Unglaubliche Fußball-Odyssee nach Kiew: Siegenburger schreibt Reise-Abenteuer nieder

Er setzte sich einfach in den Zug, ohne Fahrplan, ohne Ticket fürs Stadion, ohne Unterkunft – der Siegenburger (Landkreis Kelheim) Pit Seefelder wollte in 2018 aber unbedingt dabei sein beim Champions-League-Finale seines Herzensclubs FC Liverpool in Kiew. Die Reise wurde zum Abenteuer. Jetzt hat er darüber ein Buch geschrieben.
Schottenrock, Liverpool-Kluft, Kenny-Dalglish-Fahne: Das war alles, was Seefelder dabei hatte, als er wenige Tage vor dem Endspiel in Kiew in Regensburg in die Bahn stieg. Ein Zugticket hatte er gekauft – bis Wien. „Über alles andere machte ich mir nicht wirklich Gedanken, ein bisschen mulmig war mir schon“, sagt der 51-Jährige. Einzig die Liebe zu den „Reds“ war sein Kompass.
Seit über 20 Jahren schwärmt der Siegenburger für Liverpool. An der Anfield Road war er 2005 zum ersten Mal im Stadion, besuchte Heim- und Auswärtsspiele sowie Champions-League-Partien des Vereins. Daraus entwickelte sich eine Reisebegeisterung zu Fußball-Stadien weltweit: Maracana in Rio, Camp Nou in Barcelona, Stade de France in Paris – über 50 Fußball-Arenen hat der Groundhopper schon gesehen.
Nach einer Nacht in Wien schien schon alles vorbei
Unvergleichlich bleibt für ihn die Stimmung unter den Liverpool-Fans. Die er auch in Kiew erleben wollte. In Wien angekommen, brachten ihn frühere Kollegen aus dem Restaurant „Leupold“, wo er vor 20 Jahren Koch lernte, für eine Nacht unter. Ein Zugticket nach Kiew zu ergattern, gelang ihm aber nicht. „Nur über Warschau wäre eine Anreise noch möglich“, lautete die Auskunft am Wiener Hauptbahnhof. Seefelder stieg in den Zug nach Polen.
In Warschau hieß es: „Der Zug nach Kiew ist ausgebucht.“ Ein Schaffner ließ den Bayern dennoch zusteigen. Seefelder gesellte sich zu drei wallisischen Liverpool-Anhängern. Und erfuhr von strengen Kontrollen an der polnisch-belarussischen Grenze. „Ohne Fahrkarte würde ich rausfliegen.“ Die Walliser versteckten ihn unter einem Bett in ihrer Schlafkabine. „Mir wurde ganz anders, als die Grenzpolizisten durch die Waggons gingen.“

Sie entdeckten den Siegenburger nicht. Bis Kiew teilte er sich dann mit einem Liverpool-Fan namens Ray und dem Ukrainer Yuri eine Belegschaftskabine. Nach 22 Stunden ab Warschau war der Endspielort am Vorabend des Finales erreicht. Hilfsbereit organisierte Yuri dem Hallertauer und Ray bei Landsleuten ein Quartier. „Wir stiegen zu einer wildfremden Frau ins Auto, alles klappte.“
Seefelder sagt heute rückblickend: „Immer wieder traf ich auf Menschen, die mir weiterhalfen.“ Für ihn steckt die „Mystik“ der legendären Liverpool-Hymne „You’ll never walk alone“ dahinter, nicht nur bezogen auf die Fangemeinde. In seinem Buch „Endstation Kiew“ lässt der Siegenburger die Hauptfigur Pittus Kopite diese Abenteuerreise in 2018 erleben.
Am Finaltag feierten Tausende Liverpool-Fans – 35.000 waren letztlich im Stadion – in einem Park eine Warm-up-Party, Seefelder mittendrin. „Allerdings hatte ich noch immer keine Endspielkarte.“ Ray dagegen hatte vier, er erwartete noch Kumpels von der Insel. Die jedoch in Frankfurt strandeten, weil Flüge nach Kiew gestrichen wurden. Damit kam der Siegenburger an sein Ticket, noch dazu kostenlos. Als „Gegenleistung“ verkaufte er die beiden übrigen Tickets für Ray im Park.
Junge Ukrainer nehmen ihn auf – er revanchiert sich
Dass der enttäuschte Seefelder nach der 1:3-Niederlage gegen Real Madrid vor einer abgeriegelten Unterkunft stand, zählt zu weiteren Geschichten der Odyssee. Ein junges ukrainisches Geschwisterpaar ließ ihn bei sich nächtigen, gratis. Jahre später, mit dem Ukraine-Krieg, flüchteten die Geschwister nach Deutschland. „Ich habe sie nach Siegenburg eingeladen, um mich zu revanchieren.“
Seefelders Kiew-Reise endete nach genau einer Woche wieder in Regensburg. Die Idee, daraus ein Buch zu machen, entstand fünf Jahre später. In der Corona-Zeit hatte der pädagogische Mitarbeiter der Katholischen Jugendfürsorge der Diözese Regensburg online einen Autorenkurs belegt. „Ich wollte im Lockdown eine Beschäftigung haben.“ Erste Schreibversuche kamen dabei gut an.

Zwei Jahre arbeitete er an „Endstation Kiew“. Der Regensburger Schauspieler Heinz Müller stand als Lektor an seiner Seite. Die erste Auflage von 200 Stück wird Mitte Juli vorliegen – und ist schon vergriffen. „Über Facebook haben etliche Bekannte ein Exemplar bestellt. Ich bin völlig überrascht.“
Mit dem Manuskript wurde er auch in den Buchhandlungen Nagel (Abensberg) und Pustet (Regensburg) vorstellig. Dort wird sein Werk, von dem bald weitere 500 Stück gedruckt werden, ausliegen. Schon schwebt Pit Seefelder ein zweites Buch vor. Von Abensberg aus reiste er zu einem Liverpool-Spiel nach Istanbul und fuhr mit dem Zug die Route des Orientexpress. „Aber es war nicht die luxuriöse Variante, entsprechend viele Abenteuer gab es wieder.“
Zum Buch
Inhalt: Pit Seefelder schildert die Reise nach Kiew auf rund 140 Seiten. Fotos von damals ergänzen das Werk.
Druck: Der Autor bringt das Buch im Selbstverlag heraus. Hergestellt wird es bei Kelly-Druck in Abensberg.
Preis: Die Hardcover-Version kostet 24,90 Euro; das Taschenbuch 17,90.