Firma für begrünte Sonnenschirme in Regensburger Altstadt ist pleite

Von Heike Haala · 19. Mai 2026 um 19:00

Bei dem Wetter braucht es schon einiges an Fantasie, um sich so etwas wie Schweißperlen auf der Stirn, eine glühend heiße Regensburger Altstadt oder gleißenden Sonnenschein vorzustellen. Übermorgen aber soll sie bei uns angekommen sein, die spanische Hitzeblase. Heißersehnter Schatten? Fehlanzeige. Dabei sollte das längst anders sein. Denn die bepflanzbaren Schattenspender können nicht geliefert werden.

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Und dann wird sich der Neupfarrplatz wieder in einen Ort verwandeln, an dem Regensburg Hitzrekorde bricht. Schatten? Fehlanzeige. Dabei sollte das längst anders sein.

Nach dem verheerenden Ergebnis Regensburgs beim Hitze-Check der Deutschen Umwelthilfe (DUH) vor zwei Jahren, als die Domstadt auf Platz drei der am stärksten versiegelten und am wenigsten grünen Städte Deutschlands landete, beschloss der Umweltausschuss vergangenen Sommer, mit einem Pilotprojekt für mehr Schatten zu sorgen. Zunächst sollten im September oder im Oktober drei Konstruktionen mit dem Namen „Urban Canopees“ auf dem Neupfarrplatz aufgebaut werden.

Duraplant springt mit dem Modell Brissago ein

Im November hieß es dann vonseiten der Stadt, bei den bepflanzbaren Sonnenschirmen komme es zu Lieferverzögerungen, deswegen solle die Montage im Frühjahr stattfinden. Warum auch jetzt, wo der Sommer bald Fahrt aufnimmt, immer noch nichts von den rankenumwundenen Fieberglasgebilden auf dem Neupfarrplatz zu sehen ist, erklärte der ehemalige Umweltbürgermeister Ludwig Artinger (FW) während der letzten Sitzung des Umweltausschusses in der alten Stadtratsperiode vor vier Wochen.

Ein Urban Canopee an der Albert-Schweitzer-Realschule. - Foto: Heike Haala

Seiner Auskunft zufolge sei der Auftrag bereits vergeben gewesen. „Justament diese Firma ist insolvent gegangen“, sagte Artinger. Deswegen habe die Stadt nach einer Alternative gesucht. Die Wahl sei auf die Firma Duroplant und das Modell Brissago gefallen. Das Vergabeverfahren sei so gut wie abgeschlossen. Artinger rechnete mit einer Lieferzeit von acht bis zehn Wochen ab dem Zeitpunkt des Zuschlags.

Inzwischen sei der Auftrag vergeben, erklärt Juliane von Roenne-Styra, Pressesprecherin der Stadt. Bleibt es bei Artingers Rechnung, könnten also noch ein bis zwei Monate vergehen, bis die Töpfe auf dem Neupfarrplatz stehen. Laut Urs Wiesendanger, Projektleiter bei Duroplant, werden die Brissagos für Regensburg gerade gebaut.

Sie scheinen durchaus mit den eigentlich geplanten Urban Canopees vergleichbar zu sein. Augenfällig ist der trichterförmige Aufbau der Konstruktionen. Laut von Roenne-Styra schlage ein Brissago mit 27.300 Euro pro Stück inklusive Lieferung und Montage zu Buche. Drei dieser Brissagos seien bestellt worden. Für die Urban Canopees hatte die Stadt mit Kosten von etwa 85.000 Euro gerechnet. Während die Urban Canopees bis zu 4,66 Meter hoch gewesen wären, sagt Wiesendanger, dass die Brissagos für Regensburg vier Meter hoch sein werden.

Wird es zu trocken, schlägt ein Sensor Gießalarm

Weiter erklärt er: Ihr Durchmesser solle sechs Meter betragen. Eine Sitzbank unter dem Blätterdach, wie sie etwa auf einem Flyer des Unternehmens zu sehen ist, werde es in Regensburg aber nicht geben. Das Gefäß, dessen Farbe noch nicht feststehe, könne über 1000 Liter Wasser speichern. Für Abkühlung könne Brissago deswegen sowohl durch den Schatten als auch durch Verdunstung der Flüssigkeit sorgen. Ein Feuchtsensor werde der Stadt melden, wann der Wasserspeicher wieder gefüllt werden muss.

So ähnlich soll der Ersatz aussehen. Diese Konstruktion heißt Brissago und soll in einigen Wochen aus der Schweiz nach Regensburg geliefert werden. - Foto: Duroplant

Schaden sei der Stadt durch die Insolvenz der zuvor beauftragten Firma nicht entstanden, erklärt von Roenne-Styra. Ein Urban Canopee ist noch geliefert worden. Es steht nun auf dem Schulhof der Albert-Schweizer-Realschule im Stadtnorden. „Nach Rücksprache mit der Schulleitung funktioniert das Urban Canopee sehr gut“, sagt von Roenne-Styra. Auch Schüler seien sehr zufrieden. Und sollte etwas sein, könnten Gewährleistungsansprüche in der Regel über den Insolvenzverwalter geltend gemacht werden.