Die Drohne der Feuerwehr Kelheim: „Bärbel“ spürt Menschen, Brände und Deichlecks auf

Von Martin Rutrecht · 3. Juni 2026 um 19:00

Sie hat den Durchblick von oben. Die Drohne der Feuerwehr Kelheim ist bei bestimmten Einsätzen fast unverzichtbar: Personensuche, Brände, Hochwasser. So funktioniert das Zusammenspiel zwischen einem Wunderwerk der Technik und den Einsatzkräften.

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Mit wenigen Handgriffen macht Manuel Weiß, Leiter der FFW-Drohnengruppe, „Bärbel“ startklar. „Sie heißt so, weil sie bei der ersten Vorführung dauernd gequasselt hat“, sagt Namensgeber Oskar Schad, wie Weiß ein Ausbilder in der Kelheimer Einheit, schmunzelnd. Die Drohne „textet“, so Schad, gerne: „Position erreicht“, „Maximale Flughöhe“ usw.

Ein Surren und „Bärbel“ hebt ab. Fritz Mathes steuert sie mit einer Fernbedienung und kann auf einem Display ihre Position verfolgen. Sein Kamerad Marc Hoffmann ist parallel der Luftbildauswerter. „Die Drohne ist mit einer Weitwinkel- und einer Wärmebildkamera ausgestattet. Damit stehen zwei verschiedene Aufnahmen von oben zur Verfügung“, so Weiß. Sie werden auf einen großen Bildschirm am Boden übertragen.

„Es ergibt sich schnell ein Lagebild“, erklärt Robert Smolarek, ein weiterer Ausbilder. Die Thermalkamera beispielsweise ist aufschlussreich bei der Suche nach Personen. Die Körpertemperatur hebt sich von der Umgebungswärme ab. So half die Feuerwehr schon der Polizei, als eine Person in einem psychischen Ausnahmezustand in ein Maisfeld lief. „Wir konnten sie genau lokalisieren.“

Mit wenigen Handgriffen macht Manuel Weiß die Drohne einsatzbereit. - Foto: Rutrecht

Seit knapp vier Jahren haben die Kelheimer ihr Modell DJI-M30-T im Einsatz, eine Drohne für den Katastrophenschutz. „Der Pionier im Landkreis Kelheim war die Feuerwehr Abensberg. Sie schaffte sich als Erste eine an“, sagt Weiß. Deren Erfahrung floss mit in die Auswahl des Modells ein. „Wichtig ist ein Wasser- und Staubschutz. Sie muss auch bei strömendem Regen funktionieren.“ Windstöße gleicht die Drohne selbst aus. Das Modell der Kelheimer Wehr kostete samt Ausstattung (drei Akkus, zwei Fernbedienungen) rund 19.000 Euro, finanziert vom Feuerwehrverein.

Bis in 120 Metern Höhe und bis zu 60 km/h schnell

Wo früher mitunter ein Hubschrauber benötigt wurde, steigt nun „Bärbel“ auf. „Sie ist binnen zehn Minuten einsatzbereit. Und ein Hubschrauber-Anflug kommt ungleich teurer“, sagt Andreas Dillinger, der stellvertretende Kommandant. Knapp vier Kilogramm wiegt die Drohne, die Spannweite misst etwa einen Meter. Rund 20 Minuten kann „Bärbel“ mit zwei Akkus in der Luft stehen. Bis zu 120 Metern Höhe darf sie aufsteigen, auf ebener Fläche kann sie bis 1,5 Kilometer weit fliegen, mit Maximalgeschwindigkeit von rund 60 km/h. Nicht überall ist ein Einsatz erlaubt. Es gelten Flugverbotszonen.

„Neben Pilot und Luftbildauswerter zählt auch ein Luftraumbeobachter zur Einsatzgruppe“, erklärt Alexander Zellner, der vierte Ausbilder im Bunde. Seine Aufgabe ist es, nach Vögeln, Kleinflugzeugen und Stromleitungen Ausschau zu halten. Der Flugleiter schließlich stimmt sich mit der Einsatzleitung ab.

Steht „Bärbel“ in der Luft, erfasst sie mittels Wärmebildkamera auch Temperaturen – etwa die Körperwärme eines Menschen. - Foto: Rutrecht

Wie nützlich die Drohne bei Bränden ist, beschreibt Dillinger: „Ich sehe Brandherde, Glutnester und auch die Struktur eines Gebäudes. Somit kann ich mit einem Löschtrupp viel zielgerichteter zugreifen.“ Zuvor blickte ein Einsatzleiter nur auf die Frontansicht eines brennenden Objekts. Auch bei Waldbränden oder Rauchsäulen im Forst lässt sich das Geschehen rascher sondieren. Durch einen 200-fachen Zoom kann „Bärbel“ mit gebührendem Abstand drüber fliegen.

Wärmebildkamera erkennt mögliche Lecks in Deichen

Praktisch im Dauereinsatz waren Drohnen – auch die zwei Stück der Feuerwehr Abensberg (zudem hat die FFW Sandelzhausen eine) – beim Hochwasser im Juni 2024. Durch die Wärmebildkamera lassen sich Lecks in Deichen erkennen. „Durchsickerndes Wasser hat eine höhere Temperatur“, so Schad. Dokumentiert wurde auch, wo Überschwemmungen bei welchem Pegelstand auftreten. „Insgesamt haben wir zwei Terabyte Bilddaten gesammelt.“

Ebenso könne das Ausmaß eines Ölfilms auf der Donau oder eines Gefahrgutaustritts bei einem Tankzug-Unfall eingeschätzt werden, ergänzen Zellner und Smolarek. „Man muss keinen Feuerwehrkameraden reinschicken und ihn möglicherweise gefährden.“ Auch Kletterunfälle sei ein Einsatzszenario. Selbst zur Aufnahme von Verkehrsunfällen würden Drohnen für eine bessere Übersicht herangezogen.

Auf seinem Display sieht der Luftbildauswerter die Szenerie von oben. - Foto: Rutrecht

Die Drohnengruppe der Feuerwehr Kelheim zählt mittlerweile 15 männliche und zwei weibliche Kräfte. Nach einer Grundlagenschulung in Luftfahrt und Technik dürfen sie sich ans Steuern von „Bärbel“ machen. „Das ist nicht wirklich schwierig. Wer schon mal Playstation gespielt hat, beherrscht es rasch“, sagen die Ausbilder.

Wann die Drohne angefordert wird, entscheidet der Einsatzleiter. Auch andere Wehren greifen auf sie zurück. „Im Jahr kommen wir auf rund 15 Einsätze“, sagt Weiß. Die ureigensten Aufgaben einer Feuerwehr – Löschen, Retten, Bergen – werde eine Drohne nie übernehmen können. „Aber ,Bärbel‘ ist von großem Nutzen für uns.“