Aus Liebe zum Fußball und zum FC Liverpool: Siegenburger bereiste schon 50 Stadien weltweit

Die Zahl kann er nur überschlagen: In rund 50 Fußball-Stadien der Welt war der Siegenburger Pit Seefelder bereits zu Gast. Vom Maracana in Rio über die Spielstätten von FC Barcelona, Real Madrid und AC Mailand bis an die Anfield Road in Liverpool – überall hat er schon Spiele gesehen. Entstanden ist alles aus einer besonderen Liebe.
Stadion- oder Groundhopper nennt man Fans, die einen Fußballtempel nach dem anderen aufsuchen. „Ich kam eher zufällig dazu. Es hat sich nach und nach entwickelt“, sagt Seefelder. Und wie: Bei den Champions-League-Endspielen in Kiew (2018), Madrid (2019) und Paris (2022) war er dabei, bei Stadtderby-Klassikern in Rio de Janeiro, Buenos Aires und Glasgow – und sämtliche Premier-League-Stadien in England hat er bereist. „Allein das sind 18 Stück.“
Seine Reise durch die Fußball-Welt begann mit einem beruflichen Aufbruch. Aus einer Metzgerei-Familie stammend, erlernte auch Seefelder diesen Beruf, wurde aber später Koch. Ende 2005 beendete er seine Ausbildung im Restaurant „Leupold“ in Wien (noch jedes Jahr besucht er das Derby Rapid gegen Austria). „Dann ging ich nach Dublin“, erzählt er. Nicht nur um Berufserfahrung zu sammeln, sondern auch „meiner großen Liebe“ wegen: dem FC Liverpool.
Mit der Fähre zum ersten Liverpool-Spiel
Mit der Fähre setzte er von Irland über und besuchte an der Anfield Road der „Reds“ im November 2005 das erste Ligaspiel. Wenig später heuerte er in einem Restaurant in Liverpool an. Auch als er 2007 zu weiteren Jobs als Koch nach Schweden und Spanien weiter zog, blieb die Verbundenheit zum FC Liverpool. „Bei einem Spiel in England wird der ganze Tag gefeiert und zelebriert. Ein gutes Essen gehört für mich da auch dazu.“
Nach und nach wuchs Seefelder in die Fangemeinde. Es entstand ein Netzwerk an Kontakten mit anderen Anhängern. Für „The Bavarian Kopheit“, wie sie ihn nennen (Kop ist eine Tribüne im Stadion), organisieren seine englischen Kumpels Tickets, sei es für die Liga oder die Champions League. Weshalb er auch für die besagten Endspiele Karten hatte oder für Auftritte seiner „Roten“ in Barcelona, Prag oder Brüssel.
Die größten Klubs schrieb er an
„Tolle Stadien und tolle Städte zu sehen, war immer ein Kindheitstraum“, sagt der Hallertauer, der 2014 in seine Heimat zurückkehrte und heute als pädagogischer Mitarbeiter der Katholischen Jugendfürsorge der Diözese Regensburg tätig ist. Abseits der Reisen im Liverpool-Support schrieb er Klubs in ganz Europa um Tickets für Heimspiele an: Real Madrid, FC Barcelona, AC Mailand, Ajax Amsterdam. „Anfangs hatte ich keine Chance, aber mit der Zeit kannte man meinen Namen“, lächelt er.
Und überall, wo er auftaucht, knüpft er Kontakte. „Vor etwa zehn Jahren war ich schon in Rio, ohne Fußball-Abstecher. Dabei lernte ich einen Taxifahrer kennen, der mir für meine spätere Südamerika-Reise Karten für das Maracana besorgte.“ In 2019 unternahm der Siegenburger den Trip dorthin und stand auch in den Zuschauerreihen des „La Bombonera“ in Buenos Aires, wo er eine Bekannte aus seinem früheren Kochleben hat.
Er nächtigt in einer Kultkneipe an der Anfield Road
Auf etwa acht Stadion-Reisen im Jahr kommt er inzwischen. „Die Zeit zwacke ich mir vom Urlaub ab.“ Bei den Kosten fallen die Flüge am meisten ins Gewicht. „Bei den Tickets werde ich gerne mal eingeladen“, schmunzelt er. Und selbst bei der Logis hat er „Hauspreise“, zumindest an der Anfield Road. Wenn er keinen Steinwurf entfernt in der Kultkneipe „The 12th man pub“ schläft, kommt ihm der Wirt preislich entgegen.
Auch wenn er die schönsten Stadien der Welt kennt – mit der Atmosphäre bei den „Reds“ kann keines mithalten, findet Seefelder. „Das ist wie ein Rockkonzert.“ Die Reise mit Bussen von Liverpool aus zu Auswärtsspielen sei „besonders speziell“. „Da kriege ich fast eine Gänsehaut, wenn der ganze Tross aufbricht. Die Fans leben die Hymne: You’ll never walk alone.“ Durchaus, „trinkfest sollte man auch sein“. Auch bei Champions-League-Auftritten in anderen Städten seien „die friedlichen“ Fans gern gesehen. Die Endspiele der „Reds“ waren für ihn auch die Highlights bisher.
Kein Autogramm-Jäger, aber ein Faible für Legenden
Ein Mann, der die Stars am Platz anhimmelt, ist der Hallertauer nicht. „Ich bin kein Autogramm-Jäger oder sage: Der oder der ist der weltbeste Spieler. Mir geht es um ein schönes Spiel“, sagt der frühere Kicker – unter anderem ein Bayernliga-Jahr beim SSV Jahn Regensburg – und ehemalige Trainer der SG Siegenburg/Train. Ihn begeistern Liverpool-Legenden wie Alan Kennedy, Kenny Dalglish oder Steven Gerrard. Als ihm Fans ein Treffen mit Kennedy, Ikone der 1980er-Jahre, ermöglichten, „dachte ich nur: Wahnsinn!“
Zwei große Spielorte hat Pit Seefelder noch auf dem Zettel. die Stadien des SSC Neapel und von Juventus Turin. „Warum ich das alles mache? Weil ich die Stadien und die Fans sehen und erleben will. Eine Atmosphäre wie im Fußball findet man sonst nirgends“, sagt er.
Seine EM-Tipps
Auftakt: Für das EM-Eröffnungsspiel Deutschland gegen Schottland (14.Juni) hat Seefelder längst Tickets. Er tippt einen 2:1-Sieg der DFB-Elf.
Prognose: Siege über Ungarn (1:0) und die Schweiz (3:0) würden in der Vorrunde folgen, sagt Seefelder. „Ich traue der Mannschaft das Halbfinale zu.“


