Für Abensberg endet eine Ära: Was bleibt, wenn die Kreuzschwestern das Cabrini-Zentrum verlassen?

Sie gehörten seit 80 Jahren zu Offenstetten wie das markante Wasserschloss. Für Abensberg (Landkreis Kelheim) endet eine Ära. Was bleibt, wenn die Kreuzschwestern das Cabrini-Zentrum im Abensberger Ortsteil verlassen?
Für Schwester Sieglinde Gabriel, Konventoberin der Kreuzschwestern am Cabrini-Haus in Offenstetten, ist dieser Satz ganz wichtig: „Es ist ein ganz normaler Vorgang, dass man dahin zurückkehrt, wo man hergekommen ist.“ Doch für Abensberg endet damit eine Ära. Nach 80 Jahren – was heuer bereits gefeiert wurde – kehren die letzten vier verbliebenen Kreuzschwestern, Sieglinde Gabriel, Adele Bäumler, Irmgard König und Elisabeth Augustin, in ihr Mutterhaus in Gemünden am Main (Landkreis Main-Spessart) zurück. Das Datum steht: Es ist der 21. Juli, ein Dienstag.
Das Gespenst im Wasserschloss in Offenstetten
Bei einer netten Gesprächsrunde im Schloss berichteten die vier Schwestern dem Vorsitzenden der KJF der Diözese Regensburg Domkapitular Michael Dreßel, KJF-Direktor Michel Eibl und der Referentin der KJF Christine Allgeyer sowie dem Leiter des Cabrini-Zentrums Stefan Seehofer und Vertretern der Mittelbayerischen unterhaltsam aus ihrem jahrzehntelangen Leben und Wirken im Cabrini-Haus. Da tauchte dann auch das Schlossgespenst von Offenstetten auf, das sich Einrichtungsleiter Seehofer bestimmt irgendwann vorstellen werde, wie Schwester Sieglinde meinte. Und Schwester Adele berichtete von ihren alljährlichen Gillamoos-Besuchen. „Die waren natürlich vom Beruf her notwendig“, sagte sie augenzwinkernd. Im Schlepptau hatte sie jedesmal viele Kinder und Jugendliche aus dem Cabrini-Haus.
Seit vielen Jahren schon sind die Schwestern im Ruhestand, doch vielerorts im und rund um das Schloss im Einsatz. „Wir sind in diesem Haus daheim. Man kennt jede Ecke, jede Blume und jeden Ort, an dem man sich nützlich machen kann“, beschrieb beispielsweise Schwester Elisabeth ihre tiefe Bindung an das Cabrini-Haus, „und“, ergänzte Schwester Sieglinde, „man weiß, wo man vielleicht mal ein bisschen Unkraut jäten kann oder eben mal einen Staubsauger in die Hand nimmt oder auch das Fenster putzen kann. “

„Ich glaube, wir werden erst feststellen, was Sie alles gemacht haben, wenn Sie nicht mehr da sind, was dann eben nicht mehr gemacht wird“, sagte Cabrini-Gesamtleiter Stefan Seehofer zu den vier Ordensfrauen, die mittlerweile zwischen 78 und 84 Jahre alt sind.
Das Charisma der Schwestern „wird bleiben“
Die Schwestern Sieglinde, Adele, Irmgard und Elisabeth und 87 weitere Kreuzschwestern hätten das Cabrini-Haus durch ihre Präsenz, ihr Gebet und ihre tagtägliche Arbeit entscheidend geprägt, sagte Domkapitualar Michael Dreßel. Diese Ordensfrauen hätten nicht nur „hochprofessionell einen Job gemacht“ sondern aus ihrem christlichen Glauben heraus eine Berufung gelebt. „Vergelt’s Gott für allen Einsatz, für diese enorme Lebensleistung und die vielen kleinen und großen Gesten der Zuwendung und der Gemeinschaft!“
Seit 1946, als die ersten Kreuzschwestern die Arbeit im Offenstettener Schloss aufnahmen, haben die Ordensfrauen dort ihren Dienst getan für Säuglinge, Kleinkinder, Waisen, Kinder mit Behinderung und später auch Erwachsene, erinnerte KJF-Direktor Michael Eibl. Jahrzehnte hätten sie die Kultur der Einrichtung geprägt und seien intensiv an der fachlichen Weiterentwicklung vom einstigen Flüchtlingskinderheim zu einem modernen Sonderpädagogischen Zentrum beteiligt gewesen. Die KJF sei unendlich dankbar für ihre Hingabe und Fürsorge, die sie den Menschen schenkten. Ihr Charisma werde bleiben und weiter die Zukunft der Einrichtung stärken, ist sich Eibl sicher.
Im Mittelpunkt aber seien immer die Kinder und Jugendlichen gestanden, später auch erwachsene Bewohner. Das Wichtigste war, den Kindern zu zeigen, dass sie angenommen, begleitet, gefördert und geliebt werden, waren sich alle einig. Dies habe für die Gemeinschaft bedeutet, dazuzulernen und sich immer wieder neu auf die Bedürfnisse der Menschen einzustellen.Es sind mehr als Erinnerungen, sagte der Gesamtleiter des Cabrini-Zentrums, Stefan Seehofer, im Haus bleibe die von den Schwestern geprägte Haltung. Mit großem Respekt und Hochachtung vor der Lebensleistung der Schwestern wolle er die über Jahrzehnte gelebte Gemeinschaft, Verantwortung, Menschlichkeit und ein verlässliches Dasein für andere mit in die Zukunft nehmen.
Der 21. Juli rückt näher. Der bevorstehende Abschied ist für die Schwestern ein tief bewegender Einschnitt. Der Einzug ins Provinzhaus bedeutet Vertrautes zu verlassen und sich in einer neuen Gemeinschaft wiederzufinden. Auch wenn Schwester Sieglinde, die aus Großgundertshausen bei Volkenschwand stammt, in einem Nebensatz anfügt, sie habe immer die Hoffnung gehabt, in der Region bleiben zu können. Doch der einstige Alterswohnsitz der Kreuzschwestern in Mengkofen sei vor einigen Jahren aufgelöst worden.
Die Fahrräder und ein weiser Spruch bleiben zurück in Offenstetten
Aber in Gemünden erwarten sie vertraute Mitschwestern und vor allem Sr. Roswitha, die bis vor wenigen Monaten noch in Offenstetten gelebt hat und aus gesundheitlichen Gründen ins Provinzhaus gewechselt ist. „Wir sind im Alter nicht allein, wir sind gut begleitet und werden, wenn es nötig ist, auch gut gepflegt“, sagt Schwester Irmgard.

40 Schwestern leben in Gemünden. Man kennt sich, hat zum Teil die Ausbildung gemeinsam absolviert, man hat dort das klösterliche Leben gemeinsam begonnen. „Und“, fügt Schwester Gabriele ganz nüchtern an, „letztendlich ist auch der Friedhof dort“. Mitnehmen werden sie, so sind sich alle einig, einige persönlich Dinge und Erinnerungsstücke, auch Möbel. Auf ihre Fahrräder werden sie allerdings verzichten müssen, denn die neue Heimat ist recht bergig. Und dann gibt es auch etwas, was Schwester Sieglinde gerne im Cabrini-Zentrum zurücklässt: Es ist ein Ausspruch des Theologen Anton Kner, den sie der nachfolgenden Generation mit auf dem Weg in die Zukunft gibt: „Zusammenarbeiten ist gut, Zusammenhalten ist besser.“