Endlich Bewegung in Regensburgs Mega-Leerstand: Kaufhof-Brache wird zur Chefsache

Von Christian Eckl · 3. Juni 2026 um 05:00

Der neu gewählte Oberbürgermeister Thomas Burger will sich mit dem früheren Ministerpräsidenten von Hessen, Roland Koch, treffen. Der vertritt die Eigentümer des ehemaligen Kaufhof-Gebäudes. Während Koch in der Vergangenheit die Stadt scharf angegriffen hat, schweigt er im Moment. Das wiederum findet Burger gut, der den klaffenden Leerstand jetzt zur Chefsache machen will.

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Der eine schweigt. Der andere macht deutlich, dass die klaffende Handelsbrache im Herzen der Welterbestadt nun Chefsache wird: Der frühere hessische Ministerpräsident Roland Koch will sich derzeit nicht zum Verhandlungsstand äußern. Koch wurde vom Eigentümer des leer stehenden Kaufhofs am Neupfarrplatz damit beauftragt, einen möglichen Käufer zu suchen.

Die Chronologie der Ereignisse können Sie hier nachlesen: Kaufhof-Regensburg.

Der andere, der sehr wohl spricht, ist seit 1. Mai Oberbürgermeister der Stadt. Und Thomas Burger hat bereits im Wahlkampf angekündigt, dass er die Brache zur Chefsache machen wird. Jetzt erklärt er gegenüber der Mittelbayerischen auf Anfrage: „Die Schließung der Galeria-Filiale am Neupfarrplatz ist ein erheblicher Einschnitt für unsere Innenstadt.“ Und weiter: „Ich mache das Thema gerade zur Chefsache und werde in Kürze persönlich mit den beiden Eigentümervertretern sprechen.“

Koch: Gibt keinen Grund für ein Interview

Wie die Mittelbayerische als erstes Medium berichtete, vertritt der frühere Ministerpräsident von Hessen, Roland Koch, die Interessen des Eigentümers. Früher hatte sich Koch durchaus kritisch gegenüber der Stadt geäußert.

So sagte er im Exklusiv-Interview mit der MZ noch im Januar 2026: „Die Stadt hat mit ihren bauplanungsrechtlichen Instrumenten ja jede Weiterentwicklung ohne ihr aktives Mitwirken unmöglich gemacht, aber leider bis heute keine eigenen Ideen für die Weiterentwicklung vorgelegt. In einer solchen Situation wäre die Stadt selbst auch ein möglicher Käufer.“ Derzeit ist der CDU-Politiker allerdings schweigsamer. Er antwortet auf neuerliche Anfrage: „Ich habe derzeit keinen neuen Stand und daher auch keinen Grund für ein Interview.“

Das wiederum begrüßt Burger. „Auch wenn wir derzeit nicht alle Entscheidungen zum Areal umfassend in städtischer Hand haben, werde ich alles in meiner Macht Stehende tun, um die Eigentümer von einer zukunftsorientierten Lösung im Interesse Regensburgs zu überzeugen“, sagte Burger. Er begrüße aber auch die Aussage von Koch, „sich erst mit mir an den Verhandlungstisch zu setzen, bevor er Medienanfragen dazu beantwortet“.

Lage vor Ort ist zunehmend bedrückend

Burgers Vorgängerin Gertrud Maltz-Schwarzfischer wurde dafür kritisiert, das Thema nicht zur Chefsache gemacht zu haben. Stattdessen habe eine „Taskforce Kaufhof“, deren städtische Akteure bis heute nicht bekannt sind, die Verhandlungen geführt.

Derweil ist die Lage vor Ort zunehmend bedrückend. Das leer stehende ehemalige Kaufhof-Gebäude am Neupfarrplatz kommt von außen immer mehr herunter. Die einstigen Schaufenster des Warenhauses, das dort seit Anfang der 70er Jahre ein Anziehungspunkt bis zur Schließung 2023 war, sind zunehmend mit Stickern und Schmierereien übersät. Trotz einer Gestaltungsaktion des Vereins „Faszination Altstadt“, die historische Bilder zeigt, ist die Brache längst zu einem Schandfleck geworden.

Die überdachten Eingänge werden häufig von jugendlichen Gruppen für Saufgelage mit lauter Musik genutzt. Skater haben vor allem die Alte Wache, der Rest der historischen Bebauung, der in das frühere Kaufhaus integriert ist, in Beschlag genommen. Die Regensburger Stadtgesellschaft hatte sich einst dagegen gewehrt, dass die typischen Horten-Kacheln den gesamten Baukörper prägen. Auf der Neupfarrplatz-Seite ist das Gebäude architektonisch der umgebenden mittelalterlichen Bebauung nachempfunden.

Die Stadt übernimmt dabei eine aktive Rolle – als Moderatorin, als Ideengeberin und, wo nötig, als Antreiberin.Dr. Thomas Burger (SPD), Oberbürgermeister

Hinterhalb des Kaufhofs indes verkommt das Areal zunehmend. Dort stehen derzeit einige Ladengeschäfte leer. „Unser Ziel ist klar: Wir wollen einen langen Leerstand mitten in der Stadt verhindern und eine zeitnahe, städtebaulich sinnvolle Nachnutzung erreichen. Die Stadt übernimmt dabei eine aktive Rolle – als Moderatorin, als Ideengeberin und, wo nötig, als Antreiberin“, so Burger. Er umschifft damit die Frage, ob die Stadt auch weiterhin als Käufer in Frage kommen würde. Seine Parteigenossin und Vorgängerin Maltz-Schwarzfischer nimmt Burger dabei in Schutz: „Ich knüpfe dabei an die klare Linie meiner Amtsvorgängerin an, die sich nicht von fadenscheinigen Aktionen überrumpeln und hinters Licht führen hat lassen.“ Burger meint damit einen im Nachhinein offenbar fingierten Verkauf des Gebäudes in den Nahen Osten. Damals hieß es, man plane ein islamisches Zentrum in dem Gebäude. Der vermeintliche Deal wurde allerdings nie vollzogen, nachdem der Stadtrat sich gegen das Vorkaufsrecht entschieden hatte.

Gebäude kaufen – aber nur ohne belastende Erbpacht?

Interessant ist, was der Stadtrat noch unter Maltz-Schwarzfischer im März entschied. „Eine Mitwirkung der Stadt bei einem Eigentumswechsel aller Gebäudeteile in eine einheitliche Hand wird dabei als Option zu jedem Zeitpunkt untersucht“, heißt es. Das Interessante steht zwischen den Zeilen. Denn ein Teil des Gebäudes steht auf einem Erbpachtgrundstück einer weit verzweigten Erbengemeinschaft. Offenbar ist das Ziel, in den Verhandlungen sowohl den Eigentümer des Gebäudes als auch den Erbpachtgeber davon zu überzeugen, den früheren Kaufhof in eine Hand weiterzugeben. Gelänge Burger dies, hätte er eine verfahrene Situation gelöst.