Kelheims Musikfestival Jukuu steht vor dem Aus – auch weitere Musik-Open Air-Macher kämpfen

Die Initiative Jugend und Kultur kündigt an, dass 2026 das letzte Musik-Event für Junge und Junggebliebene auf der Kellerwiese in Kelheim ansteht. Auch andernorts sind die Herausforderungen massiv. Vereinsmitglieder strecken privates Geld vor.
Wenn jemand einen Satz beginnt mit „Du ich muss dir etwas sagen“, weiß man, es ist ernst. Genauso begannen jüngst Kelheims Jukuu-Festival-Macher ihren Post auf Instagram in dem sie verkündeten, dass Kelheims junges Musik Open Air vor dem Aus steht und dieses 2026 mutmaßlich zum letzten Mal stattfinden wird. Unsere Umfrage zeigt, auch die Macher anderer Festivals kämpfen massiv.
Die Gründe für das Aus des Jukuu-Festivals in Kelheim seien vielfältig, sagen Leon Kohrt und Emily Nagel von der Initiative Jugend und Kultur (IJK), das ist der Verein, der die Organisation ehrenamtlich stemmt. Zum einen sei die Finanzierung immer schwieriger geworden. Die Produktionskosten seien seit Corona massiv gestiegen. Hinzu komme die aktuelle wirtschaftliche Lage.
Bereits nach Corona taten sich Geld-Probleme auf. 2023 machte das Jukuu Pause. 2024 profitierte der Verein von Bundes-Fördermitteln. 2025 war die Sicherheit wieder weg, die Zweifel, ob sie das stemmen können, zurück – und sie blieben, schildern Kohrt und Nagel.
Nachricht von letztem Festival pushte den Vorverkauf
Ein ehrenamtlich getragenes Musikfest auf die Beine zu stellen, werde immer kniffliger, sagen beide. Zumal auch die Zahl derer, die das Fest im Vorfeld organisieren, überschaubar sei. Die Arbeit, die für den Rest bleibe, entspreche einem Zweitjob, sagt Leon, der seit 2022 zum engen Orga-Kern gehört. Keiner von ihnen bekomme einen Cent. Ab dem Aufbach und beim Festival selbst packen viele dem Jukuu verbundene IJK-Mitglieder (Ü30) an. Viele organisierten das Festival früher selbst federführend.
Ein weiterer Aspekt spielt in die Festival-Bredouille hinein. Viele kauften ihre Tickets spontan. Traurigerweise wurde der Vorverkauf zuletzt von der Nachricht vom möglichen Schlussstrich gepusht. Vom Ausverkauf der Tickets für 2026 könne aber keine Rede sein, so Leon Kohrt. „Noch ist Luft nach oben.“ Ausverkauft wäre das Jukuu mit 500 Tickets am Freitag und 500 am Samstag. Ein Ausverkauf vorab würde den Machern Planungssicherheit geben. Denn eine „Summe im oberen fünfstelligen Bereich“ kostet es, das Jukuu auf die Beine zu stellen.

Eigentlich könnte das ein Klacks sein, wenn man zurückschaut aufs Fischerfest. „Da waren extrem viele junge Leute, die feierten“, sagt Emily Nagel. Viele von ihnen würden das Jukuu ebenfalls feiern, wenn sie einmal da wären und die Stimmung erlebten. Jeder, der das habe, komme wieder, selbst mit 300 Kilometern Anreise, sagt Leon Kohrt. Aber die Jungen in Kelheim ließen sich gar nicht so leicht erreichen. Selbst wo diesmal alle unter 18 Jährigen freien Eintritt bekommen.
Bislang feierten Musikbegeisterte von 16 bis 60 Jahren am Jukuu. Die meisten Festivalbesucher dürften so Mitte bis Ende 20 sein, schätzt Leon, selbst 22.
Beerdigt wurde das Jukuu schon einmal. Kurz vor den 2000ern. 1989 hatten Musikbegeisterte sich aufgemacht, ein junges Festival vor der eigenen Haustür auf die Beine zu stellen. Zweimal wurde am Torhausplatz beim Berzl gefeiert, dann an der Schiffsanlegestelle beim Niederdörfl. Viel mehr wissen die heutigen Jukuu-Macher nicht über die erste Jukuu-Phase. 2014 kam das Revival. Meist wurde am Volksfestplatz gefeiert, zuletzt auf der viel grüneren Kellerwiese. Nun droht das erneute Aus.

Andernorts ist die Lage nicht rosiger. „Auch das Rock the Hill am Geißkopf in Bischofsmais hat angekündigt, dass 2026 das letzte Mal ist“, sagt Leon. Beim Modular Festival in Augsburg sei bereits „Schicht im Schacht“. Und nur einen Katzensprung weiter? In Riedenburg wird seit 2002 das „AgratamAgatha“ gefeiert. Vor 20 Jahren war vieles noch anders. Auch die Besucherzahlen. Da kamen mehr als 3000 Leute, teils „konnten wir keinen mehr reinlassen“, erinnert sich Caro Rind. Mit Blick auf heute sei das „skurril“.
„Wir haben 1:1 die gleichen Probleme“, sagt die Essingerin vom KUR-Vorstand, dem Verein Kultureller Untergrund Riedenburg, der am Badesee St. Agatha das Musikfestival organisiert. Von den Finanzen bis zum Thema Ehrenamt. „Immer weniger Leute sind bereit, anzupacken“, das spürt auch Caro Rind. Auch bei ihnen könne man den harten Orga-Kern „fast an einer Hand abzählen“. Deshalb habe man einzelne Aspekte wie Küche oder Elektro ausgelagert. Darum kümmern sich Externe.
Und es brauchte privates Geld zur Vorfinanzierung, um die Hauptband buchen zu können. Von Planungssicherheit ist auch das AgratamAgatha-Team aktuell weit entfernt. „Noch nicht einmal 100 Tickets“ wurden bislang im Vorverkauf geordert. „Die Leute gehen nicht mehr weg.“
„Wenn es heuer nicht läuft, sind wir pleite“
Früher ging das AgratamAgatha drei Tage. 2025 versuchten sie es mit einer anderen Location. An der Seebühne und mit einem Tag. Das sparte Kosten, es brauchte zum Beispiel keine Wasserleitung, weniger Aggregate für Strom. Allein die kosteten seit Corona „ein Vielfaches “. Doch die Atmosphäre war nicht dieselbe. Die Sperrzeiten auch nicht.
Diesmal soll wieder am Badesee gefeiert werden, von Samstag- bis Sonntagmittag. Doch – „wenn es nicht läuft und wir nicht zumindest auf null rausgehen, dann sind wir pleite“, sagt Caro Rind.
In Kelheim wollen sie nicht zu traurig sein, sondern sich auf das mutmaßlich letzte Festival freuen. Zudem – ein Funke Hoffnung ist noch da. Wenn es gut läuft, könnten sie vielleicht weiter machen... Ziel sei einmal mehr, dass Ausgaben und Einnahmen möglichst aufgehen. Mehr wollen sie gar nicht.
Der Gedanke, dass das Jukuu zum letzten Mal stattfindet, macht IJK-Vorsitzender Emilia Stark auch ein wenig Angst, sagt sie. Das Jukuu sei „das Herz“ des Vereinslebens“. Wenn so ein wichtiger Teil wegfalle, veränderten sich automatisch Vereinsstruktur und Miteinander. Stark hofft, dass der Zusammenhalt, egal was kommt, „nicht verloren geht“.
Zwei Festivals im Landkreis Kelheim feiern - Jukuu und AgratamAgatha
• Jukuu: 12./13. Juni, Kellerwiesen-Parkplatz Kelheim (mit täglichem Busshuttle von und nach Regensburg). Tagesticket: 25 Euro, Zwei Tage: 38 Euro, Vorverkauf unter www.jukuu.de
• Bands: Am Freitag spielen Easy Easy, Brockhoff, Lisl, Blurry Nights, Leftovers, am Samstag Cordoba78, Tobias, Moris X Whosdom, Aleyna, Bruckner.
• Besonderheit: Alle unter 18-Jährigen können sich 2026 ein Null-Euro-Ticket sichern, ebenfalls vorab unter www.jukuu.de. Eine Kooperation mit dem Kreisjugendring machts möglich.
• AgratamAgatha: 1./2. August mit Camping am Badesee St. Agatha in Riedenburg
• Bands: Frittenbude, Sixelle, SiKK LiKKz, Blanko Malte, Blurry Nights, Grämsn & DJ Spliff, Men of the YEAH!, Dave von der BolzenBeerBand, La Loakii
• Tickets: mit Camping 55 Euro, ohne Camping 45 Euro, Soliticket 100 Euro (Unterstützungsticket für das Festival in der Region, beim Einlass gibt es einen 20-Euro-Verzehrgutschein für Speisen und Getränke), Vorverkauf online unter www.agratamagatha.de