Alexander Costa verändert seine Tagebücher mit dem Reißwolf

„Transformation“ heißt eine Ausstellung des Malers Alexander Costa, die am Sonntag, 7. Juni, 11 Uhr, in der Kleinen Galerie am Burgtor mit einer Kunstaktion beginnt. Um den philosophischen Ansatz, der dahinter steckt, verstehen zu können, bedarf es einer Erklärung. Die liefert der 72-Jährige gerne.
Costa schreibt Tagebuch, täglich , seit Jahrzehnten. Mal sind es Notizen, meist aber sind es Skizzen, Zeichnungen, gemalte Gedanken.
Die eine oder andere Träne wird sicher fließen
Ein Schatz, wird jedem schnell klar, der durch einige der Aufzeichnungen blättert. Auch sein Malerkollege und Freund Ferry Baierl ist da und sagt fast verzweifelt: „Das willst du alles schreddern, das kannst du doch nicht machen.“ Costa kann und schüttelt den Kopf, als ihn Baierl fragt, ob er das ein oder andere Blatt behalten und so retten kann. Nur Costas Töchter können das.
Sie haben alle Tagebücher, die von 1998 bis 2011 entstanden sind, durchgesehen und aussortiert, was keinesfalls transformiert werden darf. Darum geht es nämlich. Die Tagebücher werden nicht vernichtet, sie werden in etwas anderes verwandelt. „Omnia mutantur, nihil interit“, steht auf dem Flyer zur Ausstellung. Die Aussage stammt aus dem Werk „Metamorphosen“ des römischen Dichters Ovid und bedeutet übersetzt: „Alles verändert sich, nichts geht unter.“
So werden die Tagebücher am 5. und 6. Juni in der Galerie geschreddert, die Schnipsel in Wasser eingeweicht. Am 7. Juni werden er, seine beiden Töchter und die Enkel Ella (8) und Mathilda (5) eine Skulptur daraus machen. Was es wird, ist noch völlig ungewiss. Beide Aktionen können beobachtet werden. Natürlich wird es für ihn schwer werden, wenn er seine Werke in den Reißwolf steckt. Da werde die ein oder andere Träne fließen. Deshalb sucht er auch die Öffentlichkeit, damit sich jeder überzeugen kann, dass er nicht womöglich andere Blätter und nicht sein eigenes Werk nimmt.
Mit der Aktion möchte Alexander Costa auch eine Frage zur Diskussion stellen. „Künstliche Intelligenz (KI)“, sagt er, „kann jedes Bild malen, aber kann es auch eigenes Wissen vernichten?“ Der Mensch könne zerstören und umwandeln. Er bezweifelt, dass KI zu so einem Handeln in der Lage ist, denkt, sie braucht immer Input von Außen. Philosophisch wird der Maler, wenn er sagt, alles befindet sich im Wandel. Ein Kunstwerk, das vor hundert Jahren gemalt wurde, verändert Farbe und Beschaffenheit. Costa lacht: „Mit meiner Aktion geht es nur schneller.“ Viele haben ihm schon gesagt, dass er spinnt, aber er erinnert an Banksy, der mit einer ähnlichen Aktion für Aufsehen gesorgt hat, die zu einem kleinen Teil auch Inspiration für ihn war.
In der Kunstwelt erinnert man sich daran, als das Bild mit dem Mädchen und dem Luftballon teuer versteigert und dann anschließend größtenteils geschreddert wurde. „Es ist das Wesen der Kunst, sie ist nichts und alles.“
Das wüssten wir spätestens, seit Beuys oder dem Tag, als eine an die Wand geklebte Banane südhaft teuer versteigert und anschließend verzehrt wurde. Seine Töchter hat Costa mit seinen Gedanken überzeugt, vielleicht auch, weil sie sich rausnehmen dürfen, was sie behalten möchten.
Alexander Costa lässt sich nicht umstimmen
Baierl startet noch einen Versuch, die Transformation zu stoppen: „Ich bekomme Herzweh.“ Doch sein Kollege bleibt hart. Immerhin bleiben die Tagebücher ab 2012 bis heute erhalten. 365 Blätter für jedes Jahr. Auch Pilzexpertin Elfriede Keilnhofer, die mit ihren Fotografien unter anderem in der Galerie ausstellt, schaut vorbei und wirft einen wehmütigen Blick in die Blätter: „Schade“, sagt sie.
