Sommer-Hitze im Mai: Warum auf Kelheims Ausflugsschiffen jedes Kilo zählt

Von Beate Weigert · 29. Mai 2026 um 19:00

Die touristischen „Zugpferde“ - Schifffahrt und Klosterschenke Weltenburg - sind inzwischen tägliches Umdisponieren gewöhnt. Auch beim Beladen der Schiffe haben die Betriebe inzwischen vieles ausgeklügelt, damit möglichst viele Gäste durch die Weltenburger Enge mitfahren können.

Die Pfingstferien zählen zur Hauptsaison. Viele Menschen kommen nach Kelheim, um die touristischen „Zugpferde“ zu erleben. Eine Schifffahrt durch den Donaudurchbruch, den Kieselstrand vor Kloster Weltenburg, die Klosterkirche, eine Einkehr im Biergarten der Klosterschenke. Die Menschen sind da. Doch die Betriebe hinter den „Flaggschiffen“ spüren wie die Land- und Forstwirte derzeit ihre Abhängigkeit von Wetter und Natur(-Monument).

Die Pfingstferien sind für die Schifffahrt, eine wichtige Zeit zum Geldverdienen. Doch der Betrieb ist nur eingeschränkt möglich, sagen Andreas Schweiger (li.) und Max Scheliga. - Foto: Beate Weigert

Urlauber und Ausflügler bekommen mehr oder weniger mit, dass die Donau wenig Wasser führt und sich die Schifffahrtsbetriebe wie die Klosterschenke in Weltenburg seit Anfang Mai täglich auf neue Gegebenheiten einstellen müssen. Denn der „Wonnemonat“ war trocken und zuletzt heiß wie der Sommer.

Normal war im Mai gar nichts – Nadelöhr in der Wipfelsfurt

Liefe alles regulär würden alle 40 Minuten Schiffe der Weißen Flotte in Weltenburg an- und ablegen. Zwölf Mal am Tag gäbe es Hin- und Rückfahrten durch die Weltenburger Enge. Alle 40 Minuten würden zur Mittagszeit 300 neue Passagiere in den Biergarten der Klosterschenke „gespült“. Doch seit 1. Mai fuhren die Schiffe einmal nach Plan, zwei Mal gar nicht und meist nur viermal am Tag mit dem kleinsten Schiff der Flotte. Ludwig, der Kelheimer, hält quasi die Linie aufrecht.

Die Urlauber sind da, aber längst nicht jeder ergattert, aktuell eine Hin- und Rückfahrt durch die Weltenburger Enge. - Foto: Beate Weigert

Er ist von der Bauart her am besten geeignet. Zusätzlich wurde aus ihm und weiteren Schiffen entfernt, was verzichtbar ist, damit sie möglichst geringen Tiefgang haben. Wasser- und Treibstofftanks werden nicht mehr ganz gefüllt, Getränkevorräte an Bord sind längst nicht mehr auf eine Woche ausgelegt. Doch kleinere Schiffe bedeuten weniger Fahrgäste, die man transportieren kann. Es gibt zwar Alternativ-Fahrten, etwa auf dem Kanal. Doch das Gros der Gäste will das „Aushängeschild“, den Donaudurchbruch erleben.

Schiffe wie „Ludwig, der Kelheimer“ wurden „erleichtert“. Alles, was nicht mit muss, bleibt an Land. - Foto: Beate Weigert

Am Donnerstag, 10.30 Uhr, konnten sich 154 Passagiere auf die erste Fahrt des Tages freuen. Welches Schiff wie viele Passagiere transportieren kann, hängt vom Donau-Pegel ab – und von einer Problemzone in der Wipfelsfurt. Denn eigentlich hätte man mit 2,35 Meter genug Wasser unterm Kiel und „noch kein Niedrigwasser“, sagt Andreas Schweiger von der Schifffahrt. Die Fahrrinne sei auf den fünf Kilometern nach Weltenburg gut, nur auf einer Länge von 30 Metern nicht. Denn an der seichtesten Stelle in der Wipfelsfurt liegt seit dem Hochwasser 2024 eine Kiesbank. Das ist die Krux.

Jeden Morgen gegen 6.30 Uhr schalten sich die Schifffahrtsbetriebe Schweiger, Stadler und Steibl zusammen, um zu besprechen, wie viele Gäste sie diesmal mitnehmen und wie viele Schiffe überhaupt fahren können, sagt Schweiger. Und manchmal ändert sich das auch während des Tages. In die eine wie die andere Richtung. Teils müssen sie Bussen absagen, teils die Gäste auf andere Fahrten umbuchen. Für die Büros „eine Herausforderung“. Nicht jeder habe Verständnis.

Zudem sind die Tage recht unterschiedlich: Pfingstsonntag ging gar nichts (Pegel um 8 Uhr: 2,25 Meter). Tags darauf waren es zur selben Zeit fast zehn Zentimeter mehr. Und am Dienstag sogar 2,45 Meter. Ob die Schneeschmelze im Allgäu den Pegel hob oder die Staustufe in Vohburg mehr Wasser durchließ, sie wissen es nicht. Sie bemerkten es – und es wirkt sich auf ihre Arbeit aus.

An einigen Abenden musste der Shuttlebus „gestrandete“ Klosterschenken-Besucher zurück nach Kelheim bringen. - Foto: Beate Weigert

Auch bei Rolf Holthausen wirkt sich das Ganze aus. Für den Geschäftsführer der Weltenburger Klosterbetriebe, zu denen die Klosterschenke gehört, fühlen sich die Tage im Mai 2026 an, wie die „Kopie von 2025. Man könnte auch sagen: Täglich grüßt das Murmeltier.“ Erst morgens um 8 weiß er, was auf ihn und die Mitarbeiter zukommt.

1500 Gästeabsagen seit 1. Mai in der Klosterschenke

Seit 1. Mai registrierte die Klosterschenke laut Holthausen 1500 Gästeabsagen. Oft helfe das digitale Buchungssystem nicht weiter. Denn „die einen Gäste kommen nun 30 Minuten früher, andere 60 Minuten später“. Die einen fahren mit Auto oder Bus, andere wandern. Da müsse man vor Ort flexibel eine Lösung finden, sagt Holthausen. Auch Fähre und Zillen seien wichtig.

Corona, mal Hoch-, mal Niedrigwasser: „Wir können es nicht ändern“, so Rolf Holthausen von der Klosterschenke. - Foto: Beate Weigert

Für das Personal der Klosterschenke änderte sich nichts. Die Dienste seien „nach Voll-Last“ geplant. Gegebenenfalls sei für manchen früher Feierabend. Trinkgeldtechnisch sei das freilich „auf Dauer nicht so schön“. Doch die Mitarbeiter müssten sich keine Sorge haben.

Die Tafel der Personenschifffahrt informierte am Donnerstag vor Kloster Weltenburg über aktuelle Abfahrtszeiten. - Foto: Beate Weigert

2018 als sich eine Kiesbank direkt vor der Weltenburger Anlegestelle auftat und von Juli bis Oktober kein Schiff anlegen konnte, bedeutete dies 30 Prozent weniger Umsatz, so Holthausen.

Wie sich die Lage derzeit bei der Schifffahrt auswirkt, will Andreas Schweiger nicht beziffern. Im trockenen vergangenen Jahr waren es am Ende 30 Prozent weniger Fahrgäste. Abgerechnet werde am Ende der Saison. Klar sei aber, aktuell wäre eine „wichtige Zeit“ zum Geldverdienen.

Christian und Ricarda aus Unterfranken marschierten bei 30 Grad zu Fuß nach Weltenburg, zurück hatten sie eine Schifffahrt ergattert. Bedienung Markus versorgte sie mit kühlem Bier. - Foto: Beate Weigert

„Eigentlich wollen wir nur unsere Arbeit machen“, sagt er. „Den Gästen die Landschaft zeigen, die Besucherlenkung erfüllen und nicht nicht jeden Tag zittern müssen“. Nun hoffen sie, auf den angekündigten Wetterumschwung, und dass sich tatsächlich Landregen breit macht und die finale Schneeschmelze im Allgäu noch was bringt. „2,50 Meter wären schön“, sagen Andreas Schweiger und „Ludwig“-Kapitän Max Scheliga. Bis dahin machen sie „das Beste“ aus der Lage.

Langfristig werde es einen Plan brauchen, sagt Rolf Holthausen. Denn wenn der Donaudurchbruch nicht zu befahren sei, werden weniger Leute überhaupt erst nach Kelheim kommen. Und das wirkt sich, wie die aktuelle Phase, nicht nur auf Schifffahrt und Klosterschenke aus. Das spürten viele. Lieferanten, Cafés, „die Stadt selbst“.

Von Hochwasser bis Flusskreuzfahrt

• 2024 schwemmte das große Donau-Hochwasser reichlich Kies an, der in der Wipfelsfurt – der seichtesten Stelle im Donaudurchbruch – liegen blieb. 2025 beeinträchtigte dieser die Schifffahrt bereits massiv. Vor Saisonbeginn hofften die Betriebe, dass sich das Problem über den Winter erledigte. Hat es aber nicht, so Andreas Schweiger. Zudem ist der Pegel seit Saisonbeginn nach 2025 erneut oft niedrig.

• Flusskreuzfahrt-Passagiere berichteten unserer Zeitung am Donnerstag, dass sie laut Reederei ab Regensburg wegen Niedrigwassers der Donau im Bus nach Linz weiterfahren müssten. Beim MDK Kelheim, der Flusskreuzfahrtschiffen Zeitfenster zum Anlegen in Gronsdorf vermietet, spürte man am Donnerstag laut Klaus Amann noch nichts davon. Allerdings nehme man wahr, dass Kreuzfahrtanbieter ab dem Main-Donau-Kanal klimabedingt immer öfter ihre Gäste auf Teilstrecken wegen niedrigen Donaupegels in Bussen von A nach B transportieren müssen, so Amann. Und entsprechend von Busunternehmen abhängig seien.