Von „den gesunden Fünf“ kränkelt eine: Die prekäre Lage der Kaiser-Therme Bad Abbach

Als „die gesunden Fünf“ stellt sich die Thermengemeinschaft in Niederbayern dar. Eine kränkelt aber schwer: Die Kaiser-Therme in Bad Abbach steht ohne ein 50-Millionen-Euro-Paket vor dem Aus. Das jüngste Kind unter den Kurmittelhäusern im Bezirk hatte schon eine schwere Geburt – und leidet bis heute darunter.
Aktuell laufen die Bemühungen um den Erhalt der Kaiser-Therme. 50 Millionen Euro sind in den nächsten 15 Jahren für den Fortbestand erforderlich, rechnete der Zweckverband Kurmittelhaus Bad Abbach Mitte März 2024 vor. „Die Situation ist kritisch. Die im Raum stehenden Summen sind geradezu schwindelerregend in einer Zeit, in der die kommunale Familie vor großen finanziellen Herausforderungen steht“, sagt Bezirkstagspräsident Olaf Heinrich auf Anfrage der Mediengruppe Bayern.
Der Bezirk hält – wie auch bei den übrigen vier Thermen in Niederbayern – 60 Prozent des Zweckverbands. Er müsste für Bad Abbach eine Summe von 30 Millionen Euro aufbringen. Eine Entscheidung darüber ist noch nicht gefallen. Landkreis und Kommune, jeweils mit 20 Prozent beteiligt, müssen über ihre Mittel (etwa je 10 Millionen Euro) auch erst befinden.
Erste „lose“ Privat-Interessenten
„Wir prüfen auch andere Optionen, was könnte funktionieren, was nicht“, sagt Bad Abbachs Bürgermeister Benedikt Grünewald. Erstmals berichtet er von „losen Interessenten“ aus dem Bereich privater Investoren. Die Frage sei freilich, ob ein möglicher Investor 22 Millionen Euro für die Sanierung der Gebäudetechnik schultern will. Weitere 13 Millionen Euro sollen in die Attraktivierung fließen, 15 Millionen in Defizitausgleich und Kredite.
Wie auch immer die Lösung für einen Weiterbetrieb aussieht – „wir brauchen neue Ideen“, sagt Grünewald. Denn das Kurzkonzept sei im Prinzip schon gescheitert, als die Kaiser-Therme 1993 eröffnet wurde. „Ein Jahr zuvor wurden Kuren als Regelversorgungsleistung abgeschafft.“ Was Investoren davon abhielt, in Bad Abbach Kliniken und Hotels zu errichten. „Die dafür vorgesehenen Grundstücke sind bis heute nicht für den Gesundheitstourismus genutzt“, weiß Bezirkstagspräsident Heinrich.
Die übrigen Thermen gingen früher an den Start
In den anderen vier Kurorten ist diese Infrastruktur vorhanden, da sie früher an den Start gingen: Bad Füssing (Europa-Therme) schon 1961, Bad Birnbach (Rottal-Terme) 1976 , Bad Griesbach (Wohlfühl-Therme) 1977 und Bad Gögging (Limes-Therme) 1979. „Dort sind Beherbergungsbetriebe entstanden, in Bad Abbach nicht“, so Heinrich. Zudem trugen Investoren ihr Geld nach der Maueröffnung 1989 lieber in den Osten, ergänzt Grünewald.
Bis heute zeigt sich diese Entwicklung in den Übernachtungszahlen. Bad Füssing ist mit über zwei Millionen in 2023 der Spitzenort unter Niederbayerns Thermen, Bad Birnbach und Bad Griesbach liegen bei rund 800.000 Übernachtungen, Bad Gögging kam im Vorjahr auf fast 550.000 – Bad Abbach zählte nur knapp über 75.000.
Bei Besucherzahlen hält Bad Abbach mit
In Relation dazu steht die Kaiser-Therme bei Besucherzahlen gut da. Über 191.000 Gäste wurden 2023 registriert. Was in Schlagdistanz zu Bad Griesbach (rund 253.000) liegt. Die Limes-Therme rangiert mit knapp 345.000 Besuchern auf Platz zwei hinter Krösus Bad Füssing (über 543.000). Defizitär sind alle fünf Häuser.
„Die Kaiser-Therme ist ein wichtiger touristischer Leistungsträger“, sagt Florian Best, Geschäftsführer des Tourismusverbands im Landkreis Kelheim. Aber auch er landet bei der Analyse bei fehlenden Unterkünften. „Dafür ist der Wohnmobilstellplatz in Bad Abbach eine starke Nummer.“
Bad Gögging erschließt neue Zielgruppen
Erfolgreich behauptet sich Bad Gögging. Das beruhe darauf, neue Zielgruppen zu gewinnen, sagt Franz Bauer, der operative Werkleiter. Neben der Therapie als Kerngeschäft habe man „Prävention und ambulante Kurbehandlung stark ausgebaut“. Ein „Glücksfall“ sei die Historie, die in der Römersauna Ausdruck findet. Hier sowie in der Abteilung Terravitalis (Moor-/Hopfenbäder, Salzgrotte) zähle man jährlich jeweils knapp 50.000 Gäste.
Auf neue Kundschaft zielt auch Bürgermeister Grünewald für Bad Abbach ab. Die Asklepios-Klinik hat er dabei weniger im Blick. „Dort gibt es kaum Patienten mit drei bis fünf Wochen Aufenthalt, die ihre Freizeit füllen müssen.“ Vielmehr lebe man von den Tagesgästen aus Regensburg und Umgebung. „Wir müssen stärker herausstellen, dass wir vor den Toren eines der größten Tourismusmagneten Bayerns liegen.“ Auch Radtouristen seien ein mögliches Publikum.
Entscheidung in der ersten Jahreshälfte 2024
Bei den Marktführungen höre man immer wieder verwunderte Ausrufe: „Was, eine Therme gibt’s hier auch?“ Ob das weiterhin so sein wird, entscheidet sich noch in der ersten Jahreshälfte 2024.
Wo Heilwasser sprudelt und Geld fließt
Badelandschaft: Mit fünf Becken ist die Kaiser-Therme mit Abstand die kleinste im Bezirk. Bad Birnbach bietet 30 Becken, Bad Füssing 17, Bad Griesbach 16 und Bad Gögging 15. Hinsichtlich der Saunen hält Bad Abbach mit sechs Stück Schritt – Bad Birnbach ist mit 13 führend.
Sanierungen: In allen fünf Thermen gab es in den vergangenen Jahren Instandhaltungen oder Modernisierungen, auch in Bad Abbach. Problem der Kaiser-Therme ist, dass die nötige Sanierung der Gebäudetechnik nur unter Vollschließung des Bades für 90 Wochen erfolgen kann.
Investitionen: In die Kaiser-Therme sollen 13 Millionen Euro in die Attraktivierung fließen. Bad Griesbach erfuhr in 2017/18 ähnliches für 10 Millionen. Bad Füssing bekam in dieser Zeit neue Saunen für 4,3 Millionen Euro. 2021 gingen dort nochmals 4 Millionen in den Gastrobereich.
