Die Kreuzschwestern verlassen im Sommer das Cabrini-Haus in Offenstetten

Von Lucia Pirkl · 25. März 2026 um 05:00

80 Jahre lang haben die Kreuzschwestern das Cabrini-Haus in Offenstetten in Abensberg (Landkreis Kelheim) geprägt – Das wird jetzt mit einem Jubiläum gewürdigt. Warum sie mit ihrer Arbeit der Zeit weit voraus waren, lesen Sie hier.

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Neulich flatterte wieder ein lieber Brief ins Cabrini-Haus – sehr zur Freude von Schwester Adele. Denn die Zeilen stammten von einem ehemaligen Schützling, den die Schwester jahrelang betreut hatte, ihn an guten genauso wie an schlechten Tagen begleitet, ihn, so gut es ging, aufs Leben vorbereitet hat. Die Kreuzschwestern sind seit acht Jahrzehnten eng mit dem Cabrini-Haus verbunden, gaben vielen, vielen Jahren Waisen und später Kindern und Erwachsenen mit Beeinträchtigungen eine Stimme, eine Würde, die diesen Menschen vor 80, vor 70, vielleicht auch noch vor 60 oder 50 Jahren, nicht so selbstverständlich zu teil wurde.

Um die Kinder und später auch um Erwachsene kümmerten sich einst 26 Kreuzschwestern. Fünf leben noch im Cabrini-Haus, nämlich die Schwestern Sieglinde Gabriel, Adele Bäumler, Elisabeth Augustin, Irmgard König und Roswitha Lobinger – und zwar seit vielen Jahrzehnten. Im Sommer nun werden sie heimkehren in das Mutterhaus ihres Ordens.

Gute Ausbildung und viel Herzblut

Als Mitte der 1950er ein behindertes Kind für manchen noch ein Stigma war, Anlaufstellen rar waren, war das Cabrini-Haus eine Art Leuchtturm in der Behindertenarbeit. „Alle Kreuzschwestern waren ganz exzellent ausgebildet“, berichtet Schwester Sieglinde, Konventoberin der Schwestern vom Heiligen Kreuz im Cabrini-Haus und zwischen 1984 und 2010 die Leiterin. Sie ist überzeugt; „Ausbildungstechnisch waren die Schwestern voraus.“ Sie kamen nicht als ungelernte Kräfte, sondern waren Erzieherinnen, Krankenschwestern oder Physiotherapeutinnen. Die ersten Kinder wurden hier bereits ab 1959 beschult, als geistig Behinderte andernorts noch als „unbeschulbar“ galten, erzählt Cabrini-Zentrum-Gesamtleiter Stefan Seehofer. Das Bayerische Sonderschulgesetz kam erst 1966.

Die Schwestern gaben den Kindern ein Zuhause auf Zeit und förderten sie auch. - Foto: Cabrini-Haus

Im Dorf wiederum habe es schon damals ein gutes Miteinander gegeben, erinnert sich Schwester Sieglinde zurück, „das Dorf war sehr offen“. Nur die Anerkennung, die die hier Beschäftigten für ihre Arbeit in der Gesellschaft erhielten, da hätte es damals noch weit gefehlt. Die Eltern hingegen seien sehr dankbar gewesen, dass sie hier Hilfe bekamen. Andererseits sei es für sie bisweilen sehr hart gewesen, ihr Kind „abzugeben“. „Die Eltern haben sich teilweise selber nicht erlaubt, Hilfe anzunehmen. Ein Netz aus Hilfsangeboten vom Staat, das gab es damals noch nicht.“

Die Arbeit selbst, die war für die Schwestern zu jenen Zeiten sehr zeitintensiv, in einer Art und Weise, die nach heutigen Maßstäben undenkbar, aber den Schwestern eine Herzensangelegenheit war. Die Schwester war wie die Mutter im Haus. Unterstützt wurden sie von Erzieherinnen, Kinderpflegerinnen und Praktikanten – vier Vollzeitbeschäftigte und eine Praktikantin für maximal zwölf Kinder. „Für uns ist Pädagogik Beziehungsarbeit. Das kannst du nur machen, wenn du auch da bist“, so Schwester Sieglinde. „Eine Schwester war nicht zu ersetzen“, sagt auch Seehofer in der Rückschau. Daneben gab es freilich auch schon damals einen Fachdienst mit Psychologen, Sozialpädagogen oder pastoralen Mitarbeitern, die mit dem jeweiligen Kind gearbeitet haben, „gute Förderung war uns neben guter Beheimatung schon auch wichtig“, sagt Schwester Sieglinde.

In den frühen Jahren fungierte das Cabrini-Haus noch als Waisenhaus. - Foto: Cabrini-Haus

Und hier spielte freilich auch die Zusammenarbeit mit den Eltern eine große Rolle. Die Schwestern bemühten sich darum, dass die Kinder regelmäßig nach Hause geholt wurden. „Das war in den ersten Jahren gar nicht so einfach“, so Schwester Sieglinde, denn die Kinder kamen ja aus ganz Bayern nach Offenstetten. Aber mit zunehmender Mobilität wurden sie an den Wochenenden und in den Ferien abgeholt.

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Nicht jedes Kind war in der Lage, als Erwachsener ein eigenständiges Leben zu führen. Deshalb kam – auch, wenn das Haus lange Zeit nur Kindern vorbehalten war – immer öfter die Frage auf, warum sie keine Erwachsenen nehmen. Also entschied sich der Träger – die Katholische Jugendfürsorge– dazu, ab 1986 auch Erwachsene aufzunehmen, vor allem Schwer- und Mehrfachbehinderte. Irgendwann reichte der Platz im Schloss nicht mehr aus, rundherum wurden Wohngruppen gebaut. Um den gestiegenen Anforderungen gerecht zu werden, wurde ab 2010 das Haus Sonneneck eröffnet, mit jeweils neun Wohnplätzen, verteilt auf drei Wohngruppen.

Von Offenstetten zurück in den Orden

Das ist freilich schon einige Zeit her. Längst sind die Schwestern im Ruhestand – und bleiben trotzdem gut beschäftigt, vor allem jetzt, bei der Vorbereitung des Jubiläums. Der gemeinsame Rückblick auf das Wirken der Kreuzschwestern markiert aber auch den ersten Schritt in Richtung Abschied. Ende Juli werden sie ins Kloster nach Gmünden am Main umziehen. Dort hätten sie ihre Ordensausbildung gemacht, dort fühlten sie sich unter den etwa 40 anderen Kreuzschwestern wohl. Der Abschied von ihrem Offenstetten, auch vom Schloss – und nicht zuletzt von den Bewohnern und Angestellten – der wird nicht leicht werden. Und trotzdem blickt man positiv zurück: „In einer Zeit, in der wir nötig waren, hat es uns gegeben“, sagt Schwester Sieglinde. Dass Behindertenarbeit nun auf vielen Schultern ruht, sei eine gute Entwicklung.

Am Wochenende wird gefeiert

Festakt: Am 28. März, um 10 Uhr zelebriert Bischof Rudolf Voderholzer in der Cabrini-Haus-Kirche ein Pontifikalamt. Anschließend ist Festakt im Cabrizio. Für die große Öffentlichkeit gibt es dann im Juni noch einmal ein Fest.

Historie: Nach dem Krieg und bis in die 1950er Jahre hinein diente das Cabrini-Schloss als Waisenhaus. Ab Mitte der 1950er wurde das Waisenhaus aufgelöst und machte Platz für beeinträchtigte Kinder.