Bald ist Fußball-WM: Hier gibt es im Kreis Kelheim trotz später Anstoßzeiten Public Viewing

Warum gemeinsames WM-Spiel-Gucken bei der diesjährigen Fußball-Weltmeisterschaft in der Region zur Seltenheit wird – trotz gelockerter Lärmschutzregeln.
Gefühlt ist jetzt bereits Sommer. Die Sonne scheint, der Geruch von Gegrilltem liegt in der Luft und ein kühles Getränk ist in der Hand. Was fehlt noch? – Richtig, Fußball. Doch keine Sorge, die Weltmeisterschaft findet in wenigen Tagen statt und die deutsche Nationalelf kann sich vermeintlich gute Chancen auf ein Weiterkommen erhoffen.
Curaçao, die Elfenbeinküste und Ecuador warten in der Gruppenphase – Fußballnationen? Eher nicht. Doch das hat Deutschland auch in den vergangenen Turnieren nicht davon abgehalten schnell vom Ausscheiden Gebrauch zu machen. Damals haben Nationen wie Südkorea und Japan dafür gesorgt, dass deutsche Fußballfans verzweifelten.
Doch was hatten die letzten eher weniger erfolgreichen Turniere mit den Großen wie dem des Titelgewinns in Brasilien 2014 oder dem Sommermärchen 2006 gemeinsam? Die Leute sind zusammen gekommen, um mit den Nationalspielern mitzufiebern. Und das beim Public Viewing.
Fußball trifft auf schwierige Rahmenbedingungen
Doch in diesem Sommer muss man lange suchen, um im Landkreis Kelheim einen Ort dafür zu finden. „Also uns ist tatsächlich nichts bekannt“, antwortet der Ordnungsamtsleiter der Stadt Kelheim Fabian Gruner auf die Frage der Redaktion, ob denn Public Viewings in und um Kelheim stattfinden werden.
Die WM findet in Mexiko, Kanada und den USA vom 11. Juni bis 19. Juli statt. Daraus ergeben sich Anstoßzeiten, die für Europäer interessant werden können. Von 19 bis 6 Uhr morgens ist alles dabei – ein Umstand, der Veranstaltern die Planung erschwert.
Zwar hat die Bundesregierung eine Sonderregelung beschlossen, die Public Viewing nach 22 Uhr erlaubt, doch ein Selbstläufer ist das nicht. „Lärm ist immer ein Thema“, so Gruner.
Jede Veranstaltung werde einzeln geprüft, eine generelle Freigabe gebe es nicht. „Wir schauen uns die Größenordnung an, haben aber grundsätzlich keine Bedenken.“ Ob sich kurzfristig noch etwas ergebe, sei offen. In der Vergangenheit sei manches spontan entstanden – etwa beim Kreisstadtfest vor zwei Jahren, bei dem kurzfristig ein Public Viewing organisiert wurde.
„Späte Anstoßzeiten sind schwierig“
Auch beim Stadtmarketing zeigt man sich zurückhaltend. Thomas Wallner vom Verein Zukunft Kelheim erinnert sich an vergangene Turniere, etwa die Heim–EM vor zwei Jahren auf der Sportinsel. „Die späten Anstoßzeiten sind schwierig, da kommt das Feeling nicht so auf“, sagt er. Unter der Woche bis tief in die Nacht – das sei für viele einfach unattraktiv. „Von unserer Seite ist für dieses Jahr nichts fix geplant.“
Ähnlich klingt es in der Gastronomie. Die Brauerei Schneider Weisse etwa hat ihr Sommerprogramm längst festgezurrt. Public Viewing sei mit hohem Aufwand verbunden – und mit Risiken. „Wegen Ruhestörung handelt man sich schnell böses Blut ein“, sagt Christian Schürmann vom Marketing. Dazu komme die wirtschaftliche Unsicherheit: „Am Ende rechnet sich das in den meisten Fällen nicht.“
„Das lohnt sich nicht mehr“
Viele Wirte winken ab. Im Landgasthof Perzl in Lohstadt heißt es schlicht: „Lohnt sich nicht mehr“. Viele junge Leute würden ohnehin lieber „in Haisl oder Sportzentren“ gehen. Und die Kuchlbauer Brauerei aus Abensberg? Dort hält man sich zumindest ein Hintertürchen offen. Vielleicht im Biergarten, wenn Deutschland weit kommt – aber auch hier bremsen Lärmschutz und späte Anstoßzeiten die Euphorie.

Einige wenige Vereine bleiben dennoch am Ball und integrieren die WM-Übertragungen fest in ihre Festivitäten. Den Anfang macht der ATSV Kelheim, der im Rahmen seiner 155-jährigen Jubiläumsfeier vom 12. bis 14. Juni bestens gerüstet ist.
Beim ATSV- und SV-Jubiläum werden Spiele gezeigt
Da Technik, Räumlichkeiten und Organisation ohnehin bereitstehen, sieht der stellvertretende geschäftsführende Vorsitzende Jürgen Hackelsperger das Deutschland-Spiel gegen Curacao am 14. Juni „fast als einen Auftrag, mit 500 Leuten zusammen Fußball anzuschauen und zu feiern“.
Wenig später zieht der SV Kelheimwinzer nach. Dort plant man eine Übertragung während des eigenen Jubiläums am 20. Juni – auch aus einer gewissen Notwendigkeit heraus.
Auch beim Weinfest soll ein Deutschland-Spiel zu sehen sein
Der Vorsitzende Matthias Ilnseher erklärt pragmatisch: „Wenn wir das nicht zeigen, haben wir am Ende keine Gäste mehr.“ Dennoch gibt er zu bedenken, dass ein Public Viewing „nicht ohne“ sei, da der Aufwand für Technik und Logistik enorm bleibt. Auch beim Kelheimer Weinfest am 20. Juni soll das Spiel gegen die Elfenbeinküste übertragen werden.
Hoffnung auf spontane Lösungen bleibt
Glück hat man auch an einem anderen Ort im Landkreis: Eine Sportsbar in Neustart, das Alcatraz, überträgt ganzjährig Spiele. „Bei Deutschland–Spielen auf jeden Fall“, heißt es vom Inhaber Jürgen Rothdauscher. Allerdings ebenfalls vor allem drinnen, der Biergarten sei zu klein und der Lärmschutz – abermals – ein Thema. Beim Fuchsstadl in Riedenburg werden die Deutschlandspiele ebenfalls übertragen. Lediglich an diesen fünf Orten sollen also bisher Public Viewings stattfinden.
Auch aus touristischer Sicht ist die Lage noch unübersichtlich. „Stand heute weiß ich nichts Konkretes“, sagt Ramona Plank vom Tourismusverband des Landkreises. Oft würden Veranstaltungen erst kurzfristig gemeldet, meist im Mai. Hoffnung besteht dennoch:
Plan B fürs Kelheimer Kreisstadtfest
Beim Kreisstadtfest am 3. und 4. Juli könnte es Übertragungen geben – zumindest, wenn Deutschland noch im Turnier ist. „Plan B haben wir im Rucksack“, heißt es von Festorganisatorin Ariane Braun aus dem Rathaus. „Drücken wir mal die Daumen, dass Deutschland weit kommt.“
Unter Strich zeigt sich: Die Lust auf Fußball ist da, doch die Rahmenbedingungen haben sich verändert. Späte Anstoßzeiten, strenge Auflagen und wirtschaftliche Unsicherheiten bremsen den Public-Viewing-Boom früherer Jahre aus. Vielleicht wird die Weltmeisterschaft 2026 also weniger zum großen gemeinsamen Erlebnis auf öffentlichen Plätzen – und mehr zu einem, das wieder im kleineren Kreis stattfindet. Oder anders gesagt: Der Grill läuft, das Bier ist kalt – nur der große Bildschirm bleibt in vielen Fällen diesmal aus.
Deutsche Spiele
• Die Fußball-WM findet vom 11. Juni bis 19. Juli in Kanada, Mexiko und den USA statt.
• Die Gruppenspiele der DFB–Elf:
• 14. Juni, 19 Uhr: Deutschland – Curaçao (ARD)
• 20. Juni, 22 Uhr: Deutschland – Elfenbeinküste (ZDF).
• 25. Juni, 22 Uhr: Deutschland – Ecuador (ARD).