Bis zuletzt auf Wunder gehofft – Urabstimmung über Streikende läuft bei Mahle in Neustadt

Noch ist der Streik beim Autozulieferer Mahle nicht beendet. Klar ist aber, dass die Mitarbeiter hohe Abfindungen und IG Metall-Mitglieder einen Mitgliederbonus erhalten sollen. Per Urabstimmung wird jetzt darüber entschieden, ob der unbefristete Streik beendet und das Angebot angenommen wird.
Die Stimmung ist gedrückt bei den Mahle-Mitarbeitern am Montag. Gerade haben sie die Einzelheiten des Ergebnisses ihres Streiks bei einer Mitgliederversammlung der IG Metall in der Mahle-Werkskantine erfahren. „Nach vier Tagen Erzwingungsstreik erhalten die Beschäftigten hohe Abfindungen – weit über das übliche Maß hinaus“, hatte die IG Metall Bayern bereits am Freitagabend mitgeteilt. Die genaue Höhe der Abfindungen wurde nicht mitgeteilt.
Jetzt liegen konkrete Zahlen vor, doch die will niemand nach der Mitgliederversammlung am Montagvormittag verraten. Vereinzelt gibt es Unmut, dabei geht es nicht nur ums Geld. Ein Mitarbeiter schimpft: „Die Abfindung muss ja noch versteuert werden, was bleibt denn da übrig? Da bereichert sich doch die Regierung am Elend der Bevölkerung.“ Ein anderer sagt: „Es ist nicht wie vor zehn Jahren, wo du in so einer Situation einfach zur nächsten Firma gegangen bist.“ Wieder ein anderer relativiert das Verhandlungsergebnis: „Die Abfindung ist nicht das, was wir wollten, aber mehr war nicht herauszuholen.“ Insgeheim hatten wohl viele Mitarbeiter darauf gehofft, dass der Standort erhalten bleibt. Danach sieht es mit dem jetzt vorgelegten Verhandlungsergebnis nicht aus.
Peter Meier, stellvertretender Betriebsratsvorsitzender bei Mahle in Neustadt, kann die Mitarbeiter verstehen. „Wenn du eine Werksschließung hast, ist die Stimmung einfach nicht gut“, erklärt er. Die Situation sei für die Mitarbeiter extrem herausfordernd. Zugleich weist er auf die Ausgangssituation hin: Der Betrieb mit seinen rund 400 Mitarbeitern soll 2027 geschlossen werden. Das erste Abfindungsangebot, das das Management vorgelegt hatte, wurde von Gewerkschaftsseite als Angebot „für ein freiwilliges Ausscheiden“ aus dem Betrieb beschrieben. Doch davon könne bei einer Betriebsschließung nicht die Rede sein, hatten Gewerkschafter kritisiert. Für eine Betriebsschließung sei das Angebot nicht ausreichend gewesen.
Das neue Angebot, auf dass sich IG Metall und Mahle-Management geeinigt haben, macht die Höhe der Abfindungen von mehreren Faktoren abhängig. Grundlegend sind das Alter der Beschäftigten und die Dauer ihrer Betriebszugehörigkeit, wobei Mitarbeiter, die viele Jahre im Betrieb sind und kurz vor der Rente stehen, nicht automatisch die höchste Abfindung erhalten. Zusätzliche Abfindungen gibt es z.B. für Beschäftigte mit Schwerbehinderung oder Gleichstellung und für Mitglieder der IG Metall. Der Mitgliederbonus bringt organisierten Beschäftigten mit langen Mitgliedschaften deutlich mehr Abfindung ein. Außerdem wurden ein Härtefall-Fonds sowie eine Transfergesellschaft für alte Mitarbeiter vereinbart.
Ob der Verhandlungsvorschlag angenommen wird, steht noch nicht fest. Bis Dienstag um 13 Uhr läuft die Urabstimmung. Um den Streik zu beenden und das Angebot anzunehmen, müssen mindestens 25 Prozent der Mitglieder für das Streikende stimmen. Das Ergebnis der Urabstimmung liegt voraussichtlich Dienstabend vor.