Freiluft-Ganzkörperdusche für 23.900 Euro soll den Neupfarrplatz in Regensburg kühlen

Aus den Düsen der Metallkonstruktion mit zwei Stelen, an denen jeweils acht Düsen angebracht sind, kommen Nebelschwaden. Aufgedreht werden soll sie ab einer Hitze von 30 Grad. Geht der Plan der Stadt Regensburg auf, könnte der Standort der Anlage um bis zu zwölf Grad abgekühlt werden. Die Play Fountain ist dafür gestrichen.
Nebelsprüher in Regensburg aufzustellen: Ist das nicht ein bisschen, wie Eulen nach Athen zu tragen? Wäre es jetzt Herbst und damit die Jahreszeit, während der die Domtürme regelmäßig im Grau verschwinden, wäre dieser Einwand berechtigt. Allerdings liegt vor der zuletzt heißesten Stadt Deutschlands nun die heißeste Zeit des Jahres. Daher dürfte den Domstädtern in den kommenden drei Monaten jede Abkühlung recht sein.
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Deswegen hat die Stadt nun eine Art Ganzkörperdusche für draußen zwischen dem Karavan-Denkmal und der Neupfarrkirche aufgebaut. An den beiden Stahlrohren befinden sich jeweils acht Düsenköpfe. Vier davon am Rohr selbst, vier weitere bilden ein Kreuz an seinem oberen Ende. Aus diesen Düsen dringen feine Tröpfchen. Die Nebelschwaden ziehen wie Brautschleier über das Pflaster. 23 900 Euro hat diese Maßnahme gekostet. Für dieses Geld wird die Anlage auch zweimal pro Woche beprobt, desinfiziert, gereinigt und gewartet sowie evaluiert.
Ab 30 Grad sprühen beide Rohre Nebel aus den Düsen
Sie soll vorläufig in den Sommermonaten ab 30 Grad als Anlaufstelle für eine spürbare Abkühlung in der Innenstadt sorgen, heißt es dazu in einer Pressemitteilung der Stadt. Ziel sei es, die Aufenthaltsqualität am Neupfarrplatz an heißen Tagen zu verbessern. In den Herbst- und Wintermonaten werde die Anlage abgebaut.
Fans der in den vergangenen Jahren so beliebten Play Fountain müssen dafür nun ganz stark sein: Sie wird es dieses Jahr nicht geben, sagte Oberbürgermeister Dr. Thomas Burger während eines Pressetermins, bei dem er die neue Anlage vorstellte. Das mobile Brunnenpodest, aus dem senkrecht Hunderte Fontänen schießen, stand im Jahr 2022 zunächst auf dem Haidplatz und in den vergangenen drei Jahren auf dem Neupfarrplatz. Im Jahr 2025 hatte die Stadt für vier Wochen Miete rund 150.000 Euro auf den Tisch legen müssen. Sponsoren hatten die Möglichkeit, bis zu 20 Prozent dieser Summe beizusteuern. In den Vorjahren hatte die Stadt große Teile der Kosten mit Fördergeldern bestritten.
Burger nannte dann aber einen anderen Grund, warum die Stadt dieses Jahr lieber für Nebel als Gesprudel auf dem Neupfarrplatz sorgt: Er kühle besser. „Kleine Tröpfchen haben mehr Oberfläche, das sorgt für mehr Verdunstung“, erklärte der studierte Physiker. Ihm zufolge haben die Sprüher das Potenzial, ihren Standort um bis zu zwölf Grad abzukühlen. Der Effekt, den die Anlage in Regensburg erzielt, solle gemessen werden, um derlei Konstruktionen in Zukunft womöglich auch an anderen Orten in Regensburg zum Einsatz zu bringen.
Bürgermeisterin Dr. Helene Sigloch stellte zudem die Regensburger Hitze-Helfer vor, eine digitale Anlaufstelle und Informationsplattform zum Thema: Zu finden sind dort unter anderem Hitzewarnungen des Deutschen Wetterdienstes, Verhaltensregeln bei hohen Temperaturen oder Wärme- und Hitzeschutz-Tipps in und an Gebäuden. Sigloch sprach auch eine „Karte der kühlen Orte“ auf dem städtischen Geoportal im Internet an. Darauf sind etwa Brunnen, Trinkbrunnen, Parkanlagen, Bademöglichkeiten oder kühle Gebäude vermerkt. Weiterhin sind die Regensburger dazu aufgerufen, versteckte kühle Orte oder geheime Oasen zu nennen, damit die Stadt diese in die Karte einpflegen kann und auch andere von diesem Wissen profitieren.
Hitze-Check steht an: Wie schneidet die Domstadt ab?
Es ist nicht das einzige Projekt, mit dem die Stadt angenehmeres Klima auf dem Neupfarrplatz schaffen will: Im Juli sollen hier auch drei begrünte und mobile Sonnenschirme aufgebaut werden, um Schatten zu spenden. 27.300 Euro pro Stück sollen die trichterartigen Konstruktionen kosten. Vier Meter hoch soll das Modell Brissago sein und einen Durchmesser von sechs Metern haben.
Bevor sie aufgebaut werden, steht Regensburg ein Termin ins Haus, an dem sich zeigen wird, in welcher Liga die Stadt hitzetechnisch gerade spielt: Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) plant, am Dienstag ihren nächsten Hitze-Check zu veröffentlichen. Nachdem die Stadt vor zwei Jahren auf Platz drei der am meisten versiegelten und wenigsten grünen Städte in Deutschland landete und vor einem auf Platz 38 der Städte mit den meisten von Hitze Betroffenen, will die DUH nun herausarbeiten, wie Städte mit ihrem Grün umgehen.