Chill und Pottery: Ein besonderer Töpferkurs an einem Sommerabend in Waldmünchen

Von Martin Hladik · 2. Juni 2026 um 11:00

Es sind 15 Frauen, die sich an diesem Sommerabend im Hof des Mehrgenerationenhauses treffen. Sie wollen heute ihre Tonbecher bemalen, die sie in einem ersten Kursteil gefertigt haben.

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Chill und Pottery nennt sich der Kurs des Mehrgenerationenhauses. Und chillig-entspannt ist die Atmosphäre an den Tischen in der warmen Abendsonne. Es spielt leise Musik, es wird ein bisschen geratscht, etwa ob man in Perl- und Silbersee schon baden kann, und alles wartet auf den Start.

Bevor es richtig losgeht, muss jede der Frauen erst einmal ihren frisch gebrannten Becher bei Kursleiterin Katrin Liegl abholen. Bei den vielen individuellen Verzierungen, der in Plattentechnik gefertigten Becher, ist die Unterscheidung kein Problem. „Ich bin froh, dass nichts kaputtgegangen ist beim Brennen“, sagt die Kursleiterin. Denn das ist eine der Gefahren, die jeder kennt, der schon einmal mit Ton gearbeitet.

Genaue Arbeit ist insbesondere bei den Mustern notwendig. - Foto:

Mit Becher: Ein Mugshot der anderen Art

Beim Abholen gibt es eine besondere Art von Mugshot – was auf Englisch eigentlich Fahndungsfoto heißt, aber wortwörtlich auch Becherfoto. Hier lässt sich jede der Frauen mit ihrem Becher fotografieren, um später vergleichen zu können, wie der Becher ohne und mit Bemalung aussieht. Dafür hat die Kursleiterin ein eigene WhatsApp-Gruppe gegründet. Liegl beschäftigt sich schon seit über 30 Jahren mit Ton. Der Kurs ist allerdings für sie ein Ehrenamt. Sie will ihr Wissen an andere weitergeben und das mache ihr Spaß, sagt sie.

Ein Mugshot: das Foto mit Tasse soll in der WhatsApp-Gruppe als Vergleich zwischen der unbemalten und der bemalten Keramik dienen. - Foto: Martin Hladik

Nachdem jede ihren Becher hat, erklärt Liegl, wie das Bemalen abläuft. Gleich mehrere Schichten müssen die Becher haben, damit die Farben decken. Wie die Keramikfarben nach dem Brand einmal aussehen, ist nicht leicht einzuschätzen. Im jetzigen Zustand haben alle Farben Töne von Grau, selbst wenn sie später rötlich oder Türkis oder Grün werden sollen, um die beliebtesten Farben der Malerinnen zu nennen. „Ja, die ist schön“, sagt eine junge Frau zu ihrem gerade ausgewählten Türkis. Eine andere Frau ist nicht ganz so sicher wie „Black Walnut“ und „Stoned Denim“ später aussehen werden. „Das wird eine Überraschung, wenn ich es wiederkriege“, sagt sie.

Und was ist jetzt wichtig an dem Kurs, das Chill oder das Pottery? Theresa und Sabine haben da ihre ganz pragmatische Meinung. Vorrang habe ganz klar das Töpfern. „Ich wollte schon immer eine eigene Tasse. Etwas Fröhliches für den Schreibtisch“, beschreibt Sabine ihre Motivation und Theresa verweist auf den Brennofen. Den habe man nicht einfach mal so zu Hause, nur weil Frau mal das Töpfern ausprobiert.

Ganz besondere Arbeit macht der Boden der Tassen

Welchen Anspruch manche der Malerinnen aber an sich selbst und ihr Produkt haben, sieht und hört man im Gespräch mit der Kursleiterin. Da soll das Tässchen schon mal zweifarbig werden oder ein Muster abgesetzt farbig. Und die Farben, die jetzt Einheitsgrau wirken, sollen nach dem Brand auch zusammenpassen.

Ganz besondere Arbeit macht aber Boden der Tassen. Auf einigen Tassen hat auch der ein Muster. Liegl erklärt, dass auf der Unterseite nur in den Vertiefungen Farbe sein sollte. Da die Tassen beim Brennen im Ofen auf ihrem Boden stehen, würde zu viel Farbe sonst mit dem Ofen verbacken und das wäre nicht gut. Also wird hier besonders sorgfältig gemalt.

Ob alle Tassen auch den zweiten Brand ohne Schaden überstanden haben und vor allem wie die Farben dann aussehen, werden die Frauen diese Woche erleben, wenn sie ihre Becher abholen.