Biberbach: Weil am Hof das Herz hängt, helfen Roboter

Von Martin Hladik · 4. Juni 2026 um 19:00

Ziemlich großen Andrang wird es in Biberbach am Sonntag, 14. Juni, geben. Etwa 5000 Gäste werden auf dem Hof der Familie Wallner erwartet. Dort wird ein Hoffest gefeiert – zusammen mit der Firma Lely, einem weltweit agierenden Unternehmen, das sich um die Automatisierung in der Landwirtschaft kümmert.

Dass Kühe nicht mehr mit der Hand gemolken werden, dürfte selbst dem unbedarftesten Städter klar sein. Wie weit die Automatisierung in der Landwirtschaft selbst an ganz normalen Höfen geht, ist Nicht-Landwirten aber eher unbekannt. Zu zeigen, wie stark die Hofarbeit mittlerweile von Maschinen unterstützt werden könne, das sei ein Grund für das Hoffest ihrer Familie, sagt Monika Wallner.

Die Familie, das sind Monika (45) und Christian Wallner (49), Senior Georg (71), und vier Kinder, teils schon im Erwachsenenalter. Die Familie und der Weiterbestand des Hofes waren ein Grund, warum sich die Wallners bei der Hofübergabe für eine stärkere Automatisierung entschieden haben. Die Frage sei gewesen „Aufhören oder Weitermachen“. Fürs Weitermachen sei klar gewesen, dass die Familie Unterstützung braucht. Zumal das bereits 2006 entstandene Hackschnitzel- und Lohnunternehmen weiterbetrieben werden sollte.

Die Familie Wallner mit dem Fütterungsroboter - Foto: Marie Füßl/Lely/Wallner

Zwei Melkroboter sind erster Schritt in Automatisierung

Ein Milchviehbetrieb mit 90 Kühen und 80 Hektar Grünland und Acker, ein Vollzeit-Lohnunternehmen und vier Kinder wären selbst bei der Unterstützung durch Senior Georg Wallner zu viel gewesen. Eine zusätzliche Arbeitskraft für die Landwirtschaft zu finden, sei schwierig gewesen, erzählt Monika Wallner. Also habe man versucht, mit Automaten eine Erleichterung zu finden. „Das Herz hängt ja doch dran“, sagt Monika Wallner über die Landwirtschaft.

Nach vielen Vergleichen haben sich die Wallners für einen Melkroboter von Lely entschieden. Schon ein Jahr später wurde der zweite angeschafft. Nicht selber melken, das seien etwa 2,5 Stunden weniger Arbeit gewesen, sagt Monika Wallner. Weil die beiden Melkroboter um das Kirchweihfest in Biberbach in Betrieb gingen, wurden sie wie die Patrone der Dorfkirche benannt: Peter und Paul.

Nur zur Erklärung: Ein Melkroboter ist eine computergesteuerte Anlage, die die Kühe jederzeit betreten können, um abgemolken zu werden. Dazu ist kein Mensch nötig. Der Roboter reinigt die Zitzen, setzt die Melkbecher an und melkt ab. Kleine Belohnung für die Kühe: Sie bekommen beim Melken ein besonderes Futter.

Die nächste Anschaffung heißt „Sepp“. Technisch trägt er den Namen „automatischer Spaltenschieber“. Sie wissen immer noch nicht, was das ist? Stellen Sie sich einen etwas zu groß geratenen Mähroboter vor, der anstatt Gras zu schneiden, das beseitigt, was die Kuh hinterlässt. Und das macht er genauer, öfter und besser als es ein Mensch täte, sagt Monika Wallner.

Der Spaltenschieber hält den Stall sauber. - Foto: L. Garcia/Lely

Erwähnt werden muss noch, dass die Kühe in einem Kaltstall stehen und – wenn nicht gerade Hoffest ist – auch eine große Wiese zum Auslauf haben. Das und die Automatisierung tun den Tieren offenbar gut. Sie haben seltener gesundheitliche Probleme, sagt Monika Wallner. Und wenn doch, könne sie das schnell erkennen, weil der Computer aufzeichne, was eine Kuh frisst, wie viel Milch sie gibt und damit auch, ob sie ihr Verhalten verändert.

Monika Wallner wird am Computer über das Geschehen am Hof informiert. - Foto: Martin Hladik

Fütterungsroboter: „Girgl“ ist die neueste Anschaffung

Die neueste Anschaffung des Wallnerhofes heißt „Girgl“, weil er Senior Georg die Arbeit erleichtert. Der Fütterungsroboter ist eine Art automatisches Beschickungssystem. In einer Scheune neben dem Stall wird das Futter automatisch zusammengestellt und in den Fütterungsroboter gefüllt. Der fährt gelenkt von Metallbändern über den Hof in den Stall. Dort wird abgetastet, ob noch Futter da ist, oder ob welches ausgeschüttet werden muss. Auch das ist eine enorme Arbeitserleichterung, die sogar die Zusammenstellung verschiedener Futtermischungen erlaubt.

Und der Erfolg des Maschineneinsatzes: „Momentan schauts gut aus“, sagt Monika Wallner. „Wir haben den schönsten Beruf, den es gibt – bis auf die Bürokratie.“