändert. Auffällig ist nur das hohe Durchschnittsalter der Waldmünchner, das von aktuell 48,5 auf 51 Jahre im Jahr 2044 steigen wird. Für Bürgermeister Wolfgang Kürzinger zeigt sich hier ein Problem solcher Statistiken. Mit zwei Pflegeheimen, in denen auch Menschen aus den umliegenden Gemeinden untergebracht seien, steige der statistische Altersschnitt. Die müssten herausgerechnet werden, wolle man einen echten Vergleich ziehen.

Die leicht negative Tendenz der Bevölkerungsentwicklung bedeute, dass man sich weiterhin anstrengen müsse, so Kürzinger. Damit meine er einmal, die Bildungseinrichtungen auf optimalem Stand zu halten, aber auch Baugebiete, und die Möglichkeit in den Dörfern zu bauen, anzubieten. Man müsse die Bevölkerungsentwicklung aber auch überörtlich betrachten. Ein Wettbewerb der Gemeinden um möglichst günstige Baugebiete sei Kirchturmdenken. Er stelle allgemein fest, dass die Bereitschaft junger Menschen, auf dem Land zu bleiben, größer geworden sei, als noch vor 20 Jahren. Die Region habe „vieles aufgeholt“ und Homeoffice biete neue Möglichkeiten.

Ansonsten könne er der Aussage Pröglers vieles abgewinnen. „Totgesagte“ lebten deswegen länger, weil sie auf die Voraussagen reagierten und nach Lösungen suchten und nicht einfach als gegeben hinnähmen , was die Statistik prognostiziere.

Einen vergleichsweise niedrigen Altersschnitt von 45,1 Jahren (Landkreis 47,8 Jahre) im Jahr 2038 erwartet Schönthal. Die Statistiker erwarten dennoch einen Bevölkerungsschwund um -3,4 Prozent, sehen aber bei Kindern und Jugendlichen je nach Altersgruppen Zuwächse, aber auch Rückgänge. Auch Schönthal hat sich in den Voraussagen der Statistiker stark verbessert. Statt einem Rückgang um -6 Prozent wird nur noch ein Rückgang um -3,4 Prozent erwartet. Die positive Entwicklung führt Bürgermeister Stephan Thomas auf die Schaffung von Baugebieten in Schönthal und Hiltersried, aber auch auf die Reaktivierung alter Gebäude in den Orten zurück. Er stellt einen Trend fest: „Familien schätzen es wieder, auf dem Land zu leben!“ Da nütze Schönthal auch seine gute Lage an der B 22 und die damit gute Mobilität und Infrastruktur. Zudem sei seine Gemeinde bei der Grundschule und den Kindergärten „gut aufgestellt“. Schönthal stünde deswegen relativ gut da, weil es „für Familien viele Vorteile biete“, Da müsse man nur in die Vereine schauen, die fast alle eine Kindergruppe hätten. „Für uns ist es weiterhin ein Arbeitsauftrage, das Minus beim Bevölkerungswachstum klein zu halten“, sagte Thomas.

Nur das kleine Treffelstein darf auf mehr Bürger hoffen

Das beste Ergebnis unter den vier Gemeinden kann das kleine Treffelstein vorweisen. Als einzige im Landkreisnorden hat Treffelstein ein leichtes Plus von +1,2 Prozent bei der Bevölkerung bis 2038 vorzuweisen. Die Vorausberechnung bis 2031 hatte in Treffelstein noch einen Schwund von -8,7 Prozent erwartet. Nach dem Grund befragt führt Bürgermeister Armin Wallner ähnliche Antworten an, wie seine Amtskollegen: Man habe Baugebiete und günstige Baulandpreise sowie für Kindergärten und Schulen alles notwendige getan.

Das erklärt aber nur bedingt, warum die Statistiker ausschließlich für Treffelstein ein Plus von 18,7 Prozent bei den unter 18-Jährigen bis 2038 erwarten, während im Landkreisschnitt hier die Erwartung bis 2044 auf -3,3 Prozent sinkt. Vielleicht muss man sich doch mit dem begnügen, was Bürgermeister Armin Wallner sagt: „Anscheinend sind die Leute hier zufriedener und wer zufrieden ist, setzt auch gerne Kinder in die Welt!“